Heilbronn
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Der Heilbronner Kulturkeller ist in Not geraten

Die Corona-Pandemie hat auf der ältesten Kleinkunstbühne der Stadt Heilbronn tiefe Spuren hinterlassen. Es fehlt Geld an allen Ecken. Zu allem Übel bleiben derzeit auch die Zuschauer aus. Der Verein bittet um Unterstützung.

Joachim Friedl
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Lesezeit 2 Min
Der Heilbronner Kulturkeller ist in Not geraten
Im Kulturkeller sind schon viele Künstler wie Liese-Lotte Lübke mit ihrem musikalisches Kabarett aufgetreten. Droht jetzt das Aus? Foto: Archiv/Mugler  Foto: Mugler

Der Kulturkeller ist Not. "Die Corona-Pandemie hat auch bei uns tiefe Spuren hinterlassen", sagt Hanne Jacobi traurig und zugleich nachdenklich.

Sämtliche finanziellen Möglichkeiten seien mittlerweile erschöpft: "Wir müssen uns ernsthaft mit dem Gedanken einer möglichen Schließung befassen", macht die stellvertretende Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Kulturkeller deutlich. Für den Vorsitzenden Hans-Georg Bickel käme dies einem "unersetzlichen Verlust für das kulturelle Leben in der Stadt Heilbronn gleich". Gerade in einer Studentenstadt müsse ein solches Angebot "unbedingt weiterbestehen".

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Staatliche Corona-Hilfen gab es nicht

In finanzielle Schieflage geraten ist der 1983 im Gewerkschaftshaus an der Heilbronner Gartenstraße eröffnete Kulturkeller vor allem im Corona-Jahr 2021. Es fanden keine Veranstaltungen statt. Die Einnahmen schrumpften bis auf ein paar Spenden nahezu gegen null. Staatliche Hilfen blieben aus, da ehrenamtliche Arbeit von Bund und Land nicht gefördert wurde.

Die Gewerkschaft erhöhte die Miete

Zudem hatte die Vermögensverwaltungs- und Treuhand-Gesellschaft des Deutschen Gewerkschaftsbundes (VTG) als Vermieter der Kleinkunstbühne die Monatsmiete zum Oktober 2021 von 540 Euro auf 602 Euro mit dem Hinweis erhöht, es handele sich um eine Indexmiete, die in Abhängigkeit mit den Lebenshaltungskosten erhöht werden könne.

Stundung wird jetzt zur Belastung

Hilfreich war zwar, dass die VTG die Miete gestundet hat, doch musste sich der gemeinnützige Verein verpflichten, bis September 2023 monatlich neben der Miete eine Rate über 375 Euro für die Stundung während Corona zu bezahlen. Die Nebenkostenvorauszahlung in Höhe von 172 Euro übernimmt derzeit (noch) die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Von der Stadt Heilbronn erhält der Kulturkeller jährlich 2500 Euro.

Künstler wollen ihre Gage

Schwer leidet der Verein auch darunter, dass Gagen für die Künstler, die zwischen 800 und 1000 Euro liegen, derzeit nicht erwirtschaftet werden. "Pro Veranstaltungen verkaufen wir etwa 20 Karten zu 20 Euro. Da machen wir jedes Mal Verlust", schildert Hanne Jacobi die angespannte Situation.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Damit auch nach 39 Jahren die Arbeit der ältesten Kleinkunstbühne Heilbronns mit Kabarett, Theater und Musik sowie einem eigenen Schauspiel- und Kabarettensemble fortbestehen kann, appelliert Bickel an die Kulturfreunde, den einzigen Ort, an dem politisches Kabarett regelmäßig gespielt wird, finanziell zu unterstützen: "Wir wollen weitermachen und nicht aufgeben." Auch in Erinnerung an Künstler wie Günter Schramm, Anka Zink oder Angelika Hartmann.

Veranstaltungen im Weingut Fischer

Um Geld einzunehmen, finden im Weingut Fischer am kleinen Stiftsberg im Juli und August unter dem Titel "Kultur im Weinberg" verschiedene kulturelle Veranstaltungen statt. Los geht es am Freitag, 29. Juli, mit dem Auftritt der Jörg Linke Jazz Group. Weitere Termine sind am 5., 6, 12. und 13. August. Infos auf www.kulturkeller.de und www.weingut-fischer.de.

 

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