Heilbronn
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Chanukka-Feier an der Allee als Zeichen der Hoffnung und Toleranz

Jüdische Gemeinden überall auf der Welt feiern dieser Tage das Lichterfest Chanukka. Auch in Heilbronn gab es am Mittwochabend eine kleine Zeremonie mit großem Leuchter, und zwar am Synagogen-Gedenkstein an der Allee.

Kilian Krauth
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Chanukka-Feier an der Allee als Zeichen der Hoffnung und Toleranz
Vor jüdischen Gemeindemitgliedern und Gästen entzündete Rabbiner Mordechai Pavlovsky am Mittwochabend den Chanukka-Leuchter an der Allee. Foto: Mario Berger

Weihnukka: Diese Wortschöpfung aus Weihnachten und Chanukka machte am Mittwochabend an der Heilbronner Allee die Runde. Denn in Nachbarschaft zu vielen Christbäumen steht am Synagogengedenkstein derzeit ein großer Chanukkaleuchter. Tag für Tag entzünden Mitglieder der jüdischen Gemeinde diese Woche ein Licht. Am Abend kamen dazu auch etliche Gäste aus Politik und Kirchen.

Mit einer Ansprache, mit Gebeten und Segensliedern wie dem "Maos Zur" verwies Rabbiner Mordechai Pavlovsky auf die Bedeutung des Festes und verschenkte am Ende kleine Leuchter mit Kerzen, "lauter Zeichen der Hoffnung", wie er sagte, "gerade in dunklen Zeiten, damals wie auch heute".

An Chanukka, was so viel wie Einweihung heißt, erinnern Juden in aller Welt an die Befreiung und Wiedereinweihung des zuvor besetzten Jerusalemer Tempels im Jahr 165 vor der christlichen Zeitrechnung. Der Überlieferung nach war damals nur noch geweihtes Öl für einen Tag zu finden, doch am Ende brannte das Licht ganze acht Tage.

Oberbürgermeister Mergel: "Wir gehören zusammen"

"Wie der Anlass für dieses Lichterfest selbst, so ist auch unser Zusammensein Zeichen der Hoffnung und Toleranz", sagte Oberbürgermeister Harry Mergel. Beides brauche man heute so dringend wie schon lange nicht mehr. Mergel zeigte sich beschämt, dass der Heilbronner Chanukka-Leuchter 2017 zerstört wurde, und besorgt, dass jüdische Bürger immer wieder Anfeindungen ausgesetzt sind. Umso mehr bewege es ihn, "dass wir heute eingeladen sind, gemeinsam zu feiern, Bürger unterschiedlicher Religionen und Konfessionen. Im Respekt voreinander wollen wir tolerant und friedlich zusammen leben", so der OB. Auch wenn Hassprediger und Scharfmacher die Gesellschaft spalten wollten: "Wir gehören zusammen!"

Jubiläumsjahr wird verlängert

In diesem Sinne sei Chanukka auch ein Familienfest. In Anspielung auf das Ölwunder sei es üblich, in Öl gebratene Speisen zu essen, sogenannte Latkes, also Kartoffelpfannkuchen, und Sufganiot, eine Art Berliner, die Avital Toren als Leiterin der jüdischen Gemeinde aus Israel hatte einfliegen lassen und die sie nach der Feier in Tüten verteilte. "Normalerweise feiern wir in der Synagoge weiter." Aber Corona mache auch dies unmöglich, was 2021 besonders bitter sei. Denn das Jahr steht unter dem Motto "1700 Jahre Jüdisches Leben in Heilbronn". Bundesweit waren dazu zahlreiche Veranstaltungen angesagt, von denen wegen der Pandemie etliche abgesagt wurden, auch in Heilbronn.

Wie Koordinatorin Annette Geisler sagte, werde das offizielle Jubiläumsjahr kurzerhand um ein halbes Jahr verlängert. Auch die Präsentation eines vom Stadtarchiv geplanten und von der Bürgerstiftung unterstützten Buches über Geschichte und Gegenwart der Heilbronner Juden werde ins Frühjahr 2022 verschoben.

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