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Chanchengleichheit: Stadt Heilbronn richtet 1400 Zugänge für Homeoffice ein

Frauen in der Stadtverwaltung haben eine hohe Teilzeitquote. Fraktionen üben Kritik an der finanziellen Einstufung der Reinigungskräfte.

Thomas Zimmermann
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Lesezeit 2 Min
Homeoffice Frau
Während in der Heilbronner Stadtverwaltung nur 32 Prozent der Frauen in Vollzeit beschäftigt sind, sind es bei den Männern 88 Prozent. In der Privatwirtschaft arbeiten deutlich mehr Frauen ganztags.  Foto: Christin Klose (dpa-tmn)

Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die berufliche Chancengleichheit aus. Das wird im dritten Bericht zum Thema, den der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zur Kenntnis genommen hat, deutlich. Er kam verspätet auf den Tisch der Stadträte. "Mit zeitlicher, ebenfalls pandemiebedingter Verzögerung zeigt der Bericht die Entwicklungen der letzten drei Jahre auf", heißt es in dem Plan einleitend, den das Personal- und Organisationsamt jetzt vorgelegt hat.

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen

"Wir sind eben auch auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen angewiesen", macht die stellvertretende Leiterin des Personalamts Ute-Corinna Horch klar. Eine dieser Rahmenbedingungen jenseits der Corona-Pandemie sei die hohe Teilzeitquote von Frauen im öffentlichen Dienst. Während in der Heilbronner Stadtverwaltung nur 32 Prozent der Frauen in Vollzeit beschäftigt sind, sind es bei den Männern 88 Prozent. In der Privatwirtschaft arbeiten deutlich mehr Frauen ganztags.

"Fast ein Viertel der weiblichen Beschäftigten sind in der niedrigsten Entgeltgruppe beschäftigt", kritisiert die Heilbronner Frauenbeauftragte Sylvia Payer. "Das sind vor allem unsere Reinigungskräfte", erläutert Torsten Reinhart. "Ich würde mir wünschen, dass die Verwaltung wie in anderen Städten hier eine bessere Eingruppierung wählt", betont der Vorsitzende des Gesamtpersonalrats der Stadt Heilbronn. Auf der anderen Seite lobt Sylvia Payer den öffentlichen Dienst als guten Arbeitgeber, "insbesondere wegen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie". Dies gelte aber vor allem für Frauen, so die Frauenbeauftragte.

Richtige Richtung

"Der Bericht freut mich und zeigt, dass es in die richtige Richtung geht", betont Verena Schmidt. Die CDU-Stadträtin schlägt vor, dass künftig wieder mehr Praktika in der Verwaltung angeboten werden und dass die Fraktionszimmer mit einer besseren Technik ausgestattet werden, "um hybride Sitzungen zu ermöglichen".

"Väter müssen Elternteilzeit auch als eine Chance sehen. Hier muss eine Änderung der Prioritäten einsetzen", fordert Eva Luderer, Stadträtin der Grünen. "Wir müssen vor allem in den städtischen Tochterunternehmen mehr für Gleichheit tun", unterstreicht Marianne Kugler-Wendt. In der Verwaltung liege der Anteil der Frauen im Höheren Dienst und in Führungsfunktionen immerhin bei einem Drittel bis 50 Prozent", stellt die SPD-Stadträtin positiv heraus.

Am Thema dranbleiben

"Die Rollenverteilung muss weiterhin ausschließlich in der Verantwortung der Familie liegen und nicht in der Erfüllung der Quote", betont Alfred Dagenbach für die AfD. Für Marion Rathgeber-Roth (Freie Wähler) ist es erfreulich, "dass die Quote der Frauen in Leitungsfunktionen zu und in unteren Bereichen abgenommen hat". "Es ist wohl so, dass Männer Elternteilzeit immer noch als Karriereknick betrachten", lautet die Einschätzung von Nico Weinmann. Deshalb müsse man am Thema dranbleiben, so der FDP-Fraktionsvorsitzende. Einig waren sich alle Fraktionen, dass die finanzielle Einstufung der Reinigungskräfte verbessert werden muss.

Einen positiven Aspekt mit Blick auf die Chancengleichheit habe die Pandemie auf jeden Fall gebracht. "Wir haben in den zwei Jahren rund 1400 Zugänge für das Arbeiten von zu Hause aus eingerichtet und genutzt", betont der Personalchef der Heilbronner Stadtverwaltung Tilo Schilling.

Damit habe Homeoffice in dieser Zeit wirksam zum Infektionsschutz beigetragen. Gleichzeitig wurde so dafür gesorgt, berufliche und familiäre Belange in dieser Phase stärker in Einklang zu bringen.

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