Heilbronn
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Rollstuhl-Fahrer haben es schwer in Heilbronn

Ein Aktionstag inklusive Parcours zeigt: Bei Barrierefreiheit an Haltestellen gibt es in der Stadt ein enormes Defizit. Doch nicht nur dort.

Von Stefanie Pfäffle
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Lesezeit 2 Min
Mit dem Rollstuhl unterwegs in Heilbronn
Nils Türpe probiert den Parcours aus und empfindet die Hindernisse als herausfordernd. Helmut Stockmar achtet darauf, dass er sicher ins Ziel kommt.  Foto: Pfäffle, Stefanie

Es ist eine ernüchternde, eigentlich peinliche Zahl für die Stadt Heilbronn. Von 385 Bushaltestellen sind sage und schreibe 348 nicht barrierefrei. "Es gibt nicht mal wie in anderen Städten einen Zeitplan, bis wann alle umgebaut sein sollen. Dabei sieht das Gesetz vor, dass das bis 2022 hätte erfolgen müssen", stellt Michael Krämer fest. Der Sehbehinderte engagiert sich in der Selbsthilfegruppe "Gemeinsam besonders stark!". Mit Unterstützung der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) im Bildungspark machen er und seine Mitstreiter am Samstag auf dem Kiliansplatz auf das Problem aufmerksam.

Dafür sind Krämer, Rollstuhlfahrerin Alexandra Knöpfle und Michael Hansch von der Gruppe gemeinsam mit EUTB-Beraterin Tanja Jesser losgezogen und haben Heilbronn auf seine Barrierefreiheit hin untersucht, das Ganze mit Fotos und Videos auch dokumentiert und einen entsprechenden Bericht über den Barriere-Check verfasst. "Die Welt ist halt leider nicht rolligerecht, aber Inklusion fängt beim Kinderwagen an und hört beim Rollator auf", will Knöpfle die Barrierefreiheit gar nicht nur auf Menschen mit Gehbehinderung reduzieren. "Teilhabe für alle ist ganz, ganz wichtig, da muss sich dringend etwas ändern", stellt sie fest.

Nur zum Ausklappen

Es gibt so einiges, was das Trio bemängelt. "In Karlsruhe ist die Barrierefreiheit bei Haltestellen schon wesentlich mehr ausgebaut als in Heilbronn", stellt Krämer fest. Städte wie Ludwigsburg und Heidelberg hätten auch Busse mit automatisch ausfahrbaren Rampen - in Heilbronn Fehlanzeige, hier gibt es nur die zum Klappen und auch nur hinten. "Das bedeutet, dass ein Rollifahrer nicht alleine Bus fahren kann, denn selbst kann er die Rampe nicht ausklappen, und viele Busfahrer sagen, das sei nicht ihre Aufgabe." Auch seien die Busse oft zu klein, eine Gruppe von Rollstühlen habe keinen Platz und nach einem wird es schon für einen zusätzlichen Kinderwagen eng. In anderen Städten gebe es viel mehr solche geräumigeren Exemplare.

Natürlich hat die Gruppe auch im Rathaus nachgefragt, woran es denn liegt. "Die jüngste Aussage des OB war, dass die Genehmigung zum Umbau beim Land zu lange dauert, um kurzfristig bei Straßensanierungen Haltestellen umbauen zu können", erklärt Krämer. Außerdem fehle es wohl auch an entsprechenden Kapazitäten beim Amt für Straßenwesen.

Die Gruppe fordert deswegen einen Zeit- und Finanzierungsplan, bis wann alle Haltestellen umgebaut sein sollen, was möglichst schnell passieren müsste. Außerdem sollten größere Busse angeschafft werden, wenn möglich mit automatischen Rampen.

Tücken im Alltag

Um den Fußgängern einen Eindruck zu vermitteln, mit welchen Tücken ein Rollstuhlfahrer im Alltag zu kämpfen hat, wurde ein entsprechender Parcours aufgebaut. Nils Türpe, eigentlich gerade auf dem Weg zum Einkaufen, wagt sich an die Rampe, den Slalom und die Rillen im Untergrund. "Man kann viel reden, aber wenn man es am eigenen Körper spürt, bekommt man ein ganz anderes Gefühl dafür", begründet der junge Mann seinen Test.

Anstrengend sei es gewesen, teilweise habe er sich auch sehr unsicher gefühlt. "So zum Spaß ist das ja eine Sache, aber wenn das der Alltag ist, ist man schon sehr beschäftigt", stellt Türpe fest.

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