Heilbronn
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Angebliche Polizeigewalt: Noch immer Aussagen gegen Aussagen

Auch drei Jahre nach dem Vorfall in der Heilbronner Innenstadt ist das Thema juristisch noch nicht abgeschlossen. Am Landgericht begann am Donnerstag ein Berufungsprozess im Fall angeblicher Polizeigewalt.

Adrian Hoffmann
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Lesezeit 2 Min
Angebliche Polizeigewalt: Noch immer Aussagen gegen Aussagen
Auf dieser Baustelle kam es 2019 zur Festnahme. Foto: Archiv/Kümmerle  Foto: Kümmerle

Auch drei Jahre nach dem Vorfall in der Heilbronner Innenstadt ist das Thema juristisch noch nicht abgeschlossen. Ein heute 55 Jahre alter Radfahrer hat Berufung eingelegt gegen das Urteil, das im vergangenen Juni am Heilbronner Amtsgericht gegen ihn erging. Daher wird der Fall nun erneut aufgerollt, dieses Mal im benachbarten Landgericht. Der angeklagte Architekt sieht sich noch immer als Opfer roher Polizeigewalt.

Geschehen hatte 2019 großes Aufsehen erregt

Richter Frank Haberzettl schildert am Donnerstag zunächst die Vorgeschichte. Dem Angeklagten war vorgeworfen worden, im August 2019 einen Autofahrer beleidigt, anschließend Polizisten Widerstand geleistet und sie tätlich angegriffen und dabei auch verletzt zu haben. Der Mann hatte zunächst einen Strafbefehl erhalten, gegen den er Einspruch erhob.

In der Folge kam es zur Verhandlung am Amtsgericht. Die dortige Richterin verurteilte den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe von sechseinhalb Monaten plus 4000 Euro Geldauflage. Dagegen legte er Rechtsmittel ein, die Staatsanwaltschaft ebenfalls. Sie fordert eine höhere Strafe für den Mann.

Das Geschehen vor drei Jahren hatte großes Aufsehen erregt. Auf einen Zeitungsbericht hin hatten sich Zeugen gemeldet und von einem massiven, brutalen Einsatz mehrerer Beamter gegen den Mann berichtet. Die Frage blieb aber offen, wie viel sie vom Gesamtgeschehen erfassen konnten.

Polizisten bespuckt - oder nur geniest?

Der Angeklagte selbst zeichnet nun vor dem Landgericht erneut ein Bild, in dem ausschließlich er als Opfer zu sehen ist - nicht die beteiligten Polizisten. Diese hatten den Mann an jenem Tag im August 2019 auf einer Baustelle am Theater überwältigt, nachdem er sich, so die Darstellung der Polizei, einer Ausweiskontrolle widersetzt habe.

Zuvor war der Angeklagte auf seinem Fahrrad von einem Autofahrer in der Allee geschnitten worden, der falsch abbog und ihn beinahe erfasste. Erzürnt darüber, soll er den Autofahrer beleidigt und den Stinkefinger gezeigt haben. Der Autofahrer hatte das Polizisten mitgeteilt, die den Radfahrer anhalten wollten. Er sei aber weitergefahren und habe auch bei einer zweiten Ansprache den Ausweis verweigert. Der Angeklagte sagte, er wünsche sich eine freundliche Ansprache. "Ausweis her", so spreche man nicht. In der Folge soll er einem Polizisten ins Gesicht gespuckt haben. Er dagegen behauptet, er habe niesen müssen.

Prozess wird nächsten Donnerstag fortgesetzt

Polizisten brachten ihn zum Gewahrsam in eine Zelle. Der Angeklagte spricht noch immer von unverhältnismäßiger Polizeigewalt, sowohl am Theater als auch später in der Zelle. Er beschreibt den Ablauf auf Basis seiner Erinnerungen auch heute ausführlich. Auf die Nachfrage des Staatsanwalts, welchen Eigenanteil er am Entstehen der Situation gehabt habe, sagt der Angeklagte am Donnerstag: "Ich hätte vielleicht einfach meinen Ausweis zeigen sollen und mir meinen Teil dazu denken."

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Einige Zeugen sind geladen.

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