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Brautmoden bleiben in der Corona-Krise in Geschäften an der Stange hängen

Heiratswillige halten sich wegen Corona beim Kauf von Brautmoden nach wie vor zurück. Wie gehen Geschäfte in der Region mit dieser Situation um?

Kirsi-Fee Rexin
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Träume in Weiß verweilen an der Stange
Fotos: privat

Corona hat die Hochzeitspläne vieler im vergangenen Jahr ordentlich durcheinander gewirbelt. Trauungen mussten abgesagt, Termine gecancelt werden. Das hatte auch Folgen für die Brautmodengeschäfte in der Region. Anproben wurden abgesagt, Kleider zurückgegeben oder gar nicht erst gekauft. Die Umsätze brachen ein.

Aktuell gilt: Liegt die Inzidenzstufe bei 1 (entspricht einem Wert unter zehn Neuinfektionen bei 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen) dürfen im Freien maximal 300 Personen aus verschiedenen Haushalten zusammenkommen. Ein negativer Corona-Schnelltest beziehungsweise ein Genesenen- oder Geimpften-Nachweis ist nicht mehr erforderlich. Im Landkreis Heilbronn lag der Wert am Freitag bei 5,8. Wie wirkt sich das auf die Geschäfte im Bereich Brautmoden und festliche Kleidung aus?

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Andere Bereiche gleichen aus

"Die Situation im zweiten Jahr ist immer noch sehr schwierig", berichtet Klaus Müller, Inhaber von Kleider Müller in Gundelsheim. Auch wenn sich die Corona-Lage etwas entspannt habe und die Inzidenzen niedrig seien, sind "die Leute immer noch sehr zurückhaltend. Sie haben einfach keine Planungssicherheit", weiß Müller. Der aktuelle Umsatz entspreche nur 30 bis 40 Prozent von dem eines normalen Jahres wie 2019. Sorgen mache er sich deshalb aber keine. "Wir sind so aufgestellt, dass wir es mit anderen Bereichen ausgleichen können", so Müller. Im vergangenen Jahr hat er kurzfristig Wanderbekleidung ins Sortiment aufgenommen. "Die haben wir nun wieder abgegeben."

Kunden wollen trotzdem die neuen Trends

Zehn bis 15 Kunden berät Klaus Müller aktuell in der Woche. In Kürze wolle er nach Düsseldorf fahren, um neue Kleider zu kaufen. "Von der Menge her bräuchte ich natürlich nichts kaufen, aber die Hersteller haben neue Modelle entworfen, und die Kunden wollen die neuen Trends, wenn sie hierherkommen. Das muss einfach sein", weiß Müller. Bei festlicher Mode habe man viele Kleider stark reduziert. Auch über den Räumungsverkauf wolle er Ware, die schon eine Weile im Laden hängt, abverkaufen.

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Auch im Heilbronner Hochzeitshaus Brunner ist es noch sehr ruhig. "Wir haben Beratungen, aber die Verunsicherung bei den Leuten ist da", berichtet Sebastian Brunner, der mit seiner Frau Katja das Hochzeitshaus führt. Das hänge auch damit zusammen, dass die Inzidenzwerte in Heilbronn Achterbahn fahren. 2020 habe man bewusst weniger neue Kleider eingekauft.

Träume in Weiß verweilen an der Stange

Viele würden ihre Hochzeit nun schon das zweite Mal verschieben. "Wir lagern deren Kleider dann solang bei uns ein", so der 38-Jährige. Nur wenige Kundinnen hätten ihr Kleid ganz zurückgeben wollen. Sebastian Brunner und seine Frau haben sich über die Lockdown-Phase viele Gedanken gemacht. "Wir haben entschieden, den Verkauf von Brautmoden und festlicher Kleidung Ende August einzustellen. Wir konzentrieren uns dann nur noch auf den Bereich Trauringe", berichtet Brunner.

Melina Winkler und ihre Schwester Yvonne Kitt haben ihr Secondhand-Brautmoden-Geschäft in Neuenstadt erst im September 2020 eröffnet - trotz Corona. "Manchmal muss man Schritte gehen", erklärt Melina Winkler. Und die große Nachfrage bestätigte, dass ihre Entscheidung richtig war. "Im Dezember und Januar waren wir komplett ausgebucht", berichtet die 26-Jährige. Dass zu dieser Zeit ein monatelanger Lockdown herrschen würde, damit habe niemand gerechnet. Woche um Woche habe man die Beratungstermine verschieben müssen. "Das war natürlich schade." Doch da die Schwestern den Laden nur in Teilzeit betreiben und hauptberuflich noch anderen Jobs nachgehen, sei es wirtschaftlich verkraftbar.

"Inzwischen läuft das Geschäft wieder an", berichtet Melina Winkler. Die Kleider, die von ehemaligen Bräuten bei ihnen in Kommission gegeben werden, seien noch übersichtlich. Winkler ist zuversichtlich, dass das Geschäft weiter Fahrt aufnehmen wird. Denn das Thema Secondhand-Brautmode werde sehr gut von Heiratswilligen angenommen. "Für viele ist natürlich der Preis interessant, weil ein solches Kleid deutlich günstiger ist." Immer mehr Frauen würden aber auch im Sinne der Umwelt auf nachhaltige Mode setzen.

Regeln für private Feiern

Die Vorgaben für private Feiern in geschlossenen Räumen stellen sich anders dar: Bei einem Inzidenzwert unter 10 dürfen maximal 300 Personen aus verschiedenen Haushalten zusammenkommen. Alle Gäste müssen einen negativen Corona-Schnelltest, einen Genesenen- oder Geimpften-Nachweis haben. Am Freitag meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) für die Stadt Heilbronn bundesweit die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland mit einem Wert von 28,4.

Damit gilt bei privaten Feiern die Inzidenzstufe 2: Es dürfen maximal 200 Personen aus verschiedenen Haushalten zusammenkommen. Ein negativer Corona-Schnelltest bzw. Genesenen- oder Geimpften-Nachweis ist nicht mehr erforderlich. In geschlossenen Räumen sind es ebenfalls maximal 200 Personen aus verschiedenen Haushalten. Alle Gäste müssen einen negativen Corona-Schnelltest, einen Genesenen- oder Geimpften-Nachweis haben.

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