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Das halten Jugendliche aus Heilbronn von Steinmeiers Vorschlag einer sozialen Pflichtzeit

Der Bundespräsident wünscht sich einen sozialen Pflichtdienst, der für einen besseren Zusammenhalt in der Gesellschaft sorgen soll. Doch wie kommt die Idee bei Jugendlichen aus der Region an?

Jennifer Schnell
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Lesezeit 3 Min
Dorant aus Weinsberg, Zoe aus Buchen und Murat aus Weinsberg (v.l.) reagieren positiv auf eine mögliche soziale Pflichtzeit.  Foto: Jennifer Schnell

Für Freiwilligendienste in Deutschland gibt es jedes Jahr mehr Bewerber als Plätze. Deshalb sprach sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für eine soziale Pflichtzeit aus. "Es geht um die Frage, ob es unserem Land nicht guttun würde, wenn sich Frauen und Männer für einen gewissen Zeitraum in den Dienst der Gesellschaft stellen", sagte er der "Bild am Sonntag". Das müsse nicht bei der Bundeswehr sein, "die soziale Pflichtzeit könnte meiner Meinung nach genauso bei der Betreuung von Senioren, in Behinderteneinrichtungen oder in Obdachlosenunterkünften geleistet werden".

Die Bundesregierung hingegen lehnt den Vorschlag klar ab. Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) schrieb dazu auf Twitter: "Eine Dienstpflicht wird es mit uns nicht geben." 

Auch Familienministerin Lisa Paus (Grüne) spricht sich gegen die Einführung eines Pflichtdienstes für alle Jugendlichen aus. "Ein sozialer Pflichtdienst würde einen Eingriff in die individuelle Freiheit eines jeden Jugendlichen bedeuten", sagte die Grünen-Politikerin am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Doch was sagen eigentlich junge Menschen selbst dazu?

So kommt die Idee bei jungen Menschen aus der Region an


Der 14-jährige Shahem ist am Dienstag (14. Juni) in der Heilbronner Fußgängerzone unterwegs. Er findet ein sozialer Pflichtdienst wäre eine gute Möglichkeit, um Erfahrung zu sammeln und als junger Mensch selbstständiger zu werden, indem man sich um andere kümmert. Ein wichtiger Anreiz wäre für ihn jedoch auch eine Form von finanzieller Entlohnung, wie etwa beim Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ).

 
 
 
 
 
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Auch Elina aus Obrigheim gefällt die Idee Steinmeiers. "So haben junge Menschen die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen und genauer festzustellen, was sie wollen." Zudem kämen mehr Menschen in soziale Berufe und könnten anderen helfen, so die 18-Jährige. 

Ihre Freundin Jenny ergänzt, dass sich junge Menschen durch einen solchen Pflichtdienst mehr sozial engagieren würden. "Gerade, da viel Personal in der Pflege fehlt", fände sie den Vorschlag insgesamt gut. Allerdings äußert sie auch Bedenken, da sie nach der Schule lieber direkt zu studieren beginnen würde, anstatt ein Jahr "zu verschwenden". Dennoch würde sich die 16-Jährige darauf einlassen, wenn ein sozialer Pflichtdienst käme. 

 

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Anderen etwas Gutes tun

"Ich finde es eine gute Möglichkeit für Schüler, die nach ihren Prüfungen die Zeit nutzen können, um sich selbst zu finden und gleichzeitig anderen etwas Gutes zu tun", findet Murat aus Weinsberg. Er sieht einen sozialen Pflichtdienst als Chance für einen Perspektivwechsel. Zudem könnten junge Menschen so vielleicht dem Personalmangel in der Pflege entgegenwirken und Pflegekräfte entlasten. Der 20-Jährige könnte sich sogar vorstellen, dass durch den Dienst manche den Pflegeberuf für sich entdecken und langfristig in dem Bereich arbeiten wollen.  

Die 14-jährige Buchenerin Zoe sieht einen sozialen Dienst als Chance für die Gesellschaft, auch sie nennt den Mangel an Pflegepersonal. Auch für Senioren in Pflegeheimen könnte es etwa schön sein wieder mit jüngeren Menschen Kontakt zu haben. Dass manche keine Lust auf Arbeiten in sozialen Berufen hat, findet sie traurig. Sie denkt, dass das bestimmt eine schöne Erfahrung wäre, die sie selbst auch gerne machen würde. 

Dorant aus Weinsberg sagt: "Ich find’s nicht schlecht, sowas Soziales bildet einen immer weiter, man ist danach offener und sozialer gegenüber anderen Menschen." Dadurch könne das Miteinander in der Gesellschaft gestärkt werden. 

Gleichgültigkeit und Gegenargumente

Anders sieht das sein Freund Oliver. Er steht dem Vorschlag Steinmeiers gleichgültig gegenüber. "Wenn ein sozialer Pflichtdienst kommt, dann ist das halt so. Für alte Menschen könnte das zum Nachteil werden, wenn jemand keine Lust auf den Dienst hat", gibt der 15-jährige Weinsberger zu bedenken. 

Alexandra (18) und Aleyna (17) sind gegen eine Verpflichtung für alle und finden die bestehende Möglichkeit eines Freiwilligen Sozialen Jahrs besser. Jeder solle selbst entscheiden, was er nach der Schule macht, ergänzt Alexandra. Falls eine Pflicht käme, fänden beide eine entsprechend kurze Dienstzeit von wenigen Wochen besser. Aleyna schlägt vor, dass man etwa nach zwei Wochen Probezeit entscheiden könnte, ob man den Dienst länger macht oder doch seiner eigenen Lebensplanung nachgeht.  

Auch die 14 Jahre alte Melissa aus Mosbach, ist eher kein Fan von einem verpflichtenden sozialen Dienst. Wenn sie erstmal ihr Abi in der Tasche habe, würde sie lieber direkt in einem Job arbeiten, der ihr Spaß macht, ihr Leben genießen und feiern. 

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