Zwischen Mut, Pflicht und Liebe

Warum "Der König der Löwen", ein Musical ohne modernen Schnickschnack, auch nach 15 Jahren in Hamburg noch ausverkauft ist

Von von unserer Redakteurin Stefanie Sapara

Zwischen Mut, Pflicht und Liebe

Viele Musicals enden mit einem großen Knall. Dem bekanntesten, lautesten, beliebtesten, tragendsten Song. Und danach? Wird der Zuschauer in die Nacht entlassen, besagtes Lied im Kopf, vielleicht sogar im Herzen. Weil ein Musical ohne Emotionen nicht funktioniert.

Wenn Rafiki schreit

Bei "König der Löwen" ist es anders. Und wer einmal dort war, wird sofort wissen, was gemeint ist. Rafiki. Der Affe. Ein afrikanischer Mandrill, einen langen Stock als Gehhilfe in der Hand, dennoch stets gebückt laufend. Rafiki ist alt. Ein weiser Schamane, mit dessen durchdringendem, klarem wie melodischem Schrei der Abend im Stage-Theater beginnt - und mit dem er es schafft, innerhalb von Sekunden die Aufmerksamkeit von 2000 Zuschauern zu genießen und sie mitzunehmen in die afrikanische Savanne.

Und das ist auch gut so, denn nur Momente später ist bereits deren volle Aufmerksamkeit gefragt: Die Tiere kommen - womit ein weiterer Höhepunkt des Musicals gleich zu Beginn folgt. Und damit auch eine der Erklärungen, warum die Produktion seit mittlerweile 15 Jahren acht Mal pro Woche in Hamburg zu sehen und noch immer ausverkauft ist.

Was also braucht ein Musical - neben einem ergreifenden Beginn -, um dauerhaft so erfolgreich zu sein? Einen großen Helden zum Beispiel. Oder besser: einen kleinen, der sich entwickelt. So wie Simba, der freche Löwenjunge, der eines Tages seinen angesehenen Vater, König Mufasa, beerben soll.

Nach einem dramatischen Kampf zwischen ihm und seinem Bruder Scar jedoch, der es selbst auf den Thron abgesehen hat, stirbt der König. Weil es Scar aussehen lässt, als sei es Simbas und nicht seine Schuld gewesen, flüchtet der kleine Löwe voller Schuldgefühle. Jahre später kehrt er aus dem Exil zurück, um sein Erbe anzutreten - weil er erfahren hat, dass sich das einst prachtvolle Reich unter Scars Herrschaft in tote Ödnis verwandelt hat.

Freundschaft und Familie, Zusammenhalt und Verantwortung, und natürlich Liebe: Die großen Werte des Lebens finden allesamt Einzug in die Geschichte im Sehnsuchtsland Afrika. Aber auch um Herausforderungen und Prüfungen geht es, um den Mut, zu sich selbst zu stehen und zur richtigen Zeit ein Wagnis einzugehen.

Wobei: Auch solch starke Themen mit Herzklopf-Charakter können nur dann auf emotionaler Ebene transportiert werden, wenn die Inszenierung stimmt. Und dazu zählt beim "König der Löwen" zweifelsfrei die Kostümwelt. Es würde allerdings dem Spektakel nicht gerecht werden, hier plump von Kostümen zu sprechen. Nennen wir es Verwandlungen. Denn zu Elton Johns tragendem Song "Kreis des Lebens" - im Original "Circle of Life" - schreiten meterhohe Giraffen anmutig über die Bühne, tappt ein opulenter Elefant daher, und Gazellen springen leichtfüßig von rechts nach links. Dazu die Löwen mit ihren imposanten, beweglichen Maskenköpfen in Holzoptik, unter denen das reale Gesicht der Schauspieler erkennbar bleibt.

25 Tierarten werden im Laufe der Show mit Hilfe von sogenannten Puppets, also zum Leben erweckten Tierpuppen, aber auch Masken und Kostümen dargestellt. Lea Brandauer ist die Leiterin der sogenannten Puppet-Abteilung - seit 15 Jahren sorgt sie mit ihrem Team jeden Tag dafür, dass Pumba, Nala und Scar voll einsatzfähig sind. Das größte Tier auf der Bühne ist zwar der Elefant - vier Meter lang und drei Meter hoch -, am anspruchsvollsten in Stand zu halten seien aber der freche Nashornvogel Zazu, eine Handpuppe mit raffinierter Zugtechnik, und die Mechanik von Scar und Mufasa, den verfeindeten Löwenbrüdern, die erbitterte Kämpfe austragen.

Insgesamt sind bei jeder Vorstellung rund 320 Kostüme im Einsatz, allein die zugehörige Abteilung hat 36 Mitarbeiter.

17 Musiker an 100 Instrumenten

Ein weiterer Teil des Faszinosums "Der König der Löwen" ist zweifelsfrei die Musik. 17 Orchestermitglieder spielen live - und an insgesamt mehr als 100 Instrumenten - eine Mischung aus afrikanischen Klängen und bekannten Pophits. Da wird gute Laune transportiert - pure Lebensfreude. In Kombination mit der anrührenden Geschichte und der plastischen Tierwelt entsteht so - man kann es nicht anders sagen - ein wahrhaft einzigartiges Ganzes.

Tatsächlich entführt das Musical den Zuschauer für einen Abend in eine andere Welt. Die Kinder, weil sie begeistert sind von Kostümen und Simbas Mut. Die Erwachsenen auch deshalb, weil Sätze wie Mufasas "Denk daran, wer du bist", den er an seinen kleinen Sohn richtet, auch über den Abend hinaus im Kopf bleiben.

"Der König der Löwen" ist ein Musical ohne viele Spezialeffekte. Ohne Lärm. Ohne Pyrotechnik oder Effekthascherei. Stattdessen: ein Stück mit zauberhaften Verwandlungen, tragender Musik und Charakteren mit Tiefgang wie mit Humor. Das ist stimmig. Das ist genug. Und genau das bringt elf Millionen Zuschauer in 15 Jahren.

Musicalstadt Hamburg

Die Hansestadt ist bekannt für ihre zahlreichen Musical-Produktionen. Aktuell sind neben dem "König der Löwen" noch "Mary Poppins", "Aladdin" und - bis September - "Kinky Boots" zu sehen.

Neu ist ab 28. Oktober "Ghost - das Musical" , außerdem startet am 14. April 2019 "Cirque du soleil Paramour"

Preise und Ticket-Infos: www.stage-entertainment.de

Unterkunft:

Zu den Musicals "König der Löwen" und "Mary Poppins" gelangt man von den Landungsbrücken aus per Fähre.

Ein nahe gelegenes,

hübsches wie individuelles Hotel (ca. 300 Meter) ist das 3-Sterne-Haus Stella Maris in der

Reimarusstraße 12,

Telefon 040 3192023, Homepage www.hotel-stellamaris.de

Zwischen Mut, Pflicht und Liebe
Zwischen Mut, Pflicht und Liebe

Viel Afrika: Nalas Corsage ist über und über mit Perlen bestückt − von Hand.

Zwischen Mut, Pflicht und Liebe

Jedes Puppet hat eine andere Mechanik. Der lustige, freche Zazu zum Beispiel ist eine reine Handpuppe. Fotos: Stage Entertainment

Zwischen Mut, Pflicht und Liebe

Für die Mitarbeiter der Puppet-Abteilung gibt es Werkstatt- und Show-Dienste. Zwei Leute stehen stets auf Abruf bereit, sollte auf der Bühne etwas kaputt gehen.


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