Zwischen Besinnlichkeit und Budenzauber

Mainau  Jetzt wird es still von Konstanz bis Bregenz − Trubel herrscht nur auf den reizvollen Weihnachtsmärkten

Von unserer Redakteurin Marita Käckenmeister
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Blick von der winterlichen Mainau auf Konstanz: Wenn es ruhig wird in der kalten Jahreszeit, entwickelt der See seinen besonderen Reiz.Foto: Marita Käckenmeister

Wir sind alleine. Kein Ausflugsdampfer in Sicht, keine Massen von Tagesgästen, kein Lärm. Man hört nur die eigenen Schritte, die auf leeren Pfaden ein winterlich-verlassenes Paradies erkunden − die Blumeninsel Mainau. Blumen gibt es jetzt kaum, dafür ragen die Mammutbäume des Parks umso beeindruckender in den klaren Dezemberhimmel. Auch Zedern und Tulpenbäume gehören zum Arboretum. Eine ganz besondere Stimmung liegt über der 16 000 Jahre alten Insel bei Konstanz, die der schwedischstämmigen Adelsfamilie Bernadotte gehört.

Aufwärmen Zum Aufwärmen bietet sich das Schmetterlingshaus mit seinen tropischen Temperaturen an: 40 Arten exotischer Falter mit einer Flügelspannweite von teilweise 30 Zentimetern gibt es zu bestaunen. Und wem’s noch nicht warm genug ist, geht im Schlosscafé einen Glögg (Anm.: schwedisches Heißgetränk mit nicht unerheblichem Alkoholgehalt) trinken. Da trifft man vielleicht jemanden wie Roswitha Frank. Die Fremdenführerin erzählt lebhaft von dem 2004 verstorbenen Graf Lennart Bernadotte, der dem Eiland seinen blumigen Stempel aufdrückte und mit neun Kindern für reichlich Erben sorgte.

Da es auf der Mainau keine Übernachtungsmöglichkeit gibt, ist man mit einem Hotel in der Konzilstadt Konstanz gut beraten. Dort sorgt der von 170 Händlern beschickte Markt in der Fußgängerzone und direkt am Seeufer für wahren Budenzauber. Außerdem gibt es ein einzigartiges Weihnachtsschiff mit weiteren Ständen. Die Lage des zu 30 Prozent von Schweizern und zunehmend auch von Italienern besuchten Marktes am Hafen mit Blick auf die schneebedeckten Alpen im Süden ist grandios.

In der Unistadt mit ihrem romanisch-gotisch-barocken Münster lohnt sich auf jeden Fall aber auch eine Stadtführung, etwa zum "Sakralen Erbe". Leute wie die junge Kunsthistorikerin Ines Stadie bringen einem Kirchen und Konzil auf humorvolle Art nahe. Von ihr erfährt man auch, dass es im Dom die besten Hamburger der Stadt gibt. Das In-Restaurant im Altstadtviertel Niederburg ist in einem ehemaligen Gotteshaus untergebracht.

Aufessen Um die Wurst geht es dagegen im schweizerischen St. Gallen, der Hauptstadt des gleichnamigen Kantons, 20 Autominuten südlich des eidgenössischen Seeufers: Als "unser größtes Wahrzeichen" bezeichnen die Touristiker die St. Galler Wurst, die sogar eine eigene Homepage hat (www.sg-bratwurst.ch). Nicht nur auf dem überschaubaren Weihnachtsmarkt findet sie zahlreiche Abnehmer. Das eigentliche Highlight der einst durch Textil-Manufakturen bekannt gewordenen Stadt sind zur Weihnachtszeit aber 700 helle LED-Leuchtsterne mit einem Durchmesser von je zwei Metern, die den Weg durch die Gassen weisen.

Und Bildungshunger wird in der weltberühmten Stiftsbibliothek auf dem ehemaligen Kloster-Areal gestillt. Wer im Winter an den Bodensee reist, hat Muse für Betrachtung. Die gibt es seit diesem Jahr auch im neuen Forum Würth in Rorschach. Hier, direkt am Ufer, bietet der lichtdurchflutete Bau einen spektakulären Ort für Kunst und Kultur und einen Einblick in unternehmerische Weitsicht.

Aufleben Der ist man auch am nördlichen Bodensee in Friedrichshafen verpflichtet, dem Sitz der Zeppelin GmbH, die 1908 von Graf Zeppelin gegründet wurde. Die Ära der riesigen Luftschiffe fand mit dem Absturz der Hindenburg in Lakehurst 1937 zwar ein jähes Ende, doch in der mit knapp 60 000 Einwohnern zweitgrößten Bodenseestadt lebt sie nicht nur museal weiter.

Seit 1997 werden auch wieder Zeppeline gebaut. Längst nicht mehr so lang wie es die einstigen Wale der Lüfte waren, aber keineswegs weniger beeindruckend. Die Geschichte lebt auf: Im Hangar kann man sich vom neuen Zeppelin NT ein Bild machen. Für Gruppen gibt es Führungen.

Im Frühjahr, Sommer und Herbst kann man sogar abheben, wenn man (rechtzeitig!) einen Rundflug in der zwölf bis 15 Passagiere fassenden Zeppelin-Gondel bucht. Und wer auf den zahlreichen Weihnachtsmärkten doch nichts Passendes gefunden hat: Ein Gutschein für einen Zeppelin-Rundflug ist ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk vom See.

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