Zu Gast auf Schloss Weikersheim

Warum Schloss Weikersheim und sein Garten auf der Ausflugsliste für die nächsten Ferien stehen sollte

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Zu Gast auf Schloss Weikersheim

Nicht vergessen, hochnäsig laufen, ihr seid Prinzen und Prinzessinnen!" Man muss einigermaßen schnell zur Seite treten, als eine kleine Horde aufrecht gehender, einen keines Blickes würdigender Kinder - Entschuldigung, Prinzen und Prinzessinnen - vorbeimarschiert. Inklusive Kronen, edlen Umhängen und Tüllröcken. Die Ansage der Hofdame war ja auch eindeutig. Die Nase gehört in die Luft, das Volk wird nicht angesehen. Und die Kinder nehmen es sich zu Herzen. Man ist schließlich nicht so oft als Prinz oder Prinzessin unterwegs. Da ist die Führung in Schloss Weikersheim schon ein besonderer Programmpunkt. Sogar Hofknicks und Verbeugung, Fächersprache und höfischer Tanz im Rittersaal stehen auf dem Erlebnisprogramm.

Geschichte mal anders

Monika Menth weiß noch gut, wie sie selbst als Jugendliche durchs Schloss geführt wurde. Eine ziemlich dröge Angelegenheit mit einer Unmenge an Jahreszahlen, die einem entgegenschlugen, viel Zuhören statt Erleben und hintenan einem drögen Aufsatz über das Gehörte. "So kann man Geschichte heute nicht mehr vermitteln", weiß die Leiterin der Schlossverwaltung.

Doch nicht nur in ein stattliches Führungsprogramm für die Kleinen investiert man hier viel Zeit. "Der Trend ist ja, dass man selbst irgendwo durchläuft und wieder geht", sagt Monika Menth. "Aber wir versuchen wirklich, auf die Führungen hinzuweisen." Um wirklich eintauchen zu können. Um Geschichte zu erleben und zu begreifen. Deshalb ist auch eine einstündige Tour durchs Schloss im Eintrittspreis enthalten. Die gibt einen guten Überblick über die einstige Grafen-Residenz. Genauer gesagt: "Über 450 Jahre Geschichte des Hauses Hohenlohe", sagt Monika Menth. Das mag nun wirklich nach vielen Jahreszahlen klingen. Stimmt aber nicht. Nicht, wenn man sie verpackt wie Monika Menth und die Geschichten zu den Grafen, die von Schloss Weikersheim aus ihr Land verwalteten, mit Leben füllt. Wolfgang II. (1546 - 1610) und Carl Ludwig (1674 - 1756) werden so ganz selbstverständlich von längst verstorbenen Herrschern längst vergangener Zeiten zu Menschen mit Freud und Leid, mit Sorgen und Leidenschaften, mit Visionen und Stärken und auch: einem Hang zu Protz, Inszenierung und Geltungsbedürfnis. Deswegen schmeckte Wolfgang II. bei seiner Ankunft in Weikersheim der Anblick der kleinen Wasserburg, die dort stand, so gar nicht. Ein Schloss musste her, erzählt Monika Menth. Der Bau brachte den Grafen finanziell ganz schön in die Bredouille. Aber er bekam, was er wollte: ein stattliches Renaissance-Schloss mit barocken Ansätzen.

Imposanter Rittersaal

Besonders imposant ist der 40 Meter lange Rittersaal mit weit gespannter Decke und großen Tierattrappen vom Rehwild bis zum Elefanten, die die Gäste von oben herab ansehen. "Repräsentieren war alles", sagt Monika Menth. Obwohl hier "nur" Grafen regierten - auch die wollten zeigen, was sie hatten. Oder mit wem sie - wenn auch nur über fünf Ecken - verwandt waren. Riesige Ahnenbilder an den Wänden zeugen davon. Ein Großteil der Inneneinrichtung geht auf Graf Nummer zwei, der hier residierte, Carl Ludwig, zurück. Der gab dem Schloss nämlich sein heutiges Gesicht, er war derjenige, der für die barocke Einrichtung sorgte. Und Monika Menth sagt es durchaus mit Stolz, denn selbstverständlich ist das nicht: "Die ganze Einrichtung ist original von damals."

Das wiederum erfordert besonders sorgsamen Umgang mit diesen historischen Stücken. Allein seit zwei Jahren restauriere man das komplett handbestickte Bett der Fürstin Elisabeth Friederike Sophie von Oettingen-Oettingen, Ehefrau Carl Ludwigs, erzählt Monika Menth. Und ist damit schon bei der Hauptaufgabe, die sie für die Schlossverwaltung sieht: "Es geht ums Erhalten und Bewahren."

Überraschende Gärten

Dazu zählt auch ein großer Fundus an Wissen, zum Beispiel über die - neben der Kunst - zweite große Leidenschaft Wolfgangs II.: die Alchemie. Was er einst handschriftlich an Rezepten, Experimenten und Bestellungen notierte, ist heute ganz genau dokumentiert und in einer (interaktiven) Sonderausstellung aufbereitet. In Ergänzung dazu sieht man sich im Alchemie- und Hexengarten an, welche Pflanzen einst Wolfgangs Frau Magdalena in ihrem Arzneibuch verzeichnete.

Womit man noch lange nicht am Ende dessen ist, was in Weikersheim sehenswert ist, denn der barocke Garten ist ein Schmuckstück. Wer schon einmal das französische Versailles besucht hat, fühlt sich sogleich an die akkurate, symmetrische, ja künstlerische Struktur erinnert. Zurecht. "Ludwig der XIV. war das A und O, man hat sich an ihm orientiert", sagt Monika Menth. "Es gab aber auch italienische Vorbilder." Das sehe man an den Zypressen, die sich in den Himmel erheben und damit den Göttern entgegen. Überhaupt spielten die Götter eine große Rolle, erzählt Monika Menth. Ach, sie kann so viele Geschichten erzählen! Ein Grund übrigens, warum sie selbst nie aufgehört hat, trotz ihrer Verwaltungsaufgabe Führungen durchs Schloss zu leiten.

"Ist dieser Garten nicht wunderschön?", sagt sie. Ist er. Vor allem deshalb, weil er so vielseitig ist. Denn abseits der großen Symmetrie und durchdachten Farbkonzepte des Lustgartens, den man bestaunen, aber nicht unbedingt gemütlich finden mag, entdeckt man noch so einiges mehr. Den Obstgarten etwa, zu dem eine wilde Blumenwiese zählt - Bienenareal für den Schlosshonig, aber auch den herrlich blühenden Rosengarten und nicht zuletzt etwas ganz Unerwartetes: die Nachtigall, einen Wall entlang der Tauber, bei dem man sich eher bei einem Waldspaziergang wähnt als bei einem Schlossgartenrundgang.

Und apropos Rundgang - sie müssen einfach erwähnt werden, und wer mag, kann sie sogar auf der Heilbronner Buga bestaunen: die Weikersheimer Zwerge auf der Balustrade am Beginn des Schlossgartens. Für sie ist er bekannt, denn die 16 Gestalten werden als Karikaturen des Hofstaates bezeichnet. Auch sie halten es übrigens wie die kleinen Prinzen und Prinzessinnen: hochnäsig.

Tipps und Infos

Das Schloss und der Garten sind bis 31. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr, von 1. November bis 31. März täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Es werden zu jeder vollen Stunde einstündige Führungen durchs Schloss angeboten, darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Sonderführungen, auch durch die Sonderausstellungen. Ebenso gibt es ein breites Angebot für Kinder und Schulklassen, zum

Beispiel "Märchen im Schloss, "Mit Holzwurm Heinrich das Schloss entdecken" oder "Einmal Prinz und Prinzessin sein".

Eintritt für Schloss, Garten und Führung pro Erwachsenem 6,50 Euro, Kind 3,30 Euro, Familie 16,30 Euro.

Kulturprogramm

Darüber hinaus gibt es kulturelle Veranstaltungen, darunter den Hohenloher Kultursommer oder die Junge Oper, ein Open Air im Schlosshof. Hier wird vom 25. Juli bis 4. August "La Bohème" gezeigt. Karten zu je 25/32/36/39 Euro unter www.oper-weikersheim.de oder Telefon 07934 993636.

Rund um das Schloss, etwa auf dem Marktplatz, lässt es sich gut einkehren, ob nach einer Führung oder vor dem Konzertbesuch. Und: Die Parkplätze am Schloss sind kostenlos.

Alle Infos unter www.schloss-weikersheim.de oder Telefon 07934 992950.

Zu Gast auf Schloss Weikersheim
Zu Gast auf Schloss Weikersheim

Das Mobiliar des Schlosses ist noch komplett als Original erhalten (li.). Besonders ist auch die Zwergengalerie, die den Hofstaat darstellt und für die Weikersheim weithin bekannt ist. Fotos: Sapara, Staatliche Schlösser und Garten Baden-Württemberg, Günther Bayerl

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Stefanie Sapara

Stefanie Sapara

Autorin

Stefanie Sapara ist seit 2008 bei der Heilbronner Stimme und Redakteurin im Ressort Leben und Freizeit. Sie kümmert sich im Wochenendmagazin vor allem um die Reiseseiten sowie den Bereich Essen & Genießen.

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