Norwegian Bliss: Neuer Ozeanriese auf See

Nicht top im Umweltschutz, aber herausragend in vielem anderen: Norwegian Cruise Line präsentiert mit der Bliss das jüngste Flottenmitglied

Von Stefanie Sapara
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Norwegian Bliss: Neuer Ozeanriese auf See

Es ist noch nicht so lange her, da stand der Begriff Kreuzfahrt vor allem für Galadinner, Smoking und steife Atmosphäre. Massentauglich ist das Abenteuer Seereise mittlerweile geworden, laut Clia, dem Verband der Kreuzfahrtindustrie, haben sich die Gästezahlen aus dem deutschen Markt zwischen 2007 und 2017 fast verdreifacht.

Allerdings greifen sie noch vornehmlich auf Schiffe von Reedereien wie Hapag Lloyd, Aida oder Mein Schiff zurück - hier ist die Bordsprache deutsch, ebenso in der Regel das Ausflugsprogramm. Für die Ozeanriesen vom amerikanischen Markt gilt das nicht. Wer sich aber ein bisschen Englisch zutraut und nicht von Pauschalaussagen à la "die sind doch viel zu groß" abschrecken lässt, wird überrascht sein, was Schiffe wie die Bliss von Norwegian Cruise Line (NCL), das nun auf den Markt kam, zu bieten haben.

Großzügig und hell

Groß ist die Bliss - was übersetzt soviel wie Glückseligkeit bedeutet - tatsächlich. Bei Zweierbelegung der Kabinen tummeln sich auf dem Schiff 4000 Passagiere. Das gleicht keinem einsamen Inselurlaub, ist aber auch weit entfernt von der Horrorvorstellung, man trete sich gegenseitig in Massen auf die Füße. Denn: Die öffentlichen Flächen sind sehr großzügig, es gibt gemütliche Rückzugsräume, zum Essen stehen 27 Restaurants zur Verfügung sowie mit der Waterfront ein Promenadendeck auf See mit Lokalen, Bars und Lounges unter freiem Himmel - wahrlich gemütlich und ein Traum für alle, die gerne mit einem Cocktail in der Hand den Sonnenuntergang beobachten.

Bewusst hat man laut NCL-Präsident Andy Stuart viel Energie darauf verwendet, die Gäste wieder "näher ans Meer" zu bringen. Statt dunkel und gedrungen zeigt sich das Schiff wo immer es geht hell und freundlich, mit vielen Glasfassaden. An Orten wie der Observation-Lounge lässt sich von drinnen das Meer-Panorama genießen, ebenso im Garden-Café, dem Buffet-Restaurant auf Deck 16.

Dazu kommt: So international und vielseitig das Publikum ist, so verschieden sind auch dessen Interessen und Vorlieben. Während sich die Europäer an Bord gerne in die Sonne legen und auch sonst Außen- und Aussichtsbereiche schätzen, verbringen die Amerikaner ihre Zeit gerne drinnen - in klimatisierten Räumen, im Casino, den Bars oder bei einem der unzähligen Entertainmentangebote. Sprich: Die Passagiere verteilen sich ganz automatisch.

Der Großteil der Kabinen sind Balkonkabinen - wer Urlaub auf dem Schiff macht, möchte nach Möglichkeit auch nachts das Meeresrauschen hören. Gelungen ist aber auch der NCL-Studio-Bereich.

Singles können hier eine kleine, aber kuschelige Innenkabine buchen und umgehen damit den bis zu 100-Prozent-Einzelkabinenaufschlag, der für eine Doppelkabine anfällt.

Speziell ist auch der Bereich The Haven, der sicherlich seinesgleichen sucht. Hinein darf zwar nur, wer eine der kostspieligen Suiten gebucht hat. Was er dafür bekommt, ist aber eine Art Schiff-im-Schiff-Konzept mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten - von der Bar über die Bibliothek, das große Sonnendeck und den Innenpool mit Relaxbereich bis hin zum Panorama-Restaurant mit Außenterrasse.

300-Meter-Elektro-Kartbahn

Zugänglich für jedermann ist das Spaß- und Unterhaltungsangebot. Absoluter Magnet: die zweigeschossige E-Kart-Rennstrecke, mit 300 Metern die längste Kartbahn auf See. Dazu: Angebote für die ganze Familie, inklusive Riesenrutschen oder dem Laser-Tag, einem Erlebnisspiel, bei dem die Teilnehmer ein verlassenes Raumschiff finden müssen.

Wie überall auf dem Schiff gilt auch hier: Grundlagen-Englisch ist von Vorteil, denn nicht nur das Entertainment, sondern auch Seenotrettungsübung oder Durchsagen erfolgen auf Englisch. Speisekarten dagegen erhält man auf Wunsch in allen Restaurants auf Deutsch, genau wie das Tagesprogramm. Ein deutschsprachiger Gästebetreuer ist ebenfalls immer mit an Bord.

Falsch wäre es, das Thema Umweltschutz unter den Tisch fallen zu lassen. Denn bei aller Begeisterung, die bei Kreuzfahrtfans für ein solches Schiff aufkommt, ist die berechtigte erste Frage von Kritikern: Was tut die Reederei zur Senkung ihrer Emissionen?

Laut der Meyer Werft in Papenburg, in der die Bliss gebaut wurde, hat man das Schiff aufgrund der strengen Umweltauflagen in Alaska - wo es unter anderem kreuzen wird - mit modernen Abgasreinigungsanlagen und umweltfreundlichen Motoren zur Stromerzeugung ausgestattet. Dazu: Wärmerückgewinnung, Elektromotoren höchster Energieeffizienzklasse, LED-Beleuchtung, optimierte Unterwasseranstriche zur Widerstandsreduzierung.

LNG, also Flüssiggas und damit die weitaus umweltfreundlichere Alternative zu Schweröl, ist dagegen auf der Bliss kein Thema. Auch von Einweg-Plastikbechern, die bei der All-Inclusive-Verpflegung in Massen über die Theken am Pooldeck wandern, hat sich die amerikanische Reederei noch nicht verabschieden können. Es ist also noch deutlich Luft nach oben beim Thema Umweltschutz.

Nichts vormachen kann man NCL dagegen in Sachen Entertainment. Mehrfach wurde die Reederei bereits für ihr Bordprogramm ausgezeichnet. Egal ob Broadway-Shows, Country-Rock, Beatles-Konzert oder Pianomusik: Wer abends über das Schiff streift, wird etwas für seinen Geschmack finden. Dazwischen ein Cocktail in einer der unzähligen Bars.

Und während der eine eventuell noch einen Abstecher ins Casino macht, zieht es den anderen hinaus an Deck. Sterne gucken. Oder einen Absacker in der Observation Lounge genießen. Glückselig auf See. Das funktioniert mit der Bliss.

Norwegian Bliss: Neuer Ozeanriese auf See

Eines der unzähligen Abendangebote: Stimmung mit der Beatles-Coverband.

Norwegian Bliss: Neuer Ozeanriese auf See

Insgesamt 20 Decks bietet die Bliss, mit Platz für rund 4000 Passagiere.

Norwegian Bliss: Neuer Ozeanriese auf See
Norwegian Bliss: Neuer Ozeanriese auf See

Mit bis zu 50 km/h ist man auf der zweistöckigen Elektro-Kartbahn unterwegs.

Norwegian Bliss: Neuer Ozeanriese auf See

Der Wintergarten ist nur ein kleiner Teil des Suitenbereichs The Haven.


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