Nicht nur neue Luxusliner überzeugen

15 Jahre alte Costa Mediterranea bietet mit der Tour "Europäische Metropolen" eine spannende Route, hat aber auch an Bord selbst ihre Vorzüge

Von Stefanie Sapara

Nicht nur neue Luxusliner überzeugen

Wow! Ein Schiff, so ganz frisch aus der Werft, auf Hochglanz poliert und ausgestattet mit allem, was von Kartbahn bis zur Riesenwasserrutsche an Bord heutzutage so möglich ist - das hat schon was.

Mit den rund 20 Schiffen, die im Moment jährlich auf die Meere dieser Erde drücken, könnte man tatsächlich meinen: Alles neu macht der Kreuzfahrtmarkt. Trends jedweder Art von der Gastronomie, über lichtdurchflutete öffentliche Bereiche bis hin zum ausgefeilten Fitnessprogramm werden umgesetzt - und natürlich bestaunt jeder die in der Regel gelungenen Wellness- und Kinderclub-Konzepte. Dazu riecht auch alles noch so gut. Neu eben. Und das reizt.

Doch aktuell sind international mehr als 300 Kreuzfahrtschiffe auf den Ozeanen unterwegs. Darunter auch viele aus den 90er und anfänglichen 2000er Jahren. Drängt sich die Frage auf: Sind die überhaupt noch konkurrenzfähig? Vom Reisenden gewollt?

Ein Blick auf die Reederei Costa zeigt: Ja. Absolut. Zwar kommt auch der italienische Kreuzfahrtanbieter 2019 mit der neuen Smeralda auf den Markt. Doch unter den 14 international ausgerichteten Schiffen, mit denen Costa weltweit unterwegs ist, ist beispielsweise auch die Mediterranea, eine Lady aus dem Jahr 2003. In diesem und im kommenden Jahr ist sie unter anderem auf der Route "Europäische Metropolen" unterwegs (siehe Info).

Schon allein optisch bietet sie - kennt man vorwiegend deutschsprachige Schiffe von Aida und Tui Cruises - ein absolutes Kontrastprogramm. Opulent, barock, mit viel Gold und unzähligen Spiegeln wird der Gast hier im Innern empfangen, die Farben eher dunkel, aber nicht düster, das Ambiente festlich, viele öffentliche Bereiche spiegeln die Architektur italienischer Adelspaläste aus dem 17. und 18. Jahrhundert wider. Intention: die Schönheit früherer Zeiten in die Gegenwart übertragen. Manch einer mag das als überladen empfinden, andere schätzen genau das, sagt Costa-Sprecherin Hanja-Maria Richter: "Das Innendesign wurde ganz bewusst so gestaltet, mit der Idee, den Gast hier völlig aus seiner Alltagswelt herauszulösen."

Internationales Publikum

Geschätzt wird das von einem breiten internationalen Publikum. Genau das ist auch die erste Frage, die man sich bei Buchung einer Kreuzfahrt neben der Wunschroute stellen sollte - nicht die nach dem neuesten Schiff, sondern die nach der Ausrichtung: deutschsprachig oder international?

Beides hat Vorzüge. Bei ersterem fallen mögliche Sprachbarrieren weg, wer jedoch mit vorwiegend englisch- und italienischsprachigen Durchsagen kein Problem hat, schätzt vielleicht gerade das quirlige und bunte Leben an Bord, wenn Mentalitäten aus 50 oder mehr Ländern aufeinandertreffen. Ob beim Karaokesingen, wenn plötzlich die italienischen oder brasilianischen Gäste mit Inbrunst das Mikro übernehmen, oder auch beim italienischen Gala-Abendessen, wenn sich der ganze Saal mitreißen lässt, zu Liedern wie "Volare" zu singen und zu tanzen - bis hin zur fröhlichen Polonaise, die zeigt, wie wunderbar und einfach Völkerverständigung gelingen kann.

Sicher: Mit 15 Jahren zeigt ein Schiff, das muss man ehrlicherweise sagen, die eine oder andere Alterserscheinung. Das gilt vor allem mit Blick aufs Interieur der Kabinen. Dennoch: An Bord der Medi, wie das Schiff von Fans liebevoll genannt wird, kann man sich wohlfühlen. Gepflegt und sauber ist hier alles, das Personal freundlich, ein fröhliches Buongiorno gibt es an jeder Ecke.

Italienische Spezialitäten

Apropos Italienisch: Nichts vormachen kann man Costa mit Blick auf die Kulinarik. Das gilt weniger fürs Büfett-Restaurant, das für den schnellen Hunger okay, für Genuss jedoch eher die falsche Anlaufstelle ist, umso mehr aber für das Hauptrestaurant. Hier wird in zwei Sitzungen - der Sitzplatz ist stets derselbe - ein vier- bis fünfgängiges Abendessen serviert, das den Gast kulinarisch täglich mit in eine andere italienische Region nimmt. So lernt man nicht nur Typisches kennen - etwa die italienische Nudelspezialität Trofie aus Ligurien, sondern spürt auch jeden Abend das von vielen so geliebte Dolce Vita des Stiefels.

Wer etwa Mozzarella bestellt, bekommt keinen aus der Tüte - er wird täglich frisch produziert. "Die Herstellung ist leicht", sagt Davide Nasini, der Mozzarella-Produzent an Bord, und lacht. Natürlich, er ist Käsemeister, 300 bis 400 Stück pro Tag herzustellen, ist für ihn kein Problem.

Serviert wird der Mozzarella unter anderem auch als Vorspeise am Galaabend. Was auf vielen Schiffen längst abgeschafft wurde, wird hier traditionell ganz hochgehalten. Und die meisten Gäste genießen es sichtlich, sich schick zu machen, mit langem Abendkleid oder Smoking und anschließendem Besuch bei einem der vielen Bordfotografen, um den besonderen Abend in Porträts festzuhalten.

Wer mit Costa reist, kann sich oftmals über einen im Vergleich zur deutschen Konkurrenz niedrigeren Grundpreis freuen. Getränke sind darin nicht eingeschlossen, Pakete sind aber vorab buchbar, für knapp 30 Euro pro Tag erhält man etwa Zugang zu den meisten nichtalkoholischen und alkoholischen Getränken, inklusive Cocktails, vieler guter Weine und Kaffeespezialitäten. Letztere lohnen sich ganz besonders - kein Espresso aus dem Vollautomaten, sondern handgemacht aus dem Siebträger kommt hier in die Tasse. Auch das ist Urlaub.

Die Mediterranea - ein Schiff, das optisch noch das ist, was viele bei moderneren Exemplaren vermissen: eine Lady auf See mit klassischen Schiffsformen. An Schlechtwetter-Seetagen kann es in den Innenbereichen etwas kuscheliger zugehen, bei schönem Wetter verteilen sich die Gäste gut auf den elf Decks und um die vier Pools. Auch abends findet jeder seine Nische: Viel Wert wird in den zahlreichen Bars auf Live-Musik gelegt, Gelegenheit zum Tanz von Cha Cha bis Salsa gibt es jeden Tag, dazu Shows im Theater, Spielmöglichkeiten im Casino oder zu später Stunde ab in die Disko. Die Klientel ist bunt gemischt, der Altersdurchschnitt steht und fällt mit Jahreszeit und Route. "Im Sommer haben wir schonmal bis zu 800 Kinder an Bord", sagt Hanja-Maria Richter.

Wer mit der Mediterranea auf die einwöchige Tour zu europäischen Metropolen geht, kann in einer Woche Paris, London, Brüssel, Amsterdam und Hamburg besuchen. Eine spannende Tour, die vor allem für internationale Gäste eine kleine Europa-Rundreise ist. Wer Buckingham Palast und Eiffelturm allerdings schon gesehen hat, kann sich auch anders entscheiden, zumal die Busanreise zu den Metropolen oft in keinem allzu guten Verhältnis zur Aufenthaltsdauer steht. Manchmal sind es deshalb die kleinen Perlen links und rechts der Hauptstädte, die einen ganz besonderen Reiz haben. Das gilt für das belgische Brügge ebenso wie für das französische Honfleur.

Eine Besonderheit ist nicht zuletzt der Hamburg-Besuch. Oftmals startet oder endet eine Kreuzfahrt ja hier. Auf dieser Tour kann man sowohl die morgendliche Ein- als auch die abendliche Ausfahrt auf der Elbe genießen. Eines von vielen besonderen Erlebnissen auf dieser Reise. Und am Ende wichtiger als der Blick allein aufs Neue.

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Ein schöner Bereich nicht nur für kühlere Tage ist der Wintergarten mit Pool.

 
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Opulent wie hier im Atrium geht es überall auf dem Schiff zu. Fotos: Sapara

 
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Im ägyptisch angehauchten Theater finden abends die Shows statt.

 
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Etwas Besonderes ist die morgendliche Einfahrt in Dover mit Blick auf die Kreidefelsen. Wer mag, besucht von hier aus London.