Malta, das boomende Alternativ-Reiseziel

Spannende Ritter-Vergangenheit, hübsche Altstadtgassen und andere Reize: Die kleine Mittelmeerinsel ist eine Reise wert, zumal Valletta Europäische Kulturhauptstadt 2018 ist

Von Stefanie Sapara

Malta, das boomende Alternativ-Reiseziel

Inseln im Mittelmeer, der Inbegriff von Sonne, Meer und...? Sand, klar. Nach dieser Rechnung müsste Malta als Reiseziel klein beigeben, denn ein für viele unverhandelbares Urlaubs-Kriterium fehlt: kilometerlange Strände mit angeschlossener (Club-)Hotellerie. Doch vorschnelles Urteilen erweist sich ja selten als richtig, und genau das gilt auch für das maltesische Archipel - Malta, Gozo und Comino. Jeder hat eben so seine Stärken. Auch die kleine Inselgruppe, rund 90 Kilometer südlich von Sizilien und knapp 290 Kilometer nördlich von Afrika gelegen.

Statt unzähliger All-Inclusive-Anlagen erlebt man auf Malta vor allem eines: eine Reise durchs Geschichtsbuch. Und die ist grausam wie spannend zugleich. "Die Lage zwischen zwei Kontinenten war schon immer wichtig für Seefahrer", berichtet Marisa Camilleri. "Als man in Ägypten die Pyramiden gebaut hat, gab es hier schon 23 Tempelanlagen." Stolz schwingt mit, wenn die Reiseleiterin erzählt. So wie auch bei den anderen Maltesern, die man beim Insel-Besuch erlebt. Klein, fein und ein glückliches: mein - das scheint das zufriedene Motto. Erst recht, seit das Zentrum schick gemacht wurde für 2018: In diesem Jahr ist Valletta Europäische Kulturhauptstadt, der Veranstaltungskalender ist extrem gefüllt und so bietet sich Malta einmal mehr eben nicht als klassisches Mittelmeer-Badeziel an, sondern als Kulturmetropole, die es sich lohnt von Deutschland aus per zweieinhalbstündigem Direktflug auch mal übers verlängerte Wochenende zu erkunden.

Kleinste Hauptstadt

Rund 400 000 Einwohner leben auf dem Archipel, die meisten im Ballungsraum Valletta, der einst von den Malteser Rittern zur Festung ausgebauten Hauptstadt - heute der kleinsten Europas in der gleichzeitig kleinsten Republik Europas. Apropos Ritter: Wer Malta besucht, kommt an ihnen nicht vorbei. Will man auch nicht, ihre Geschichten werden spannend verpackt: zum Beispiel im ehemaligen Ordens-Krankenhaus, Sacra Infermeria. Fortschrittlich, modern, groß - es galt als Vorzeigekrankenhaus Europas. "Jeder hatte sein eigenes Bett, das war Luxus im 16. und 17. Jahrhundert", betont Camilleri. Zu einem der führenden Kulturzentren Europas hätten die Ritter die Insel während ihrer 250-jährigen Herrschaft ausgebaut. "Keine Zeit war so prägend", sagt die Reiseleiterin. Bis 1798 dauerte die Herrschaft, dann kamen die Franzosen, kurz darauf die Briten. Malta wurde Kronkolonie, ist erst seit 1964 unabhängig, seit 1974 eigenständige Republik und seit 2004 EU-Mitglied.

Malta steht aber längst nicht nur für Kunst und Kultur aus längst vergangenen Zeiten. Und auch nicht mehr vordergründig für Sprachreiseurlaub, für das es lange Zeit extrem bekannt war. Malta ist modern. Wandern, Biken, Wassersport und Freizeitpark-Besuch, touristisch ist man breit aufgestellt. Der Reiseveranstalter Thomas Cook hat seine Gästezahlen für Malta 2017 verdoppelt - wer weder in die Türkei, noch ins volle Griechenland oder noch vollere Mallorca möchte, findet mit Malta ein Alternativ-Reiseziel: Ein boomendes, ob mit Blick auf Vallettas frisch ausgebaute, mit Cafés und Boutiquen belebte Fußgängerzone, die vielen restaurierten und oft zu Boutique-Hotels umgebauten Palazzi in der Innenstadt oder auch darauf, dass Malta zu den begehrtesten Film- und Fernsehdrehorten des Mittelmeers zählt. Unberührte Natur und historische Bauwerke sind eine attraktive Kulisse für Serien wie Hollywood-Filme.

Es gibt also so einiges, worauf die Malteser stolz sind. Auch Fremdenführer Alfred Micallef Papasian. "Uns geht es sehr gut hier", stellt er zufrieden fest, während er mit einer Touristengruppe die Küstenstraße entlangfährt. Dabei fällt einmal mehr auf, wie eng bebaut Malta ist. Wer durch den besonders dicht besiedelten Norden fährt, hat Mühe herauszufinden, wo der eine Ort endet und der nächste beginnt.

Und so dicht wie die Bebauung, ist auch der Verkehr. "Malta hat viel Blech", erzählt Alfred Micallef Papasian. "400 000 Einwohner, 180 000 Autos." Keine U-Bahn, keine Straßenbahn. "Der Schwarzwald sind wir außerdem auch nicht gerade", sagt er und grinst mit Blick auf die karge Landschaft. "Aber unser Süden ist grüner. Und Gozo auch." Doch ganz abgesehen davon: Malta ist auch so schön. Mit Reizen, die nicht an Strand und Vegetation festzumachen sind.

Malerisches Marsaxlokk

Zum Beispiel der erhabene Blick von Valletta hinunter aufs offene Meer, hinüber zu den drei Ritter-Städten Vittoriosa, Senglea und Cospicua oder zum imposanten Fort St. Angelo, das wieder für Touristen zugänglich ist, nachdem es laut Papasian von der EU für 13 Millionen Euro saniert worden ist. Nicht weniger imposant ist der Blick nach unten: auf Maltas riesigen Naturhafen, in dem jährlich rund 200 Kreuzfahrtschiffe einlaufen. "Manchmal haben wir sieben an einem Tag", erzählt Marisa Camilleri. Da kann es schon mal eng werden mit den Bussen und Guides. "Aber es ist gut, wir freuen uns über die Touristen", beteuert sie.

Wer selbst einer ist und bei zu großem Trubel etwas Abstand und Ruhe sucht, fährt nach Marsaxlokk. Das Fischerdorf liegt da wie gemalt, im Hafen schaukeln kleine, bunte Boote langsam im Wasser, in den urigen Restaurants gibt es frischen Fisch, und wer mag, bummelt über den Handarbeitsmarkt. Ein Tag wie gemacht, um die Zeit zu vergessen. Auch ganz ohne Sandstrand.

Tipps und Infos

Thomas Cook und Neckermann Reisen bieten eine breite Auswahl an Hotels, darunter zwei Adults-only-Hotels und zehn Hotels mit 100 Prozent Kinderermäßigung. Vorab zubuchbar sind zwei-, vier- oder sechstägige Ausflugspakete. Mit Air Malta geht es z.B. täglich ab drei deutschen Flughäfen auf die Insel.

Weitere Infos unter

www.thomascook.de

www.neckermann-reisen.de

Kulturhauptstadt

Gemeinsam mit der niederländischen Stadt Leeuwarden ist Valletta 2018 Europäische

Kulturhauptstadt: www.valletta2018.org