Mallorca als Europa-Park-Konkurrent

Interview  Bei der Entwicklung des Europa-Parks in Rust geht es um mehr als ständig neue Achterbahnen: Geschäftsführer Thomas Mack über Zielgruppen, Hotels und die neue Wasserwelt Rulantica.

Von Stefanie Sapara

Mallorca als Europa-Park-Konkurrent

Am 12. Juli 1975 eröffneten Franz und sein Sohn Roland Mack den Europa-Park in Rust, einer kleinen Gemeinde im Ortenaukreis. Heute hat das Unternehmen so viele Mitarbeiter wie der Ort Einwohner: knapp 4000. Ein Ende des Wachstums ist in dem Freizeitpark nicht in Sicht. Im Gegenteil: Über die geplanten Erweiterungen und Anforderungen der Besucher spricht Geschäftsführer Thomas Mack im Stimme-Interview.

Der 37-Jährige ist seit April 2007 für das Hotel Resort, die Gastronomie sowie die Bereiche Confertainment, Entertainment, Marketing und Unternehmenskommunikation zuständig. Seit Mai 2016 ist er einer der vier geschäftsführenden Gesellschafter des Europa-Parks.

Hinweis

Dieses Interview haben wir vor dem Großbrand im Europa-Park am 26. Mai 2018 geführt.

 

Herr Mack, Ihr Opa hat den Grundstein für den Europa-Park gelegt. Der ist heute längst nicht mehr nur Freizeitpark.

Thomas Mack: Mein Opa hat immer gesagt: Jede Mark in den Park. So ist der Europa-Park auch groß geworden. Es geht aber nicht darum, jedes Jahr eine neue Achterbahn zu eröffnen. Mittlerweile haben wir fünf Hotels, ein Camp Resort, Wellness- und Spa-Bereiche, ein großes Fitnessstudio, ein riesiges Gastronomie- und Eventangebot. Unser Konkurrent ist nicht nur der andere Freizeitpark. Unser Konkurrent ist der Wochenendtrip nach Mallorca. Wir wollen uns künftig noch mehr zur Kurzreise- und Feriendestination entwickeln und auch so wahrgenommen werden. Auch in Kombination mit dem Schwarzwald und dem Elsass.

 

Dazu passt das mittlerweile immense Hotelangebot. In Ihren fünf Häusern gibt es heute 4500 Betten. Wieso ist die Nachfrage so enorm?

Mack: Unsere Tagesgäste fahren in der Regel bis zu zwei Stunden, um zu uns zu kommen. Da der Park immer größer wurde, haben wir aber schnell gemerkt, dass die Region Übernachtungsmöglichkeiten braucht, damit die Gäste wirklich alle Angebote an einem Tag nutzen können und nicht mehr zwingend nach Hause fahren müssen. Damals haben mein Opa und mein Vater einen Investor gesucht, aber viele Absagen bekommen. Unter anderem, weil wir im Winter geschlossen hatten. Also haben wir 1995 das erste Hotel selbst gebaut. Mein Opa machte sich große Sorgen, doch das Ganze wurde ein voller Erfolg. 1999 folgte dann schon das zweite. Mittlerweile haben wir in allen fünf Häusern übers Jahr eine Auslastung von 95 Prozent.

 

Nächstes Jahr kommen mit dem Krønasår-Hotel nochmal über 1300 Betten dazu. Haben Sie nicht Sorge, dass das zuviel wird?

Mack: Nein. Im Gegenteil. Im Moment haben wir im Europa-Park 80 Prozent Wiederholungsgäste, das heißt unser Ansporn ist es, jedes Jahr 20 Prozent neue Kunden zu gewinnen. Wir sind heute schon der größte Hotelstandort in Deutschland und der umsatzstärkste Gastronomiebetrieb. Wir haben aber festgestellt: Diese Bettenzahl reicht noch nicht aus. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Und auch mit dem sechsten Hotel wird die Nachfrage noch nicht gedeckt sein.

 

Mallorca als Europa-Park-Konkurrent

Mit Rulantica eröffnet 2019 ein ganz neuer Park. Ein Meilenstein?

Mack: Ja, damit betreten wir absolutes Neuland. Für Rulantica erschließen wir eine neue Gesamtfläche von 450 000 Quadratmetern. Das Ganze wird eine nordische Erlebniswelt mit 4000 Quadratmetern Wasserfläche, acht Themenbereichen, 25 Wasserattraktionen für die ganze Familie, Wellenbad, Strömungskanal und Wild River. Es ist eine der umfangreichsten Investitionen eines Familienunternehmens in Baden-Württemberg, ein dreistelliger Millionenbetrag - ohne Subventionen. Im Grunde ist es gleichzusetzen mit der Gründung eines neuen Parks. Wobei ein Wasserpark eine ganz andere Geschichte ist als ein Freizeitpark, wo ja unsere Kernkompetenz liegt. Das heißt, das ist alles angelerntes Wissen und wir haben entsprechend lange überlegt, ob wir das angehen. Die erste Idee dazu ist 20 Jahre alt.

 

Und mit der Eintrittskarte kann ich künftig beide Parks an einem Tag besuchen?

Mack: Nein, das müssen wir trennen. Für beide Parks wird man separate Tickets benötigen. In den Rulantica-Indoorbereich können maximal 5000 Gäste gleichzeitig. Da stellt uns das Ticketing schon vor Herausforderungen. Man wird vorab Karten buchen müssen, ganz spontan wird es schwierig.

 

Besteht damit nicht die Gefahr, dass sich die Parks gegenseitig Gäste wegschnappen?

Mack: Wir müssen schon aufpassen, dass es nicht zu Kannibalisierungseffekten kommt. Ich bin aber überzeugt, dass wir mit dieser Investition ganzjährig den Standort und auch die Hotelauslastung sichern.

 

Wenn Rulantica von so langer Hand geplant war, dann gibt es sicher schon Pläne über den Wasserpark hinaus?

Mack: Natürlich haben wir Visionen. Dass wir dieses Gebiet hier entwickeln wollten, das wussten wir von Anfang an. Wir werden sicher noch mehr Hotels bauen, denn der Bedarf wird weiter steigen. Wir haben mittlerweile 1400 Veranstaltungen im Jahr, dazu viele Tagungen und Messen. Unser wichtigstes Standbein aber, unsere Hauptklientel, bleibt der Freizeitparkbesucher. Mittlerweile übernachten zwölf Prozent der Gäste im Park, der Durchschnittsaufenthalt sind 1,4 Tage. Und wir gehen davon aus, dass es, sobald Rulantica eröffnet ist, zwei Tage sein werden.

 

Und über die Hotelerweiterung hinaus?

Mack: Auch da gibt es in den Köpfen natürlich Ideen, zum Beispiel eine Entertainment-Straße mit Shows und Restaurants oder auch ein Klettergarten.

 

Wie kann man Freizeitparkbesucher heute generell noch überraschen und begeistern?

Mack: Wie gesagt, haben wir nie darauf gesetzt, immer nur eine Achterbahn nach der anderen zu bauen und uns damit nur auf die jungen Leute zu fokussieren. Das nutzt sich irgendwann ab. Wir haben immer auf die Familie gesetzt. Und in der müssen alle Spaß haben. Das ist einer unserer Erfolgsfaktoren: dass man hier gemeinsam etwas erleben kann. Damit haben wir im Park mit 29 Jahren auch einen vergleichsweise hohen Altersdurchschnitt. Klar ist aber auch, dass wir uns immer wieder neu erfinden müssen. Zuletzt haben wir die Virtual-Reality-Brille auf den Alpenexpress gebracht, das hat eingeschlagen wie eine Bombe. So wurde eine in die Jahre gekommene, eher langweilig gewordene Achterbahn wieder extrem spannend für die Gäste.

 

Sie führen gemeinsam mit Ihrem Vater, Ihrem Onkel und Ihrem Bruder Michael das Unternehmen. Als Kind sind Sie hier im Park aufgewachsen. Konnten Sie sich beruflich jemals etwas anderes vorstellen?

Mack: Ich wusste damals nicht, was ich hier später mal machen werde, aber dass es irgendetwas mit dem Park zu tun haben wird, war schon recht früh klar. Wir haben im Schloss mitten im Park gewohnt. Das schafft natürlich eine ganz besondere Verbindung.

 

Ein Familienunternehmen mit knapp 4000 Mitarbeitern ist nicht die Regel. Empfinden Sie es als Vorteil?

Mack: Ein Vorteil ist sicher, dass es hier - anders als bei einem börsenorientierten Konzern - keinen Masterplan gibt. Als wir 2001 zum ersten Mal im Winter für sechs Wochen den Park geöffnet haben, war das ein finanzielles Fiasko. Mittlerweile ist der Winter nach dem Ferienmonat August und der Halloween-Zeit unsere stärkste Saison. Natürlich müssen die Zahlen im Unternehmen stimmen, aber wenn sie immer nur an erster Stelle stehen, kann man sich nicht verwirklichen. Bei uns gibt es dafür keine Minute, in der man nicht versucht, irgendetwas zu optimieren.

 

Dazu zählt auch die Instandhaltung. Einen Freizeitpark dieser Größe am Laufen zu halten, ist sicher eine mindestens genauso große Aufgabe wie die Umsetzung neuer Ideen.

Mack: Tatsächlich ist die Instandhaltung der fast noch größere Aufwand. Aber ich denke auch, dass uns genau das ausmacht. Es vergeht kein Tag, an dem nicht ein Maler irgendwo etwas streicht, wo nicht die Gärtner unterwegs sind, etwas in unseren Werkstätten repariert wird oder die etwas älteren Attraktionen modernisiert werden. Die Zugfahrt "Old 99 mit Zirkusparade" haben wir zum Beispiel 2018 neu thematisiert: In Anlehnung an Jim Knopf ist die Familienattraktion "Jim Knopf - Reise durch Lummerland" ein ganz tolles Abenteuer für große und kleine Gäste.

 

Was empfinden Sie als größte Herausforderung?

Mack: Die Qualität zu halten. Wenn der Park ständig wächst, müssen die Strukturen stimmen, damit er familienfreundlich bleibt.

 

2017 kamen mehr als 5,6 Millionen Besucher. Wie gehen Sie mit der großen Verantwortung um, die Sie für die Gäste tragen?

Mack: Das Thema Sicherheit steht für uns an erster Stelle. Schon mein Vater hat sich in diesem Bereich immer sehr eingesetzt. Und alles, was wir dafür tun können, setzen wir auch um. Wenn wir über Verantwortung sprechen, geht es aber nicht nur um die Gäste, sondern auch um unsere knapp 4000 Mitarbeiter und ihre Familien. Aber man lernt, mit dieser Verantwortung umzugehen. Wir geben einfach jeden Tag unser Bestes. Und Angst ist ja bekanntlich ohnehin kein guter Ratgeber.


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