Floridas Löwenpfoten und der Grüne Blitz

Geballte Natur und Muschelparadies: Ein Besuch auf den Schwesterinseln Sanibel und Captiva

Von Maren Recken

Floridas Löwenpfoten und der Grüne Blitz

Muschelparadies: Katzen- und Löwenpfoten werden leicht gefunden.

 

Ich lebe im Paradies, und ich liebe es", schwärmt Debbie. Sie muss nicht mehr davon überzeugt werden, dass ihre Wahlheimat Captiva ein besonders schönes Fleckchen Erde ist. Die Australierin lebt seit einer gefühlten Ewigkeit im Südwesten Floridas. Etwas von ihrer Begeisterung für die Inselwelt von Captiva und Sanibel versucht sie beim Muschelsammeln an Urlauber weiterzugeben. Die laufen in gebückter Haltung den Strand entlang. Für den Anfang auf der Suche nach Katzen- und Löwenpfoten. Den beiden Muschelarten, die besonders häufig vorkommen und deren Form und Größe an die Fußabdrücke der genannten Tierarten erinnern. Debbie erkennt so gut wie jede Muschelart, die am Strand zu finden ist - über 400 verschiedene. Für die Urlauber hat sie eine Broschüre dabei, die eine Auswahl davon zeigt. "Das ist die Junonia, wenn ihr die findet, kommt ihr mit Foto in die örtliche Zeitung", deutet Debbie zum Ansporn für die weitere Suche auf die Abbildung einer besonders seltenen Muschel. An diesem Tag hat, was die Junonia angeht, zwar keiner Glück, dafür landen zahlreiche andere Prachtexemplare in den Säckchen, die Debbie den Urlaubern zuvor ausgehändigt hat.

Beliebtes Souvenir

"Die meisten Muscheln findet ihr am frühen Morgen nach einem Sturm hier in der Wrack-Line", erklärt sie und führt die Gruppe zu der Stelle, an der die Flut am weitesten auf den Strand vorgedrungen ist und die Flutwellen Streifen aus tausenden Muscheln zurückgelassen haben. Dass die Muscheln nicht auf dem Grund des Ozeans entlangtreiben, sondern auf Captiva und Sanibel an den Strand gespült werden, liegt an der Lage der Schwesterinseln. Quer zur Strömung sind sie im Golf von Mexiko dem Festland vorgelagert. Trotzen dem Wasser ab, was Urlauber als Souvenir mit nach Hause nehmen; was die ursprünglichen Bewohner dieser Gegend, die Calusa Indianer, für ihre Zeremonien nutzten und auf Sanibel ins Museum kommt: Muscheln, Muscheln und nochmals Muscheln. Im Baileys-Matthew National Shell Museum sind nicht nur seltene Exemplare - darunter auch die Junonia - aus Südwest-Florida ausgestellt. Es gibt Schönheiten aus der ganzen Welt zu bestaunen und das, was die Urlauber auf keinen Fall einsammeln dürfen: Lebende Muscheln. Die halten die Museumspädagogen im Aquarium und benutzen sie, um anschaulich Wissenswertes zu vermitteln.

Geballte Natur und das Bestreben, den Tourismus naturfreundlich zu gestalten, charakterisieren Sanibel und Captiva. Laut Inselgesetz darf kein Haus höher sein als die höchste Palme. Was zwar nicht aus allen Häusern Prachtstücke macht, aber zumindest in die Höhe gebauten Bettenburgen einen Riegel vorschiebt. Das Straßennetz ist so überschaubar wie die Größe der Inseln. Eine Hauptstraße pro Insel, von der nur wenige Seitenstraßen abzweigen. Die Anbindung ans Festland sichert eine mautpflichtige Brücke. Auf Sanibel ist die Höchstgeschwindigkeit auf 35 Meilen - 56 km/h - festgelegt, auf Captiva sind es sogar nur 25.

Entschleunigt

Wenn nicht gerade Hurrikan-Saison ist, geht es entschleunigt zu auf den schmalen Inseln, die einst verbunden waren. Bis in den 1920er Jahren geballte Hurrikanpower aus einer Insel drei machte: Captiva, North Captiva und Sanibel. Mit Irma hatten die Inselbewohner Ende August letzten Jahres mehr Glück. "Wir hatten nur ein paar umgestürzte Bäume und Wasserschäden", erinnert sich Verdell Eckberg, der das South Seas Island Resort, eine Ferienanlage, die die Nordspitze Capitvas einnimmt, leitete, an das Aufräumen nach dem letzten Hurrikan.

Mit Livemusik und Cocktail

Rund ein halbes Jahr später sind die wenigen Hurrikanspuren so gut wie überall auf Captiva und Sanibel beseitigt. Das entschleunigte Genießen geballter Natur ist wieder in den Vordergrund gerückt - in der resorteigenen Marina, wo Delfine und Seekühe bis ins Hafenbecken schwimmen oder beim Sonnenuntergang an einem der Strände von Captiva.

Dort wird der Sonnenuntergang jeden Abend zelebriert. Man trifft sich und wartet. Mit Blick aufs Meer. Im Mucky Duck, Kneipe, Restaurant und Hotspot für Fans von Sunset und Sundowner, überbrückt man die Zeit gerne mit Livemusik und Cocktails. Und dann beginnt es: das farbenprächtige Schauspiel in Gelb-, Orange- und Lilatönen, das - wäre es in Öl gemalt - eher als kitschig, denn als schön beschrieben würde. In der Realität allerdings ist es ein unvergessliches Erlebnis. Mit viel Glück bekommen Sonnenuntergangfans bei klarer Sicht ein paar Sekunden sogar den Green Flash, den Grünen Blitz, zu sehen. Der entsteht, wenn das weiße Licht der Sonne in der Erdatmosphäre gebrochen wird und je nach Wellenlänge verschiedene Farben am Himmel sichtbar werden. Wobei die kurzwelligen grünen Lichtstrahlen erst kurz bevor die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, als letzte Farbe aufblitzen. Weil dieses Spektakel aber nur funktioniert, wenn keine Staub- oder Wasserteilchen in der Luft schweben, ist die Chance, den Green Flash zu beobachten, sehr gering. Fast so gering wie die, eine Junonia-Muschel zu finden. Aber auch Katzen- und Löwenpfoten oder die normalen allabendlichen Sonnenuntergänge haben auf den Inseln am Golf von Mexiko bereits ihre ganz eigene Faszination.

Tipps und Infos

Anreise

Momentan täglich

Direktflug mit Lufthansa ab Frankfurt nach Tampa. Von dort im Mietwagen bis Captiva Island (rund 270 km).

Ab Mai von mehreren deutschen Städten aus Direktflüge nach Fort Myers. Von dort im Mietwagen bis Captiva Island (rund 60 km). Infos:

www.eurowings.com/de

Unterkunft

South Seas Island Resort, www.southseas.com,

ab 383 US-Dollar pro Nacht/DZ im Harbourside an der Marina;

Tween Waters Inn, www.tween-waters.com, auf Captiva ab 221 US-Dollar pro Nacht/DZ im Poolside Guest Room

Allgemeine Infos

www.fortmyers-sanibel.de

Sonnenuntergang

The Mucky Duck www.muckyduck.com/

Muschelmuseum

The Bailey-Matthews National Shell Museum www.shellmuseum.org

Floridas Löwenpfoten und der Grüne Blitz

Auch rund um Captiva und Sanibel gibt es idyllische Eilande, die man mit dem Boot ansteuern kann.

 
Floridas Löwenpfoten und der Grüne Blitz
Floridas Löwenpfoten und der Grüne Blitz