"First Track" im Tiroler Zugspitzgebiet

Wenn die Piste einem fast alleine gehört: Frühes Aufstehen wird mit einer Abfahrt auf frisch präparierten Pisten belohnt

Von Jürgen Kümmerle

"First Track" im Tiroler Zugspitzgebiet

Dieser Ausblick. Diese Stille. Und diese Piste. Ein paar Stunden zuvor frisch präpariert, warten die einsamen Hänge am Lermooser Grubigstein, von den ersten Alpinskifahrern eingenommen zu werden. Hinein ins Vergnügen. Das Gefühl des frischen, unberührten Schnees überträgt sich vom Ski über den Schuh direkt in die Glückszone des Skifahrer-Hirns. Mit "First Track", übersetzt: erste Spur, wirbt die Tourismusregion Tiroler Zugspitz-Arena um die Alpinisten, die vor allen anderen die Piste hinab wedeln wollen. Immer donnerstags um 7.30 Uhr geht"s mit der ersten Gondel los. Ein Skilehrer der Skischule Snowpowder Lermoos oder der Geschäftsführer der Bergbahnen ist aus Haftungsgründen mit dabei. Auf geht"s im weichen Schnee in Richtung Morgensonne.

Tiroler Herzlichkeit

Die Tiroler Zugspitz-Arena ist sicher nicht das höchste Skigebiet der österreichischen Alpen. Doch während derzeit die halbe Welt auf die neu eröffnete Zugspitzbahn auf deutscher Seite schielt, verzaubert die österreichische mit ihrer Tiroler Herzlichkeit. "Wir sind ja nicht gerade das größte Skigebiet. Aber gerade deshalb ist bei uns ein ganz anderer Zusammenhalt da", sagt Birgit Linder von der Tourismusregion Tiroler Zugspitz-Arena. Stimmt. Halligalli, einen unübersichtlich großen Skizirkus, sucht man dort in der Tiroler Region Außerfern vergebens.

Klein, aber fein zeigt sich das Gebiet um die sieben Ortschaften Ehrwald, Lermoos, Berwang, Bichlbach/Lähn-Wengle, Biberwier, Heiterwang am See und Namlos. Ehrwald liegt keine zehn Kilometer hinter der deutschen Grenze. Klein, aber fein geht es nach dem Frühwedeln auch weiter. Während die ersten Skifahrer in den Gondeln hinauffahren, sitzen die Frühaufsteher beim herzhaften Bergfrühstück auf der Wolfratshauser Hütte (1735 Meter). Massenabfertigung - Fehlanzeige. Im Preis von 52 Euro fürs First-Track-Skifahren (exklusive Skipass) ist der Frühschmaus inbegriffen.

Ein weiteres Winterhighlight führt die Region seit diesem Jahr im Programm: einen Iglu-Workshop. Marco Seitner, Inhaber der Alpinschule Lermoos, führt die Gäste in die Kunst des Iglubaus ein. Doch zuerst heißt es, Schneeschuhe unter die Winterwanderlatschen schnallen und ein verträumt-romantisches Plätzchen abseits der Piste suchen. "Wir müssen zuerst den Schnee verdichten und daraus dann Blöcke herausschneiden", sagt Seitner. Gesagt, getan. Mit den breiten Schneeschuhen stapfen die Teilnehmer über ein fünf Mal fünf Meter großes Feld. Dann heißt es ran an Sägen und Spaten. Seitner verbaut die Schneeblöcke, streicht dabei fast zärtlich über die weißen Quader. Am Nachmittag steht das Iglu. Man sieht es Seitner an: Er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Sie hat ihn vor drei Jahren sogar nach Hollywood gebracht. Für den Kinofilm "Gefährliche Brandung" agierte Seitner als Snowboard-Stuntman. Doch trotz des US-amerikanischen Glitzers und Glamours - seiner Heimat Tirol ist er treu geblieben.

Olympiafackelträger aus Lermoos

Wie auch Josl Rieder. Der Seniorchef vom Hotel Loisach in Lermoos ist 1958 Weltmeister im Slalom geworden. Überall im Hotel finden sich Schwarz-Weiß-Fotos, die an die erfolgreichen Tage des heute 85-Jährigen erinnern. Über dem Hoteleingang hängen die Skier, mit denen er in Bad Hofgastein Weltmeister wurde - vor Toni Sailer. Mit ein wenig Glück treffen Gäste auf den Seniorchef in der Hotel-Lobby. Zeit für ein kleines Schwätzchen? Und ob. "Der Weltmeistertitel: Das hat damals gut getan", sagt Rieder. Mannschaftskollegen hätten ihn um seine gute Linie beim Skifahren beneidet. Österreich würdigte die Leistungen Rieders. Bei den Olympischen Winterspielen 1964 in Innsbruck war er es, der das Olympische Feuer im Bergisel-Stadion entzündete.

Auf dem Zipfelbob den Berg hinunter

Es scheint, als warte an jeder Ecke eine kleine Überraschung. Wie etwa auf der Gamsalm (1278 Meter) in Ehrwald, wo die Hütte unter der Woche bei Live-Musik rappelvoll ist. Eine Veranstaltung, die nicht nur bei Urlaubern beliebt ist, auch Einheimische genießen den Abend. Mit Karacho geht es anschließend auf dem Zipfelbob hinab ins Tal. Die Piste ist beleuchtet, die Gaudi riesengroß. Romantisch auch die Fackelwanderung im Berwangertal, bei der man im Hintergrund die Zugspitze mit ihren schroffen Felsen erahnt. Zum Abschluss genießen die Gäste einen Kaiserschmarrn im Gasthof Roter Stein im Weiler Kleinstockach. Draußen, in der Nacht ist sie wieder. Diese Stille.

Tipps und Infos

Anfahrt über die A6, am Kreuz Feuchtwangen über die A7 nach Kempten. Bei Pfronten über die Grenze. Von dort auf dem Fernpass Richtung Reutte, zum Zielort.

Das Tiroler Zugspitzgebiet ist etwa 330

Kilometer von Heilbronn entfernt. Eine Autobahnvignette ist für diese Strecke nicht notwendig.

Weitere Informationen

Tipps zu Unterkünften, Liftanlagen und Freizeitangeboten wie Iglubau, Schneeschuhwandern oder (Nacht-)Rodeln gibt es bei der Tiroler Zugspitz-Arena unter

www.zugspitzarena.com

"First Track" im Tiroler Zugspitzgebiet
"First Track" im Tiroler Zugspitzgebiet
"First Track" im Tiroler Zugspitzgebiet

Unterwegs in der Tiroler Winterlandschaft, mit Skiern oder beim Schneeschuhwandern.

 
"First Track" im Tiroler Zugspitzgebiet
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