Dachsteinkönig setzt Maßstäbe beim Familienurlaub

Von der Nische zum Mega-Erfolg: Das Kinderhotel im österreichischen Gosau ist das dritte Erfolgsprojekt von Ernst Mayer. 2020 folgt ein weiterer Neubau in Oberhof im Thüringer Wald

Von Stefanie Sapara
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Dachsteinkönig setzt Maßstäbe beim Familienurlaub

Der Aufschrei in der 1800-Einwohner-Gemeinde war groß: Das, was der Tiroler Hotelier Ernst Mayer ankündigte zu bauen - mitten auf der grünen Wiese im beschaulichen Dachsteingebiet in Oberösterreich - das war für viele gleichzusetzen mit einem pompösen, 280 Meter langen Kreuzfahrtschiff, das direkt ins Gosauer Tal platziert wird. Was dann tatsächlich entstand, ist ein stattliches Kinderhotel, das sich nicht nur auffallend gut in die Landschaft integriert, sondern das seit seiner Eröffnung im Dezember 2016 ein Frequenzbringer ist.

Dass es so gekommen ist, dafür hat die Familie Mayer einiges getan. 45 Millionen Euro wurden gemeinsam mit Investoren gesetzt - Land und Gemeinde förderten das Riesenprojekt. Denn anders als in Tirol, einem Bundesland, das laut Florian Mayer, Direktor im Kinderhotel Dachsteinkönig, vom Tourismus völlig gesättigt ist, sei man in Oberösterreich noch hungrig. "In den vergangenen Jahrzehnten ist hier kaum etwas entstanden", erzählt er. Und das sei der Grund, weshalb auch die Einheimischen schließlich ihren Frieden mit dem Hotel gemacht hätten. "Sie haben verstanden, dass man etwas tun muss, damit der Tourismus nicht wegstirbt." Sie hätten die Aufwertung gespürt. Und: Nicht wenige Hoteliers würden mittlerweile nachziehen und selbst renovieren und investieren.

Anreise nur mit Kind

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Hallstatt ist ein Kleinod am Berg und von Gosau aus schnell erreicht.

Das Leading Family Hotel Dachsteinkönig ist das dritte Projekt von Ernst Mayer, der einst mit der Alpenrose in Lermoos startete. Seit 1994 betreibt seine Familie dieses Haus als reines Kinderhotel, ebenso das Kinderhotel Oberjoch, das 2012 in Betrieb ging. Wohnen darf hier tatsächlich nur, wer mit Kind anreist. Eine Konsequenz, die anfangs Mut erforderte. Doch Ernst Mayer setzte sehr bewusst auf diese Nische, sah in dem Konzept Zukunft.

Und er sollte Recht behalten: Seine Hotels sind nahezu ausgebucht und das selbst in Zwischensaison-Zeiten, also dann, wenn andere Häuser schließen. Familien bezahlen bereitwillig Preise von 400, aber auch 1000 und mehr Euro pro Nacht - je nach Saison und Zimmerkategorie. Was sie dafür bekommen? Ein Rundum-sorglos-Paket für die ganze Familie. Das gilt für Oberjoch, das gilt für die Alpenrose, und doch war es stets Mayers Traum, in einem Neubau all das umsetzen zu können, was bei den bestehenden Häusern, die jeweils zum Kinderhotel umgebaut wurden, nicht möglich gewesen war. Weil alle Ideen stets irgendwo ihre Grenzen hatten.

Nun, nach rund zwei Jahren laufenden Betriebs, ist die Familie Mayer äußerst zufrieden. "Es gab viele Kritiker", erinnert sich Florian Mayer, Sohn von Ernst Mayer. Immer wieder die Frage: Werden sich so etwas so viele Menschen leisten? Leisten können, leisten wollen? Jetzt kann er sagen: "Ja, es funktioniert und sogar um einiges besser als wir erwartet hätten." Mit 70 Prozent Auslastung habe man im ersten Jahr gerechnet, tatsächlich waren es mehr als 89 Prozent. 60 Prozent der Gäste sind Deutsche, davon 80 Prozent aus Bayern. Doch selbst aus österreichischen Nachbarorten kämen Gäste zum Urlaub machen.

Erweiterungsideen

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Aufgrund der hohen Nachfrage nach Chalets sollen weitere gebaut werden.

So richten sich die Gedanken schon wieder nach vorne: Für die zwölf Chalets etwa, luxuriöse Einfamilienhäuser neben dem Hauptgebäude, gibt es bereits Erweiterungsideen - so groß ist die Nachfrage. "Noch größer und exklusiver" sollen die neuen Häuser werden und auch einen Pool bieten, sagt Florian Mayer. Auch ein Außenfitness-Bereich ist geplant, ein weiterer Spielplatz und ein Kräutergarten. Das alles zusätzlich zu dem, was ohnehin schon geboten wird: 20 Betreuer kümmern sich täglich 13 Stunden im Baby- und Kinderclub um den Nachwuchs und das ab einem Alter von sieben Lebenstagen. Es gibt 2000 Quadratmeter Indoor-Spielfläche, Pools mit Rutschen, Kino, Theater, Kart- und Bowlingbahn, einen Virtual-Reality-Raum, außerdem einen Außenbereich mit Hüpfburg, Spielplatz, Fahrzeug-Parcours und Streichelzoo. Dazu 1000 Quadratmeter Wellness- und Saunalandschaft für die Eltern sowie All-Inclusive-Verpflegung auf hohem Niveau in Buffetform - ein klarer Gästewunsch, wie Mayer betont.

Es ist ein Angebot, das nicht unbedingt erfordert, dass man die Anlage während seines im Schnitt fünf- bis siebentägigen Aufenthalts verlässt. Auch deshalb, weil all diese Dinge nicht nur einfach vorhanden sind, sondern mit Liebe zum Detail und mit Herz umgesetzt wurden. Das Hotel ist überaus gemütlich, das Personal freundlich, die Geräuschkulisse mit Blick auf den hohen Anteil an (Klein-)Kindern absolut moderat - vermutlich schlicht deshalb, weil hier jeder seinen Tobe- oder Ruheplatz findet.

Auch die Region bietet was

Trotzdem lohnt der Blick nach draußen. Das Dachsteingebiet ist eine große Erlebnisfläche, Wandern und Skifahren sind hier ebenso Programm wie zum Beispiel ein Ausflug nach Hallstatt, das kleine Dorf am Hallstatter See, das Teil der Unesco-Welterbestätte Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut ist. Zwar wird es täglich ähnlich von asiatischen Touristen überschwemmt wie Neuschwanstein, dennoch hat es eine große Portion Charme.

Dachsteinkönig setzt Maßstäbe beim Familienurlaub

Die Familie Mayer hegt indes neue Pläne. Lange war man um einen Standort in der Schweiz bemüht. Die Klientel wäre da, das Geld, diese Art von Urlaub zu bezahlen, auch. Doch: "Es war unmöglich, dort wirtschaftlich zu bauen", sagt Florian Mayer. Nun richten sich die Augen auf Deutschland, denn auch hierzulande sind Kinderhotels bislang nicht sonderlich verbreitet, von der Kinderhotels-Gruppe gibt es nur zwei Häuser, darunter das Oberjoch der Mayers im Allgäu.

Einen Neubau will man nun weiter im Norden realisieren: Mitte des Jahres soll in Oberhof, bekannt als Biathlon-Weltcup-Ort, der Spatenstich erfolgen - wie der Dachsteinkönig ein Projekt auf der grünen Wiese. Und auch Idee und Größe lehnen sich laut Florian Mayer an. 500 Betten soll das Haus bieten, geschlafen wird unter anderem in Baumhäusern. Die Eröffnung ist für Dezember 2020 geplant. Im Schnitt nehmen Gäste, die mit (Klein-)Kindern anreisen, vier Stunden Autofahrt auf sich, um in ein Familienhotel zu reisen - das zeigt die Erfahrung der Familie Mayer. Kraichgau, Heilbronn und Hohenlohe liegen damit voll im Radius. Nach Oberhof sind es von hier aus rund zweieinhalb bis drei Stunden.

 

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