Costa Smeralda: Eine Riesin, die in vielem klein sein will

Liebeserklärung an Italien: Costas erstes Schiff mit Flüssiggasantrieb ist getauft und fortan auf einwöchigen Touren im Mittelmeer unterwegs

Email

Männer bringen Unglück. So ist das leider in der Seefahrt. Sagten schon die alten Griechen. Und wer würde unterwegs auf den großen Weltmeeren schon gerne etwas riskieren? Da ist es in jedem Fall sicherer, nicht mit Traditionen zu brechen und die Schiffstaufe wie schon vor Jahrtausenden in weibliche Hände zu legen. Die Patin sollte dabei weder rothaarig sein noch etwas Grünes tragen. Insofern hat Schauspielerin Penélope Cruz am vergangenen Samstag im italienischen Savona alles richtig gemacht: Die brünette Hollywood-Schönheit trug Schwarz, löste per Hammerschlag die Champagnerflasche aus, die daraufhin am Bug des Schiffes zerbarst und wünschte der Smeralda allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Ein Gefühl für das Schiff

Dennoch war es ein Mann, der ihr gewissermaßen die Show stahl: Michael Thamm, Chef der Costa Gruppe, zu der auch Aida Cruises zählt. Denn statt seine vorbereitete Rede zu halten, entschied er spontan um: Er sprach frei. Und genau das Ablegen dieser Etikette brachte das auf die Bühne, um was es eigentlich bei einer solchen Tauffeierlichkeit geht: ein Gefühl zu bekommen für dieses Schiff und diesen besonderen, schönen Moment, wenn es dem Meer übergeben wird. Die Smeralda ist eine Riesin auf See. Mit Platz für mehr als 6500 Gäste so groß, dass so manch einer sagen wird, so könne kein Seefahrtsgefühl mehr aufkommen. Aber es kommt bekanntlich immer darauf an, was man sucht. Und was die Smeralda in Perfektion bietet, das ist Italien pur vom Bug bis zum Heck. Das reicht vom Espresso über Essen und Getränke bis hin zu Showprogramm und vor allem: Design. "Die Welt liebt Italien", sagte Thamm. "Wir lieben euch für eure Begeisterung, eure Geschichte, eure Kultur. Die Welt kann so vieles von euch lernen." Nicht zuletzt: das Dolce Vita. Und das ist denn auch der große Unterschied zu Schiffen von Tui Cruises oder Aida, die mit vorwiegend deutschem Publikum unterwegs sind. Auf den Costa-Schiffen tummeln sich bis zu 60 Gäste-Nationalitäten, der Hauptanteil davon Italiener, aber auch viele Spanier und Franzosen. Und die leben bekanntermaßen ein wenig lauter und bunter als wir. Unbeschwerter. Das spürt man an Bord - auf dem neuen Flaggschiff Smeralda aufgrund ihrer Größe an besonders vielen Ecken. Zum Beispiel gibt es erstmals auf See ein Design-Museum mit 470 Ausstellungsstücken. Von der Vespa über Mode bis hin zu Möbeln und Accessoires ist hier zu sehen, was die Welt mit Italien verbindet. Hochmodern gemacht, wie auch der Rest des Schiffes.

Das wird von der Reederei gerne als Smart City bezeichnet. Die "Stadt" erklärt sich mit Blick auf die Größe von selbst. Und smart? Kommt daher, weil die Ambitionen der Reederei groß sind, die Riesin in vielem klein sein zu lassen. Die Smeralda fährt als erst zweites Schiff nach der Aida Nova mit LNG, also Flüssiggas. Das macht sie nicht zum grünen Schiff. Und auch bei Costa ist klar: LNG ist lediglich Brückentechnologie. Aktuell jedoch gilt es als sauberster fossiler Brennstoff. Damit sei es in jedem Fall ein Schritt nach vorne. Der CO2-Ausstoß wird zwar nur gering reduziert, die Emission von Feinstaub und Schwefeldioxiden aber fast vollständig verhindert, was die Luftqualität in den Häfen und auf See verbessert. Darüber hinaus gibt es Entsalzungsanlagen an Bord, und auch was Mülltrennung und Lebensmittelreste angeht, hat Costa seit Jahren große Ziele - und auf der Smeralda nun im Speziellen. Alle Abfälle werden an Bord sortiert, ein Großteil an Land recycelt, Einweg-Kunststoffe ebenso wie Lebensmittelabfälle werden Jahr für Jahr reduziert. Bei Letzterem hilft das Programm "4 Good Food", mit dem man seit 2017 flottenweit 35 Prozent an Resten eingespart hat - unter anderem durch die Sensibilisierung der Gäste in den Restaurants. Neu ist auf der Smeralda das hinter Glasscheiben aufgebaute Büfett: Der Gast sagt einem Mitarbeiter, was er möchte und bekommt das Gewünschte auf den Teller. Der Erfolg sei messbar, sagt Umweltoffizier Fabio Scaringella. "Die Gäste überlegen intensiver, wie viel sie eigentlich möchten, die Reste auf den Tellern sind deutlich geringer." Ebenfalls seit drei Jahren werden überschüssige Menüs in elf Häfen an soziale Einrichtungen und Bedürftige übergeben. Und speziell für die Smeralda wurde das LAB konzipiert, eine Restaurantküche, in der Gäste Kochkurse belegen und unter anderem lernen können, wie man Abfälle in der Küche minimiert.

Wer sich als Gast für die Hintergründe und Bemühungen der Reederei interessiert, bekommt also einige fundierte Antworten auf seine Fragen. Und wer keine stellt, ist automatisch Teil des großen Ganzen. Was die Gäste suchen, ist Urlaub. Den bekommen sie. Vor allem jene, die ein hochmodernes Schiff schätzen, vor Größe nicht zurückschrecken, sich gute Gastronomie und viel Unterhaltung wünschen. Und eben: italienisches Lebensgefühl. Dazu gehört auch, dass sich viele Gäste abends richtig schick machen fürs mediterrane Menü im Restaurant - serviert am immer selben Tisch -, ebenso das Theaterprogramm und Partys bis spät in die Nacht. Viel Musik, Tanz und Spaß. Dolce Vita eben. Das mag manch einem zu viel sein. Zu trubelig. Andere wiederum schätzen genau das: raus aus starren Alltagsmustern, hinein in eine Urlaubswelt.

Attraktiv für Familien

Die dürfte auch vielen Familien gefallen. Nicht nur, weil bis zu zwei Kinder bis 17 Jahre in der Kabine mit zwei Erwachsenen kostenlos mitreisen. Sondern auch, weil das Schwimmbad und Rutschenangebot einem Spaßbad gleichkommen, weil es neben dem Baby-, Kids- und Teensclub unzählige weitere Angebote - Tischtennisplatten, Sportplatz, Automaten-Spiele - gibt und erstmals ein eigenes Familienrestaurant.

"Wir werden in den 30 Jahren Lebenszyklus dieses Schiffes wohl zehn Millionen Gäste auf der Smeralda haben", hat Thamm gesagt. "Das ist eine einzigartige Chance, zu zeigen, wie wir denken und was Italien der Welt zu geben hat." Und was er auch sagte: "Man kann vielleicht nicht alles erreichen, was andere von uns erwarten. Aber wir tun, was wir können. LNG funktioniert sehr gut. Aber es ist nur ein Schritt auf einer langen Reise." Das Ziel? "Ich hoffe, dass wir am Ende emissionsfrei fahren können."

Costa Kreuzfahrten

Costa Kreuzfahrten ist eine italienische Kreuzfahrtgesellschaft mit Hauptsitz in Genua. Zur Flotte gehören 15 Schiffe, die unter italienischer Flagge fahren. Die nun in Dienst gestellte Costa Smeralda ist das erste von zwei neuen Schiffen, die zu 100 Prozent mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden. 2021 folgt das Schwesterschiff Costa Toscana.

Costa Smeralda

Die Smeralda hat Platz für maximal 6554 Passagiere und fährt auf siebentägigen Touren durchs westliche Mittelmeer. Zu den Häfen gehören Marseille, Barcelona, Palma de Mallorca, Civitavecchia und La Spezia. Die Kreuzfahrt kann in jedem Hafen begonnen werden. Englischkenntnisse sind hilfreich, es gibt aber auf jedem Schiff deutsche Ansprechpartner, Tagesprogramme und Speisekarten gibt es ebenfalls auf deutsch. Weitere Informationen unter www.costakreuzfahrten.de

Costa Smeralda: Eine Riesin, die in vielem klein sein will

Italien ohne Eisdiele? Unvorstellbar. ? Es gibt gleich zwei davon an Bord.

Costa Smeralda: Eine Riesin, die in vielem klein sein will

Auf Fotowänden begleitet einen das Italien-Motto bis in die Kabine.

Costa Smeralda: Eine Riesin, die in vielem klein sein will

Taufzeremonie: Kapitän Paolo Benini mit Penélope Cruz, Patin des Schiffes.

Costa Smeralda: Eine Riesin, die in vielem klein sein will

Die Costa Smeralda im Hafen von Marseille, einer jener Stationen der siebentägigen Kreuzfahrten durchs Mittelmeer. Fotos: Costa Kreuzfahrten, Stefanie Sapara

Costa Smeralda: Eine Riesin, die in vielem klein sein will

Hommage an Italien: das Designmuseum mit 470 Ausstellungsstücken.


Stefanie Sapara

Stefanie Sapara

Autorin

Stefanie Sapara ist seit 2008 bei der Heilbronner Stimme und Redakteurin im Ressort Leben und Freizeit. Sie kümmert sich im Wochenendmagazin vor allem um die Reiseseiten sowie den Bereich Essen & Genießen.

Kommentar hinzufügen