Arm in Arm mit den Helden der Kindheit

Stefanie Sapara

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Das deutsche Schloss Neuschwanstein diente als Inspiration für das Dornröschenschloss im Disneyland Paris.

Der Satz klingt wie der Slogan eines Motivationstrainers: "Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch tun" − "If you can dream it, you can do it." Kurzum: Wenn man nur will, kann man alles erreichen. Das sagt uns zumindest Walt Disney. Der Visionär, Fernsehpionier, Erfinder von Micky Maus, einer Figur, die jeder − jeder! − kennt. Einem Mann also, der tatsächlich alles, oder zumindest viel erreicht hat. Und so zieht sich das Zitat wie ein Motto durch die von ihm erschaffene Welt. Tatsächlich begibt man sich beim Besuch des Disneylands in Paris, dem einzigen Disney-Park in Europa, in eine Traumwelt. Eine, die für die kurze Zeit der Anwesenheit wirklich ein wenig zur Realität wird. Das gilt für Kinder natürlich sowieso − wegen ihnen geht man schließlich überhaupt dorthin. Aber hier, wo die Allgegenwart des Kommerzes jeden vernünftigen Erwachsenen sofort wachrütteln sollte, gelingt es dieser Disney-Welt doch, auch die Großen für sich einzunehmen. Oder, um es in Disney-Worten zu sagen: sie magisch zu verzaubern.

Rund ums Dornröschenschloss

Auf 51 Hektar erstreckt sich der Disneyland-Park, der 1992 seine Tore öffnete. Er ist der älteste Teil und das Kernstück des Disneylands, dem mittlerweile der Walt Disney Studios Park angeschlossen ist, der sich ganz der Filmwelt widmet. Unterteilt ist der Disneyland-Park in fünf Themenländer rund um das Dornröschenschloss, dem Wahrzeichen des Parks. Neben den 42 Attraktionen − schon ganz kleinen Gästen bietet sich hier eine beachtliche Auswahl − stehen den Besuchern eine Unmenge an Shops und Restaurants zur Verfügung. Nicht zu vergessen die aufwendigen Paraden und die Treffen mit den Disney-Figuren und -Prinzessinnen, die zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Stellen im Park unterwegs sind und für die Besucher auch mal zwei Stunden für einen gemeinsamen Schnappschuss anstehen.

Ein Besuch im Disneyland hat zwei Seiten: Die finanzielle sollte man möglichst ausblenden, denn wer sich einmal für einen Besuch entschieden hat, steckt mit Betreten des Parks schon mittendrin in der Konsumspirale − sei es nun das professionelle Micky-Maus-Bild im Disney-Bilderrahmen, die zahlreichen Shows, die extra gebucht werden können, das 70-Euro-Kostüm von Anna, Elsa, Schneewittchen und Co. oder einfach ein bescheidenes Fritten-Burger-Mittagessen für 15 Euro − die Mitnahme zumindest von größeren Picknick-Mengen ist nämlich verboten. Aber da ist auch noch die andere Seite. Die des stillen Genießens trotz lauten Trubels. Die Freude daran, die Helden der eigenen Kindheit zu entdecken oder gar in die Arme zu schließen, Winnie Puuh zu küssen oder in rasanten Fahrgeschäften wie Space Mountain das Gefühl für Zeit und Raum zu verlieren. Und bei Einbruch der Dunkelheit faszinieren einen die 225 000 Glühbirnen, die allein entlang der Main Street die Fassaden beleuchten und die Micky-Wunderwelt in ein stimmungsvolles − zauberhaftes − Licht tauchen. Schlicht: Es ist schön, selber noch einmal Kind zu sein.

Auf all das muss man sich einlassen wollen. Dazu gehören auch Micky-Maus-Ohren, die gefühlt jeder zweite (erwachsene) Besucher auf dem Kopf trägt, hunderte kleine Mädchen, die in wallenden Ballkleidern voller Stolz den Prinzessinnen-Traum leben, die omnipräsente Das-Leben-ist-schön-und-leicht-Lautsprechermusik und vor allem zu Stoßzeiten die langen Warteschlangen vor Peter-Pan- und Cars-Fahrgeschäften. Wer diese schillernde Heile-Comic-Welt mag, der wird nicht enttäuscht. Was hier geboten wird, ist in erster Linie eines: extrem professionell. Das kann man für einen Eintrittspreis von bis zu 90 Euro pro Person und Tag zwar auch durchaus verlangen, dennoch: Alles ist durchorganisiert, der Park blitzsauber, jede Parade bis ins Detail geplant, Kostüme und Dekorationen sind perfekt umgesetzt, und natürlich wird überall gelächelt − ob das nun aufgesetzt ist oder nicht, darüber mag man streiten. Tatsache ist: Man fühlt sich willkommen. Und: Die meisten Angestellten sprechen nicht nur Französisch, sondern auch Englisch oder gar Deutsch.

Großes Feuerwerk

Gegen 22.30 Uhr − kurz vor Beginn des beachtlichen Abschlussevents mit Feuerwerk und spektakulärer Lichtershow, die ganze Filmszenen ans beleuchtete Schloss zaubert − werden in den Shops noch im Akkord leere Regale aufgefüllt. Kaum einer verlässt hier ohne eine Tüte den Park − gefüllt mit mitunter hübschen Mitbringseln, Kostümen, Weihnachtskugeln, Tassen oder Plüschtieren. Auch die Zahl der Minnie-Maus-Ohren-Träger ist gefühlt noch einmal gestiegen. So langsam schmerzen dann auch die Füße, 13 Stunden kann man im Sommer im Park verbringen, um kurz nach 23 Uhr ist Schluss. In Scharen pilgern die Menschen aus dem Park in die nahegelegenen Disney-Hotels oder zum Regionalzug, der Tagesausflügler in 40 Minuten zurück nach Paris bringt. Leise, aber beständig dudelt die Das-Leben-ist-schön-und-leicht-Musik aus den Lautsprechern, bis der letzte Besucher den Park verlassen hat. Müde? Ja. Genervt vom Trubel? Nein. Eher beschwingt. If you can dream it, you can do it. Und mal ehrlich: Wer kann ein Das-Leben-ist-schön-und-leicht-Gefühl nicht ab und zu gebrauchen?

Arm in Arm mit den Helden der Kindheit
Anna und Elsa aus dem Film "Die Eiskönigin" sind die Stars im Park, fahren sogar in Form einer Miniparade über die Main Street.
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Einmal Dschungelbuch-Bär Balu abklatschen? Da stehen die Kids Schlange.
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