Pflanzendrinks: Die etwas andere Milch

Wer Alternativen zu Kuhmilch sucht, stößt auf Pflanzendrinks. Die sind allerdings teuer, deswegen lohnt sich das Selbermachen. Dabei muss es nicht immer Soja sein.

Von Julia Weller
Email
Pflanzendrinks: Die etwas andere Milch

Foto: fabiomax/stock.adobe.com

Immer mehr Menschen ernähren sich vegan oder versuchen, weniger tierische Produkte zu konsumieren. Für Kaffee, Müsli und Pfannkuchen gibt es daher mittlerweile viele pflanzliche Milchalternativen, die nicht aus tierischer Produktion stammen: Hafer, Reis, Mandeln, Haselnüsse, Cashews, Dinkel, Macadamia, Hanfsamen, Kokosnüsse, Soja und andere Nuss- und Getreidesorten lassen sich zu milchähnlichen Produkten verarbeiten. Im Handel sind sie als "Pflanzendrinks" erhältlich.

Tierschutz und gesundheitliche Bedenken

Die häufigsten Gründe für den Griff zur Pflanzenmilch sind Tierschutz und ethische sowie gesundheitliche Bedenken, wie die Verbraucherzentralen in einer Erhebung herausgefunden haben. Die Hochleistungskühe in der industriellen Milchproduktion müssen heute doppelt so viel Milch geben wie vor 50 Jahren, Krankheiten sind weit verbreitet. Außerdem hat Kuhmilch ihr gesundes Image verloren - tierische Fette und Laktose gelten vielen Fitnessbewussten als ungesund.

Auf Kalzium-Wert achten

"Kuhmilch hat ein interessantes Nährwertspektrum", sagt hingegen Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Nicht nur der hohe Kalziumgehalt sei wertvoll für den Körper - auch das Milchfett könne vor Herz-Kreislauferkrankungen schützen. Ein bis zwei Gläser Kuhmilch pro Tag und zusätzlich eine Portion Hartkäse empfiehlt Manthey. Wer dennoch lieber zu veganen Milch-Alternativen greift, solle auf zugesetztes Kalzium achten oder Mineralwasser trinken, um dem Körper ausreichend Kalzium zuzuführen.

Pflanzendrinks im Marktcheck

Die Hersteller von Milchalternativen setzen ihren Pflanzendrinks neben Mineralstoffen und Vitaminen oft auch Stabilisatoren, Verdickungsmittel, Säureregulatoren und Zucker zu. Diese Stoffe sollen zum Beispiel verhindern, dass die Pflanzendrinks im Kaffee ausflocken. Christiane Manthey und ihre Kollegen von der baden-württembergischen Verbraucherzentrale haben die Produktpalette vor zwei Jahren einem Marktcheck unterzogen. "Was wir an Zusätzen gesehen haben, war nicht bedenklich", so Manthey. Wenn Kaliumphosphate als Säureregulator zugesetzt werden, könnten diese aber die Aufnahme von Kalzium aus der ohnehin schon mineralstoffarmen Pflanzenmilch mindern, erklärt Christiane Manthey.

Große Schwankungen beim Preis

Beim Preis zeigte der Marktcheck der Verbraucherzentrale große Schwankungen zwischen verschiedenen Sorten und Marken: Die durchschnittliche Milchalternative kostete mit 1,74 Euro pro Liter rund doppelt so viel wie Kuhmilch. Am teuersten sind mit bis zu drei Euro pro Liter Mandeldrinks. Im Gegensatz zu Kuhmilch, die als Grundnahrungsmittel mit sieben Prozent besteuert wird, werden für Pflanzendrinks 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig.

Trendgetränk als Grund für hohen Preis

Christiane Manthey sieht außerdem den Trend zur veganen Ernährung als Grund für die hohen Preise: "Das ist ein gutes Marketingargument, um die Drinks teuer zu verkaufen. Und natürlich ist die Zielgruppe nicht so riesig wie bei Kuhmilch."

Wer zugesetzten Zucker und hohe Preise umgehen möchte, kann viele Pflanzendrinks ganz einfach selbst herstellen. Am schnellsten geht das mit Haferflocken: Diese werden lediglich eingeweicht und dann mit Wasser vermixt. Anschließend müssen nur noch die festen Bestandteile durch ein Passiertuch oder einen speziellen Nussmilchbeutel herausgefiltert werden. Genauso funktioniert es mit Kokosflocken, Nüssen, Getreide, Hanfsamen und Mandeln. Wer die Flüssigkeit noch milchähnlicher machen möchte, kann einen Schuss Pflanzenöl für die Fettigkeit und etwas Salz hinzugeben. Im Kühlschrank hält sich die selbstgemachte Milch bis zu fünf Tage lang. Reis muss vor dem Mixen mit der doppelten Menge Wasser weichgekocht werden.

Mehr Aufwand

Die Herstellung von Sojamilch ist aufwendiger, weil die abgeseihte Milch noch ungefähr 20 Minuten lang gekocht werden sollte. Herausgefilterte Hafer-, Mandel- und Nussreste sind übrigens kein Abfall: Sie können noch für Frühstücksbrei oder zum Backen verwendet werden. Die Rückstände aus gemixten Sojabohnen werden Okara genannt und eignen sich als Grundlage für vegane Burger.

Alternative für Veganer und Allergiker

Für Veganer und Menschen mit einer Allergie gegen Kuhmilchprotein hält Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale die pflanzlichen Drinks für eine gute Alternative zur Kuhmilch. "In Maßen und ihm Rahmen einer ausgewogenen Ernährung sind die Drinks sicher nicht das schlechteste." Für alle anderen gelte aber die Regel aus der Kindheit: Täglich ein Glas Milch - am besten frisch von der Kuh.


Kommentar hinzufügen