Das Geheimnis des rosa Schoko-Karls

Heilbronn  Von Natur aus rosa: Ein Schweizer Schokoladenhersteller hat die vierte Schokoladensorte Ruby entdeckt. Für die Heilbronner Konditorei Roth kam die Entdeckung zum perfekten Zeitpunkt. Aus der neuen Sorte stellt sie den Buga-Zwerg Karl her. Aus dem 3D-Drucker kommt der Schoko-Karl nur indirekt.

Von Christine Faget

Das Geheimnis des rosa Schoko-Karls

Für Elke Roth war es ein glücklicher Zufall. Ende Mai stellte der weltgrößte Schokoladenhersteller Barry Callebaut in Köln eine Neuheit in Sachen Schokolade vor. Forscher der Jacobs University in Bremen hatten die Ruby-Bohne mitentdeckt - nach der weißen, der schwarzen und Milchschokolade ist die rosafarbene Bohne die vierte Sorte im Schokoladenbunde.

Ein paar Wochen, nachdem Ruby in Deutschland vorgestellt wurde, schlug Elke Roth die Zeitung auf. Im Hinterkopf hatte sie einen Plan. In der Heilbronner Konditorei Roth, die sie zusammen mit ihrem Mann Wolfgang betreibt, wollte sie neben speziellen Pralinen unbedingt ein weiteres Buga-Produkt anbieten. Als sie in der Zeitung das Bild des pinken Zwergs Karl entdeckte, den die Macher der Bundesgartenschau im Juni auf dem Kiliansplatz vorstellten, war ihre Idee geboren: ein Buga-Karl aus der neuen rosa Schoko-Sorte.

Mehr als zehn Jahre Forschung

"Die Ruby-Schokolade wurde über mehrere Jahre hinter verschlossenen Türen entwickelt", gibt Anne Gluschko Auskunft, die als Marketing-Assistentin bei Barry Callebaut arbeitet. Der weltgrößte Schokoladen- und Kakaohersteller gehört zur Jacobs Holding und sitzt in der Schweiz. Im Auftrag von Barry Callebaut sollten die Mikrobiologen der Jacobs University in Bremen eigentlich die Inhaltsstoffe der Kakaofrüchte entschlüsseln. Zufällig entdeckten sie dabei die Ruby-Bohne, wie die "Nordwest-Zeitung" berichtete. Die Bohne bleibt rosa - auch nachdem sie geröstet und fermentiert wurde.

Über zehn Jahre lang erforschten die Produktentwickler von Barry Callebaut die Bohne. Sie fanden heraus, dass die rosa Farbe und der spezielle Geschmack von wenigen der 20 000 Moleküle in der Kakao-Bohne abhängen, wie Callebaut-Pressesprecher Ashraff Arshad erklärt. Die Produktentwickler versuchten also, die Bohnen zu identifizieren, in denen dieser spezielle Ausgangsstoff vorkommt. Das war jedoch kein einfaches Unterfangen: Die Bohne färbt sich orange, wenn sie reif ist. Mit bloßem Auge kann man sie nicht von den anderen Bohnen unterscheiden. Deshalb entwickelten die Mitarbeiter eine spezielle Technik. Auf diese Weise konnten sie die selten vorkommenden Ruby-Bohnen mit dem speziellen Ausgangsstoff herausfiltern und gezielt züchten. Einzelne Pflanzen der Sorte fanden sie in Brasilien, Ecuador und in der Elfenbeinküste.

Fruchtiger Geschmack

80 Jahre, nachdem die weiße Schokolade auf den Markt kam, können die Konditoren nun mit einer vierten Sorte Schokolade experimentieren. "Wir fanden Ruby deshalb interessant, weil die Schokolade völlig frei von Geschmacks- und Farbstoffen ist", erklärt Elke Roth. Die Schokolade schmecke fruchtig, ein bisschen nach Erdbeere und mit einer leichten Zitrusnote. Erste Erfahrungen mit der neuen Schokolade hatten Roths bereits an Ostern gesammelt. Im Frühjahr spickten rosa Schoko-Hasen aus dem Schaufenster der Konditorei.

Nun wirbt dort ein Schild für den rosa Schoko-Karl. 7,50 Euro kostet er. Der Grund: Zum einen sei die Kuvertüre eine sehr hochwertige. Zum anderen hatte die Konditorei Roth speziell für den Buga-Zwerg einen Formgießer beauftragt. Dieser erstellte ein Modell mit Hilfe einer 3D-Datei. Mehrere tausend Euro betrugen die Werkzeugkosten, um 100 Plexiglasformen des Buga-Zwergs herzustellen. Nikoläuse und Osterhasen seien weit günstiger herzustellen, erklärt Elke Roth. Denn die Formen dafür gebe es bereits und könnten als Massenware gekauft werden. In diesem Jahr setzt Elke Roth jedoch auf den Karl: "Der ist für mich eine echte Alternative zum Nikolaus."

Wenn in der Konditorei Roth neue Karls gegossen werden sollen, bringt der Lieferant die rosa Kuvertüre als Chips und in Zehn-Kilogramm-Säcken. In der Chips-Form löst sich die Schokolade schneller auf, erklärt Roth. Die Chips werden im Wasserbad temperiert und dann in die Plexiglas-Form gegossen. Abkühlen, und fertig ist der Buga-Karl aus Ruby-Schokolade. Der erste rosa Schokozwerg ging im September über den Ladentisch.

Schokoladenboom in Asien

Mit der neuen Sorte setzt Barry Callebaut vor allem auf Asien. Dort gebe es einen großen Markt für Schokolade, erklärt Pressesprecher Arshad. In Japan und Südkorea wurde Ruby bereits im vergangenen Jahr vorgestellt. Ein rosa Kitkat-Riegel war schnell ausverkauft. Auch Elke Roth konnte den Hype beobachten, als sie mit ihrem Mann vor zwei Jahren Japan besuchte. Traditionell wird dort Tee getrunken, Süßigkeiten bestehen meist aus einer roten Bohnenpaste. Nun entdeckt man in Asien die Schokolade - und die Schokoladenhersteller den asiatischen Markt für sich.

Auch Lindt und Sprüngli sieht dort einen neuen Absatzmarkt. Dem Schokoladenhersteller zufolge konsumierten die Menschen in Japan 2017 durchschnittlich 1,2 Kilogramm Schokolade. In China waren es 0,1 Kilogramm. Die Schweiz führt die Liste mit 8,8 Kilogramm an. In Deutschland verspeisten die Menschen im Schnitt 7,9 Kilogramm, also 79 Tafeln Schokolade.

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