Busunglück: Kontrolle schon früher verloren

Miltenberg - Auf schneeglatter Straße rutschte ein Bus gestern Abend in ein Wohnhaus in Miltenberg. Zwei Menschen sterben, neun erlitten einen Schock. Die ganze Nacht waren die Rettungskräfte im Einsatz.

Von Angelika Röpcke
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Schon 200 Meter vor der spektakulären Kollision eines Linienbusses mit einem Wohnhaus im Spessart hatte der Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. „Der Busfahrer hätte 200 Meter weiter oben abbiegen müssen, hat das aber schon nicht mehr geschafft“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Würzburg. Auf der abschüssigen, schneeglatten Straße habe der 50-Jährige sein Fahrzeug am Mittwochabend nicht mehr lenken oder bremsen können.

Nachdem der Bus zunächst ein Wohnhaus streifte und dort die Balkone abriss, donnerte er letztlich in ein Mehrfamilienhaus. Ein 16 Jahre alter Schüler - der einzige Fahrgast - starb noch an der Unfallstelle. Er hatte nach Angaben seiner Klassenkameraden erst einen Tag vor dem Unglück Geburtstag gehabt. Der Busfahrer aus dem nördlichen Baden-Württemberg starb wenige Stunden später in einer Klinik. Neun Menschen erlitten einen Schock.

Statikern zufolge herrscht für das Wohnhaus keine Einsturzgefahr, es ist aber derzeit nicht bewohnbar. Der Bus war in eine etwa zwei Meter breite Terrassentüre im Erdgeschoss gerast und etwa acht Meter tief in das Gebäude eingedrungen. Die Wucht des Aufpralls trennte das Busdach ab und schob es in die darüberliegende Wohnung. Mit schwerem Gerät bargen Helfer den Bus noch in der Nacht, um sich zu vergewissern, dass in den Trümmern nicht noch weitere Tote sind. Der Sachschaden wird auf mindestens 400.000 Euro geschätzt.


Schock am Mittwochabend 

„Der Bus ist auf der abschüssigen, schnee- und eisglatten Straße nicht einer leichten Linkskurve gefolgt, sondern geradeaus gerutscht“, erklärte der Würzburger Polizeisprecher Peter Rettinger. Dann sei er an einem zweistöckigen Haus vorbeigedonnert und habe dessen Balkone abgerissen. Keine 20 Meter von der Straße entfernt sei der Bus schließlich erst in dem Mehrfamilienhaus zum Halten gekommen. Der Aufprall war so stark, dass das Fahrzeug bis zur Hinterachse durch die Mauer im Erdgeschoss verschwand.

Ein Fahrgast war sofort tot. Der Busfahrer erlag wenig später seinen Verletzungen. Acht Bewohner aus dem völlig zerstörten Wohnhaus und dem benachbarten Anwesen erlitten einen Schock. Auch eine Autofahrerin musste wegen eines Schocks behandelt werden. Sie war dem Bus auf der Straße entgegenkommen, hatte aber noch ausweichen können.

Weil die Einsatzkräfte unter und im Bus weitere Opfer vermuteten, rückte am Abend ein Kran an, um das Wrack aus dem Wohnhaus zu ziehen. „Der Bus steht bis kurz vor der Hinterachse in dem Anwesen“, sagte Rettinger. „Das ist ein ganz normaler Linienbus“ - gut 12 Meter lang, etwa 40 Sitze. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei saßen in dem Bus nur der Fahrer und ein Fahrgast. Das sei aber noch nicht sicher. „Es ist nicht auszuschließen, dass noch jemand unter den Trümmern liegt.“

Miltenbergs Bürgermeister Joachim Bieber (CSU) zeigte sich erschüttert. „Der Bus steckt völlig in dem Wohnhaus drin“, sagte er der dpa kurz nach dem Unfall gegen 17.00 Uhr. „So etwas habe ich noch nie gesehen. Das ist schrecklich.“