Sechs Flüchtlinge aus Lkw befreit

Bad Rappenau  Samstagnachmittag auf dem Autobahnparkplatz Eichhäuser Hof an der A6 kurz vor Bad Rappenau: Im Auflieger eines bulgarischen Lkw klopfen Menschen gegen die Plane des Anhängers. Der Fahrer ruft die Polizei. Als die Polizisten die Ladentüren öffnen, schauen ihnen sechs Menschen entgegen.

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Laut Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn hat der bulgarische Fahrer während einer Pause auf dem A-6-Parkplatz Eichhäuser Hof kurz vor Bad Rappenau bemerkt, dass sein Auflieger schwankt. Da er sich nicht erklären kann, wie jemand auf den Anhänger gelangt, obwohl die Ladung verplombt ist, lässt er durch einen anderen Lkw-Fahrer die Polizei alarmieren. Die stellt auf dem Anhänger sechs junge Männer im Alter zwischen 15 und 21 Jahren fest, die aus Afghanistan stammen. Ihren Angaben zufolge sollen sie am Mittwoch in Rumänien in den Auflieger gestiegen sein.

Der polnische Lkw-Fahrer Damian Bednarz hat den Polizeieinsatz verfolgt und sich mit dem bulgarischen Brummi-Fahrer unterhalten, der die Passagiere an Bord hatte. Bednarz schildert den Einsatz gegenüber der Stimme so: Demnach sei die Zugmaschine am Parkplatz Eichhäuser Hof getauscht worden. Zwei türkische Fahrer seien weggefahren, der bulgarische Fahrer habe die Fracht mit Fahrziel Mannheim übernommen. 

Kurz danach habe der bulgarische Fahrer ein Klopfen aus dem Innenraum des Aufliegers gehört. Daraufhin habe er die Polizei verständigt. Die erste Streife habe Unterstützung von weiteren Kollegen, von der Feuerwehr und dem Rettungsdienst angefordert. Dann seien die Ladentüren geöffnet worden. Die sechs Flüchtlinge seien davon ausgegangen, dass sie bereits in Frankreich seien. Sie sollen zunächst um Wasser gebeten haben.

Mitfahrer seien bei Kontrollen nicht aufgefallen

Gegenüber Bednarz soll der bulgarische Fahrer erzählt haben, dass der Lkw auf seiner Fahrt von der Türkei bis nach Deutschland drei Kontrollen passiert habe. Die Menschen auf dem Anhänger seien dabei offenbar niemandem aufgefallen. „Illegale Mitreisende sind ein Problem in ganz Europa“, sagt Bednarz. Auch bei einer seiner Fahrten seien zwei Männer verbotenerweise auf den Anhänger gestiegen und mitgefahren. Primäre Ziele der Flüchtlinge seien Frankreich und Großbritannien. 

Kurz vorm französischen Calais, dort, wo Lkw-Fahrer nach Großbritannien übersetzen, spielten sich zum Teil gefährliche Szenen ab. Flüchtlinge werfen dicke Äste oder Gehwegsteine unter die Achsen der Lkw, um sie zum Anhalten zu zwingen. Dann würden Flüchtlinge auf die Lkw-Anhänger steigen und sich dort verstecken.

Die sechs jungen Flüchtlinge am Eichhäuser Hof sind laut Poliziebericht erschöpft gewesen. Sie hatten Hunger und Durst und sind von der Feuerwehr mit Getränken versorgt worden. Der Rettungsdienst untersuchte die Flüchtlinge. Nach ersten Erkenntnissen kam der Lkw über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Österreich nach Deutschland. Der bulgarische Fahrer und die sechs jungen Flüchtlinge sind von der Polizei mitgenommen worden. Am frühen Abend hat die Polizei den Brummi-Fahrer wieder zu seinem Lkw gefahren.

Von den sechs Flüchtlingen werden nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen vier in die Landesaufnahmeanstalt nach Karlsruhe gebracht, heißt es von der Polizei. Zwei der Flüchtlinge geben an, dass sie 15 und 16 Jahre alt seien. Sie wurden an das zuständige Jugendamt überstellt.


Jürgen Kümmerle

Jürgen Kümmerle

Reporter

Jürgen Kümmerle ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.