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Eishockey-Oberliga

Heilbronner Falken gegen Bietigheim Steelers: Sportliche Brisanz kommt zur Rivalität im Derby hinzu

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Im dritten Derby der Oberliga-Saison empfangen die Bietigheim Steelers als Spitzenreiter den Tabellenzweiten Heilbronner Falken.

Auf zahlreiche Unterstützung in der Ege-Trans-Arena können sich die Spieler der Heilbronner Falken wieder verlassen. Rund 1000 Fans werden die Unterländer in Bietigheim-Bissingen anfeuern.
Auf zahlreiche Unterstützung in der Ege-Trans-Arena können sich die Spieler der Heilbronner Falken wieder verlassen. Rund 1000 Fans werden die Unterländer in Bietigheim-Bissingen anfeuern.  Foto: Rahn, Julia (Pressefoto Baumann)

Schon zwei Minuten vor Ende des Heimspiels gegen den ECDC Memmingen Indians am Sonntag stimmten sich die Fans der Heilbronner Falken auf das Derby bei den Bietigheim Steelers an diesem Freitag (19.30 Uhr) ein. „Scheiß Bietigheim“-Sprechchöre wurden – wie immer – besonders laut durch das Eisstadion am Europaplatz geschmettert.

Zu der Rivalität zwischen den Vereinen kommt beim dritten Derby in dieser Saison auch noch die sportliche Brisanz. Die Falken sind der erste Verfolger vom Spitzenreiter aus Ludwigsburg-Nord, wie Bietigheim-Bissingen despektierlich von den Heilbronner Fans betitelt wird.

Falken haben vier Punkte Rückstand auf die Steelers, aber ein Spiel weniger

Tabellensituation: Die Bietigheim Steelers wurden im bisherigen Saisonverlauf ihrer Favoritenrolle gerecht – zumindest wurden sie als Absteiger aus der Deutschen Eishockey Liga 2 (DEL2) als erster Aufstiegskandidat gehandelt. 26 Siege hat die Mannschaft von Trainer Alexander Dück schon gefeiert. Allerdings ist sie auch nicht gefeit vor Niederlagen. Sieben an der Zahl haben die Bietigheimer bereits angehäuft, fünf davon nach regulärer Spielzeit. Und da war die eine oder andere Klatsche dabei. 1:6 mussten sich die Steelers beispielsweise erst kurz vor dem Jahreswechsel beim SC Riessersee geschlagen geben.

Nur vier Punkte hinter den Steelers rangieren die Heilbronner Falken auf dem zweiten Platz der Oberliga Süd – allerdings mit einem Spiel weniger als die Bietigheimer. Diese eine Partie weniger macht sich auf der Habenseite bemerkbar. Die Unterländer fuhren bisher 25 Siege ein. Bei den Niederlagen stehen ebenfalls sieben zu Buche. Besonders bitter in Erinnerung geblieben ist dabei das 6:7 in Lindau, als die Falken eine 6:2-Führung in den letzten 24 Minuten noch verspielten.

Heilbronns Calder Anderson (rechts) lässt Jesse Roach stehen. Der Bietigheimer hat zuletzt aber verletzt gefehlt.
Heilbronns Calder Anderson (rechts) lässt Jesse Roach stehen. Der Bietigheimer hat zuletzt aber verletzt gefehlt.  Foto: Rahn, Julia (Pressefoto Baumann)

Trainer: Nach zwei Spielzeiten als Sportdirektor beim Nord-Oberligisten Herner EV sprang Frank Petrozza im Oktober 2014 auch als Headcoach der Nordrhein-Westfalen ein. Seitdem hat der 54-Jährige bis auf die Saison 2018/19 als verantwortlicher Trainer gearbeitet. Den Vorteil an Erfahrung, den Petrozza mitbringt, gleicht Alexander Dück dadurch aus, dass er im Jugendbereich schon international gecoacht hat. Die deutsche U17-Auswahl betreute er zwei Mal bei Weltmeisterschaften.

Jugendliche Unbekümmertheit gegen einige Erfahrung

Kader: Beide Teams sind hochklassig besetzt und haben mit Freddy Cabana und Robin Just auf Seite der Falken sowie Alexander Preibisch und Tim Schüle bei den Bietigheimern ganz erfahrene Leitwölfe. Unter dem Strich dürfte der Kader der Steelers qualitativ einen kleinen Ticken besser sein als der Heilbronner. Viel hängt mit der Erfahrung ihrer Kontingentspieler zusammen. Alle drei sind schon älter als 30 Jahre – Tyler McNeely (37), Marek Racuk (32) und Erik Nemec (31). Das machen die Käthchenstädter aber mit jugendlicher Unbekümmertheit wett. Zwei ihrer Kontingentspieler, die Kanadier Calder Anderson und Nolan Ritchie, sind erst 22 Jahre jung und stehen damit noch ganz am Anfang ihrer Karriere.

Verletzte: Während die Heilbronner aktuell nur einen Ausfall zu verkraften haben – Brett Ouderkirk ist in dieser Woche so richtig in die Reha eingestiegen –, müssen die Steelers mehrere Monate auf Verteidiger Tim Schüle nach einer Schulter-OP verzichten. Außerdem haben zuletzt Jesse Roach, Tyler McNeely und Fedor Kolupaylo gefehlt.

Bei beiden Teams ist die Last in der Offensive auf mehrere Schultern verteilt

Offensive/Defensive: Die Falken sind das offensivstärkste Team der Liga. 173 Mal haben sie schon gegnerische Goalies überwunden – im Schnitt knapp 5,5 Treffer pro Partie. Die Last ist dabei auf mehrere Schultern verteilt. Mit Robin Just (55 Punkte), Ritchie und Anderson (beide 50) sind drei Heilbronner auf den Plätzen zwei bis vier der Scorerliste zu finden. Auf Rang fünf folgt Niklas Jentsch (46). Aber nicht nur die Stürmer aus den Topformationen treffen. Auch die Reihen drei und vier sind gefährlich – ebenso wie die Verteidiger. Alec Zawatsky beispielsweise ist mit 41 Zählern 14. der Scorerliste. Dafür sind die Heilbronner in der Defensive am anfälligsten von den vier Spitzenteams der Liga, zu denen noch der Deggendorfer SC und die ECDC Memmingen Indians gehören, die sich bereits etwas von Rest der Staffel nach Punkten abgesetzt haben. 90 Mal mussten die Goalies Patrick Berger und Luca Ganz schon hinter sich greifen.

Die Bietigheimer haben als zweitbestes Offensivteam im Süden 27 Treffer weniger als die Falken erzielt –  und das sogar in 33 anstatt 32 Partien. Die 146 Tore verteilen sich auch bei den Steelers auf viele Schultern, wobei der Tscheche Marek Racuk als Fünfter der Scorerliste heraussticht. Defensiv rühren die Steelers dagegen Beton an. Nur 73 Gegentore sind – zusammen mit den 75 Buden, die Deggendorf kassiert hat – der absolute Bestwert der Liga.

Feiern wollen die Heilbronner um Freddy Cabana (links) auf jeden Fall.
Feiern wollen die Heilbronner um Freddy Cabana (links) auf jeden Fall.  Foto: Berger, Mario

Über-/Unterzahl: Mit einem Mann mehr oder weniger auf dem Feld sind die beiden Teams absolute Spitze. Die Falken nutzen statistisch jede dritte Überzahl für einen Treffer. Dagegen sind die Steelers mit einer Quote von 87,5 Prozent nicht zu schlagen.

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