Polizei stellt bei Durchsuchungen in der Region kinderpornografisches Material sicher

Region  Das Polizeipräsidium Heilbronn hat am Dienstag 33 Durchsuchungen wegen des Verdachts auf Besitz und Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten in drei Landkreisen durchgeführt. Derzeit 42 Beschuldigte sollen sich Material verschafft oder verbreitet haben.

Von unserer Redaktion
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Bei der Aktion waren über 80 Kräfte der Kriminal- und Schutzpolizei sowie des Polizeipräsidiums im Einsatz. In mehreren Ermittlungsverfahren wurden 42 Personen identifiziert, die beschuldigt werden, sich oder Dritten kinderpornographisches Material verschafft zu haben, wie die Staatsanwaltschaften Mosbach, Heilbronn und Ellwangen sowie das Polizeipräsidium Heilbronn am Dienstag gemeinsam mitteilten.

Die Einsatzkräfte haben die Wohnungen von zehn Personen aus dem Hohenlohekreis, 13 Personen aus dem Main-Tauber-Kreis und zehn Personen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis am Dienstag durchsucht und Beweismittel gesichert. Bei diesen handele es sich überwiegend um Smartphones, Computer und Speichermedien. Die Datenträger müssen nun ausgewertet werden, die Ermittlungen dauern weiter an. Neun Beschuldigte konnten am Dienstag nicht angetroffen werden, diese Durchsuchungen werden zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt, heißt es in der Pressemitteilung.

„Es handelt sich nicht um einen Pädophilenring“, sagt Polizeisprecher Carsten Diemer. Über verschiedenste Messenger-Dienste wie Whatsapp werden den Ermittlern zufolge immer wieder kinder- und jugendpornografische Inhalte ausgetauscht und mit einem großen Personenkreis geteilt. Es machten sich nicht nur die Versender der Bilder oder Videos strafbar, sondern auch diejenigen, die in solchen Gruppen lediglich in den Besitz verbotener Dateien kommen. Als Tatverdächtige geraten deshalb auch Jugendliche und Kinder ins Visier der Ermittler. Minderjährige senden sich gegenseitig verstörende Inhalte zu oder verteilen sie in Chatgruppen.

13-köpfige Ermittlungsgruppe "EG Hydra" eingerichtet

Zur Bekämpfung der Kinder- und Jugendpornografie hat die Kriminalpolizei in Heilbronn im Frühjahr dieses Jahres eigens die 13-köpfige Ermittlungsgruppe "EG Hydra" eingerichtet, die aus Kräften der Kriminalpolizei und der Schutzpolizei besteht. Diese hat sich seit ihrer Gründung bereits mit über 350 Fällen befasst und schon mehr als 80 Durchsuchungsbeschlüsse vollzogen.

 

Über verschiedenste Messenger-Dienste wie Whatsapp und Co. werden täglich unzählige Nachrichten verschickt. Vor allem in Chatgruppen mit mehreren Teilnehmern werden dabei immer wieder kinder- und jugendpornographische Inhalte ausgetauscht und diese mit einem großen Personenkreis geteilt. Hierbei machen sich nicht nur die Versender der Bilder oder Videos strafbar, sondern auch diejenigen, die in solchen Gruppen lediglich in den Besitz verbotener Dateien kommen, obwohl sie selbst nicht aktiv an der Verbreitung beteiligt waren.

Auch Jugendliche und Kinder im Visier der Ermittler

Beim ungewollten Erhalt einer kinderpornographischen Datei empfiehlt die Polizei, sich in einem Chat oder einer Chatgruppe ernsthaft von der Datei zu distanzieren und den Chatverlauf mit dem Versender zu beenden. Laut Polizei solle man so zeigen, dass der Besitzwille an diesen Inhalten nicht vorhanden ist. 

Das Bundeskriminalamt schrieb bereits vor zwei Jahren in einer Pressemitteilung zu diesem Phänomen, es sei häufig zu beobachten, dass entsprechende Dateien vermutlich nicht immer aus pädosexuellen Motiven weitergeleitet würden. Gerade Kinder und Jugendliche seien sich über die dargestellten Handlungen nicht immer im Klaren. So können die Dateien den Eindruck vermitteln, dass die abgebildeten Jungen und Mädchen in ihrer Experimentierphase steckten und sich selbst filmten. Dabei handele es sich um Missbrauchsopfer.

Die Messenger-Dienste sind nach Angaben der Ermittler nicht das alleinige Verbreitungsmedium. Soziale Netzwerke, E-Mail und das Internet im Allgemeinen bieten weitere vielfältige Möglichkeiten, sich illegal kinder- und jugendpornographisches Material zu verschaffen, es weiterzugeben oder zu erhalten.

 

Die Verbreitung, der Erwerb sowie der Besitz von kinderpornografischen Inhalten stellt seit dem 1. Juli 2021 einen Verbrechenstatbestand dar. Das heißt, dass Personen, die einen der Tatbestände des Paragrafen 184b StGB erfüllt haben, mit einer Freiheitsstrafe vom einem bis zu zehn Jahren, im Falle mehrerer Verstöße sogar bis zu 15 Jahren rechnen müssen.

Die Polizei setzt bei der Bekämpfung dieses Handlungsfeldes nicht nur auf Ermittlungen zur Strafverfolgung, sondern versucht, zusammen mit ihren Partnern diesen Delikten verstärkt mit Prävention durch Aufklärung und die Sensibilisierung für das Thema zu begegnen.

Polizei rät: Bei Verdacht auf eigene Recherchen verzichten

Beim Verdacht auf Kinder- oder Jugendpornografie sollte sich jeder frühzeitig an seine örtliche Polizeidienststelle wenden und in jedem Fall auf eigene Recherchen verzichten. Nähere Informationen dazu finden sich auf der Internetseite www.polizei-beratung.de (Themen&Tipps/Sexualdelikte/Kinderpornografie). Dort sind weitere Verhaltenshinweise beim Verdacht auf kinderpornografische Inhalte beschrieben.