Weiterer Mann aus Klinikum am Weissenhof in Weinsberg geflüchtet

Weinsberg  Aus dem Zentrum für Psychiatrie des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg ist erneut eine untergebrachte Person geflüchtet.

Von unserer Redaktion und dpa
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Der geflohene Mann war in der offenen Station des Klinikums untergebracht, wie die Polizei mitteilt. Er verschwand am Samstagabend (09.10.). Weshalb der Mann am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) untergebracht war, ob von ihm eine Gefahr ausgeht und er eine Straftat begangen hat, kann die Polizei nicht sagen.

Bereits Samstagnacht hat die Polizei über Facebook von dem Ausbruch berichtet. Dort warnt sie, fremde Menschen in die Wohnung zu lassen und Anhalter mitzunehmen. Zu der Frage, weshalb die Allgemeinheit erst zwölf Stunden später informiert wurde, sagt eine Sprecherin: „Eine Pressemeldung wäre hilfreicher und optimaler gewesen.“

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Nach bisherigen Erkenntnissen besteht laut Polizei bei dem aktuellen Vorfall kein Zusammenhang mit einer Flucht aus dem geschlossenen Vollzug der Klinik vor gut zwei Wochen. Am 22. September waren vier Männer aus dem Maßregelvollzug des Klinikums ausgebrochen. Einer der Männer konnte gefasst werden, die drei weiteren Personen sind nach wie vor auf der Flucht

Polizei fahndet nach 40-Jährigem

Der am Samstagabend geflohene 40-Jährige ist etwa 166 Zentimeter groß, ungefähr 76 Kilogramm schwer und hat schwarze, nach hinten gegelte Haare.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet darum, keine Personen als Anhalter mitzunehmen. Bei der Fahndung am Samstagabend kam unter anderem ein Polizeihubschrauber zum Einsatz.

Zeugen, die Hinweise auf den beschriebenen Mann oder seinen Aufenthaltsort geben können, werden gebeten, sich über den Notruf 110 bei der Polizei zu melden.

Rückblick: Ausbruch der vier Männer war filmreif 

Der spektakuläre Ausbruch der vier Männer hatte politischen Streit in Baden-Württemberg ausgelöst. Die SPD-Fraktion im Landtag verlangte, die landesweit fünf Maßregelvollzugsanstalten zu überprüfen, da es Sicherheitsrisiken gebe. Sozialminister Manne Lucha kündigte im Interview mit unserer Redaktion an, den Maßregelvollzug stärken zu wollen.

Patienten flüchten immer wieder aus Psychiatrien. Im vergangenen Jahr gab es in Baden-Württemberg nach früheren Angaben des Gesundheitsministeriums 47 solcher Fälle. Bei 1252 Patienten landesweit sei das ein Anteil unter 4 Prozent. In den geschlossenen Bereichen aller Kliniken im Südwesten prüften Sicherheitsbeauftragte die Vorkehrungen gegen Fluchtversuche regelmäßig.

Die Flucht der vier Männer vor gut zwei Wochen war filmreif gewesen. Mit einem schweren Beistelltisch drückten sie die Panzerglasscheibe des Flurfensters aus dem Rahmen. Danach seilten sie sich an aneinander geknoteten Leintüchern ab. Videoaufzeichnungen belegen, dass sich das innerhalb von weniger als 30 Sekunden abgespielt hat. Bei den Männern stand der Abbruch der Therapie bevor. Dies bedeutet, dass sie ins Gefängnis zurückgeschickt worden wären.