Polizei kontrolliert getunte Autos

Heilbronn  Vom schnittigen Ferrari bis zum stilvollen Ford Mustang ist alles dabei. Die Polizei prüft am Freitag bis spät in die Nacht 30 modifizierte Autos. Die meisten Fahrer zeigen Verständnis, einigen steht die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Drei Autofahrer müssen ihren Wagen stehen lassen.

Email

„Im ersten Moment habe ich schon gedacht, hoffentlich habe ich nichts falsch gemacht“, sagt Marlon Streng. Der 23-Jährige steht beim Betriebshof der Stadt Heilbronn in der Austraße neben seinem zwölf Jahre alten BMW. Der ist äußerlich top gepflegt. Keine Macke, kein Kratzer. Der blaue Lack glänzt, als sei der Wagen frisch poliert worden. Auf dem Betriebshof hat die Polizei ihre Prüfstelle eingerichtet. Rot-weißes Absperrband markiert die provisorisch eingerichteten Parkbuchten.

Uwe Engelhardt von der Verkehrspolizeiinspektion des Heilbronner Präsidiums und sein Kollege Björn Brosig lassen sich Führer- und Fahrzeugschein zeigen.  „Das Fahrwerk ist verändert“, sagt Brosig. Das erkennt man am geringen Abstand zwischen Hinterreifen und Kotflügel. Stimmt, räumt der junge Mann sofort ein. Entscheidend ist:  Marlon Streng hat diese Veränderungen vom Tüv prüfen und in den Fahrzeugschein eintragen lassen. Alles korrekt. 

Tuning regelkonform

Der Mosbacher ist erleichtert. Für die Kontrolle der Polizei hat er Verständnis. „Es muss regelkonform sein.“ Dass Bürger sich über zu laute Autos, deren Fahrer sich womöglich noch Rennen liefern, aufregen, kann der junge Mann nachvollziehen. „Ich habe selbst ältere Leute in der Verwandtschaft, andere haben kleine Kinder in der Familie, die wach werden“, sagt Streng. 

Zunehmend fühlen sich Menschen vom Autolärm belästigt. Die Erfahrung macht Klaus Auer, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion. „Die Leute sind sensibler geworden“, nennt er einen Grund. Durch die Corona-Pandemie, meint Polizeisprecher Frank Belz, seien sie auch mehr zu Hause und der Lärm falle ihnen stärker auf. Deshalb fährt die Polizei die Zahl der Kontrollen hoch. Des Phänomens Herr zu werden, bleibt dennoch schwierig. „Wir können nur Nadelstiche setzen“, sagt Auer.

„Beschwerden über Autoposer kommen vermehrt von Bürgern aus der nördlichen Innenstadt“, teilt Rathaussprecher Christian Britzke auf Stimme-Anfrage mit. Diese berichteten von zu lauten Fahrzeugen, teilweise auch von nächtlichen Autorennen im Bereich Mannheimer und Weinsberger Straße. Ergänzend zu den jüngsten Aktionen der Polizei habe das Ordnungsamt die Geschwindigkeitskontrollen in den betreffenden Bereichen intensiviert. „Verstärkte Kontrollen zu Nachtzeiten fanden - auch unter Einsatz des Enforcement-Trailers – unter anderem in der Gerberstraße und der Lammgasse statt."

Polizei spürt Autos im Stadtgebiet auf und lotst sie zur Kontrollstelle 

In den ersten drei Stunden der Kontrolle am Freitag nimmt die Polizei zehn Autos in Augenschein. Noch verlaufe die Aktion ruhig, meint der Leiter der Verkehrspolizeiinspektion. Gegen 20 Uhr werde die Zahl der Autos an der Kontrollstelle zunehmen, ist er sicher. Drei Streifen sind in der Stadt unterwegs. Die Beamten achten beispielsweise auf die Auspuffanlagen, sie hören, ob ein Fahrzeug besonders laut ist. Ist das der Fall, lotsen die Streifen die betreffenden Fahrer zur Kontrollstelle in der Austraße. 

Gerade biegt ein besonders lautes Auto auf den Betriebshof ein. Ein Ford Mustang Coupé, liebevoll restauriert. Es ist Benjamin Blinds erste Fahrzeugkontrolle, wie er sagt. Als „völlig entspannt“ bezeichnet er das Auftreten der Polizisten. Sein Mustang sei Baujahr 1966. Mit V8-Motor. Katalysator? Gibt es nicht. Servolenkung hat er nicht. Ja, das Fahrzeug ist laut, aber das sei halt bei dem Oldtimer so, erklärt Blind, nachdem die Polizisten das Auto getestet und als ordnungsgemäß eingestuft haben.

Die Lautstärke des Mustang sei eigentlich kein Problem für andere, so Blinds Erfahrung. Im Gegenteil. Ältere Leute würden das Fahrzeug aus ihrer Kindheit kennen und interessierten sich für das Modell. Interesse an den verschiedenen Autos zeigen auch die Beamten. Da wird schnell mal gefachsimpelt, die Vorliebe zu diesem oder jenem Modell erörtert. Das nimmt der Kontrollsituation die Schärfe, ohne dass die Arbeit vernachlässigt wird. 

Zwischen gelassen und mürrisch

Für Aufsehen sorgt beispielsweise der Dodge von Martin Derr aus Flein.  Der 41-Jährige steht auf US-amerikanische Autos. Den Dodge habe er für etwa 20.000 Euro nach Deutschland importiert. Der Tüv habe ihm gesagt, welche Änderungen er an dem Fahrzeug vornehmen müsse, damit er damit in Deutschland auf die Straße darf. „Ich werde häufiger kontrolliert“, sagt Derr. Er habe dabei aber noch nie schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht.

Nicht jeder Autofahrer reagiert gelassen auf die Kontrolle. „Ich will nicht gefilmt werden“, faucht einer. Ein Fernsehteam des SWR ist vor Ort und macht eine Reportage. Mürrisch reicht er die Papiere an die Polizisten weiter.

Polizei moniert technische Mängel

Für die Fahrer eines BMW 320, eines BMW 335 und eines Fiat 500 Abarth heißt es an der Kontrolle Fahrtende. Erhebliche technische Mängel an den Fahrzeugen führen zu deren Sicherstellung, so das Ergebnis der Polizeiaktion. Die drei Wagen sollen am Samstagmorgen von einem Gutachter unter die Lupe genommen werden.

An weiteren sieben Autos ist die Betriebserlaubnis erloschen. Die Wagen haben technische Mängel oder sind zu laut. „Erfreulich aus polizeilicher Sicht war die hohe Anzahl von überprüften Fahrzeugen, die keine Mängel aufwiesen, obwohl sie technische Veränderungen hatten“, teilt die Polizei später in einer Presseerklärung mit.


Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.