Feuerwehr-Großeinsatz nach Gewässer-Verunreinigung in Möckmühl

Möckmühl  In Möckmühl ist am Mittwochmorgen vom Gelände der Firma Texon flüssiges Latex in die Seckach gelaufen. Am Abend floss die Farbe in die Jagst und färbte auch diese weiß ein.

Email

Der Fachberater Chemie von der Feuerwehr, Vertreter der Unteren Wasserbehörde und des Regierungspräsidiums sowie die Polizei waren den ganzen Tag über vor Ort. Nach ersten Informationen sollen etwa 25 Liter flüssiges Latex in die Seckach geraten sein. Später ist von 50 Litern die Rede.

Die Ursache für den Vorfall ist inzwischen bekannt. Wie die Polizei mitteilte, sei gegen 9.30 Uhr das flüssige Latex ausgelaufen, als von einem Tanklaster ein Tank der Firma Texon auf dem Betriebsgelände mit der Substanz befüllt werden sollte. Dabei sei der Behälter übergelaufen, heißt es weiter. Texon ist eine Spezialsohlenfabrik und befindet sich außerhalb von Möckmühl in Richtung Roigheim.

"Wir werden den Vorfall genau untersuchen", sagt Jochen Riescher, Qualitätsmanager von Texon. Er habe um 9.59 Uhr die Feuerwehr verständigt, nachdem er davon erfahren hatte. "Die Mitarbeiter unserer Firma sind intensiv darauf geschult, auf mögliche Umweltbeeinträchtigungen zu achten", so Riescher weiter.

Verunreinigung ist schwer aufzuhalten

Am Nachmittag gelangte das verunreinigte Wasser von der Seckach in die Jagst. Foto: Uwe Thoma/Feuerwehr Möckmühl

Einer ersten Einschätzung der Polizei zufolge könnte die Verunreinig weniger bedenklich für den Fluss sein als zunächst angenommen. Im näheren Bereich um die Firma Texon herum sieht das Wasser leicht türkisblau und weißlich gefärbt aus. Vermutlich werde das Latex nicht aufzuhalten sein und auch in die Jagst fließen und diese teilweise weiß einfärben, sagte Manfred Körner, Sprecher des Heilbronner Landratsamts, am Mittag.

Konkret handelt es sich bei der Substanz nach Recherchen unserer Zeitung um „Litex S 76M10“. Laut Sicherheitsdatenblatt der entsprechenden EU-Verordnung gilt diese als nicht gefährlich, aber "schwach wassergefährdend".

Wie Polizeisprecher Carsten Diemer mitteilt, seien Ermittler vor Ort und es werde geprüft, ob Fahrlässigkeit zum Unfall beigetragen haben könnte. In erster Linie sei die Arbeit vor Ort aber Sache der Feuerwehr, die versuche, dass Latex aus dem Gewässer zu entfernen. Dieses Vorhaben ist nach Angaben von Feuerwehrleuten allerdings alles andere als einfach. Jochen Riescher von Texon erklärt, dass das Latex bereits zu 70 Prozent mit Wasser vermengt war, als es in die Seckach gelangte.

Latex: biologisch schwer abbaubar, aber nicht giftig für Fische

Landratsamt-Sprecher Körner geht nach jetzigem Stand davon aus, dass die Gewässer-Verunreinigung für die Umwelt eher unbedenklich sein dürfte und nur die optische Veränderung auffalle. Das Latex sei biologisch schwer abbaubar, es sei aber nicht giftig für Fische und bislang sei kein Fischsterben festgestellt worden, so Körner. 

Nach Angaben von Texon soll nun eine Spezialfirma die Rohrreinigung übernehmen. Die Restflüssigkeit soll abgepumpt werden. Es fließe aktuell kein Latex mehr in die Seckach, sagt Jochen Riescher. Das Leck müsse nun gefunden werden, eventuell werde ein Roboter in den Rohren eingesetzt.

 

Gewässerverunreinigungen in der Region

In der Vergangenheit hatten Gewässerverunreinigungen in der Region zu großen Schäden geführt. Im August 2015 war giftiges Ammoniumnitrat mit Löschwasser in die Jagst geraten und hatte eine Umweltkatastrophe ausgelöst. Im April 2019 sind in der Schozach zwischen Ilsfeld und Talheim zahlreiche Fische und Enten verendet. Eine Chemikalie war bei einem Arbeitsunfall auf einem Firmengelände über den Gruppenbach in den Fluss gelangt. 


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.