Ermittler nehmen Hintermänner von falschen Polizisten in der Türkei fest

Heilbronn/Izmir  Der Heilbronner Kriminalpolizei ist in internationaler Zusammenarbeit ein großer Schlag gegen Trickbetrüger gelungen, die die Masche der falschen Polizisten angewandt hatten. Die Hintermänner der Bande wurden in Izmir in der Türkei festgenommen.

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Der Heilbronner Kripo ist in Zusammenarbeit mit weiteren Polizeidienststellen und der türkischen Polizei ein Schlag gegen eine internationale Bande von Betrügern gelungen. Die Kriminellen spezialisierten sich darauf, mit der Masche "Falsche Polizisten" an Geld und Besitz von älteren Privatleuten zu gelangen. Bei einer Razzia in Izmir in der Türkei sind nach Angaben der Polizei jetzt 31 Tatverdächtige festgenommen worden.

Wie die Heilbronner Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag gemeinsam mitteilen, haben falsche Polizisten, die im Auftrag dieser Bande agierten, in den vergangenen Jahren allein im Raum Heilbronn einen Schaden von rund 300.000 Euro angerichtet. Bundesweit beläuft sich die Summe auf knapp eine Million Euro.

16 vollendete Straftaten konnten den Betrügern von der Heilbronner Ermittlungsgruppe "Flic" nachgewiesen werden, acht Beschuldigte wurden bis jetzt ermittelt. Die große, ungelöste Frage im Raum war aber stets: Wer sind die Hintermänner und wo stecken sie?

In Zusammenarbeit mit der Polizei München und dem Landeskriminalamt Düsseldorf fanden die Heilbronner Ermittler heraus, dass die Hintermänner der falschen Polizisten von mehreren europäischen Ländern aus agierten. Und die Call-Center, von denen aus die Betrugsanrufe veranlasst und gesteuert wurden, befinden sich in der Türkei. Wie die Heilbronner Polizei weiter mitteilt, haben die dortigen Behörden den jüngsten Einsatz initiiert. Dabei wurden sie von Ermittlern aus Deutschland unterstützt.

Überörtliche Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Die Freude im Präsidium Heilbronn ist groß. "Von Anfang an war es mir wichtig, an die Hintermänner und Callcenter im Ausland zu kommen", sagt Polizeipräsident Hans Becker. Das sei nur durch überörtliche Zusammenarbeit möglich geworden. Die Kooperation mit der Polizei München und den türkischen Behörden sei neben den Ermittlungen der Heilbronner Kollegen der Schlüssel zum Erfolg gewesen.

Führende Köpfe der Betrügerbande sind türkischen Medienberichten zufolge unter den nun Verhafteten. 48 Wohnungen und Geschäftsräume seien durchsucht worden. "Dabei sind Bargeld in Höhe von 1,5 Millionen Euro und 200.000 US-Dollar sowie fünf Kilogramm Gold, mehrere Armbanduhren und illegale Schusswaffen sichergestellt worden", teilen Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Ebenfalls sollen die türkischen Behörden Fahrzeuge, Firmenanteile und Immobilien beschlagnahmt haben. Türkische Medien benennen einen Vermögenswert von 50 Millionen Euro.

Strafverfolgung geschieht auch im Ausland

Aktuell ist am Landgericht Heilbronn ein weiteres Mitglied der Betrügerbande angeklagt. Die Beschuldigte sei nach Beginn der Ermittlungen für nahezu ein Jahr im Ausland untergetaucht, schildert die Polizei. "Schließlich konnte sie in Bulgarien festgenommen und an die deutschen Behörden überstellt werden." Bei den Taten und auch auf der Flucht sei sie teilweise von ihrer ebenfalls angeklagten Mutter unterstützt worden.

Als exemplarisch für das Vorgehen der Kriminellen bezeichnet die Heilbronner Polizei einen Fall, der von den Ermittlern im süddeutschen Raum aufgeklärt wurde. Eine Seniorin sei über fast drei Monate hinweg von den Betrügern kontaktiert und dazu gebracht worden, den Tätern insgesamt fünf Kilo Gold auszuhändigen - im Glauben, es handle sich bei ihnen um echte Polizisten. Die Betrüger versicherten der Seniorin mit einem gefälschten Schreiben des Bundeskriminalamts, dass ihr Vorgehen der Sicherstellung ihres persönlichen Besitzes diene.

Ältere Menschen werden von sogenannten falschen Polizisten immer wieder um ihren Besitz gebracht. Seit 2016 häufen sich diese Betrugsfälle, die am Telefon beginnen und mit Entsetzen enden. Nach Angaben der Heilbronner Polizei wurden im Jahr 2017 mehr als 1950 Fälle mit falschen Polizisten angezeigt. 2018 seien es bereits mehr als 7250 Fälle gewesen, was einem Anstieg von 270 Prozent entspreche. Allein in Baden-Württemberg sei ein Schaden von zirka 6,8 Millionen Euro entstanden.

 

 


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.