Durchsuchungen bei zwölf Heranwachsenden wegen Kinderpornografie

Heilbronn/Region  Die Polizei hat am Mittwoch mehrere Wohnungen in der Stadt und im Landkreis Heilbronn durchsucht. Zwölf Menschen zwischen 18 und 21 Jahren werden beschuldigt, kinderpornografische Videos versendet oder erhalten zu haben.

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Wie das Polizeipräsidium Heilbronn und die Staatsanwaltschaft mitteilen, wurde im Frühjahr die Ermittlungsgruppe Hydra beim Polizeipräsidium Heilbronn eingerichtet. Ziel: Kinder- und Jugendpornografie einzudämmen. In einem Ermittlungsverfahren wurden nun zwölf Menschen identifiziert, die in einer Chatgruppe kinderpornographische Videos versendet oder erhalten haben sollen. Am Mittwoch wurden mehrere Wohnungen im Stadt- und Landkreis Heilbronn durchsucht und Beweismittel gesichert. "Es ist unser Anspruch und unsere Aufgabe, der Verbreitung von Kinder- und Jugendpornographie Einhalt zu gebieten", sagte Kripo-Chef Thomas Schöllhammer. Die Ermittlungen dauerten an.  

Große Datenmengen müssen ausgewertet werden

Hintergrund der Ermittlungen sind große Mengen von Daten, welche die Polizei auswertet. Wie die Polizei Heilbronn mitteilt, übermittelt die US-amerikanische Nichtregierungsorganisation National Centre for Missing and Exploited Children (NCMEC) dem Bundeskriminalamt (BKA) im Jahr etwa 70.000 Hinweise auf Kinderpornografie oder Missbrauchsabbildungen im Internet, die Bezüge zu Deutschland aufweisen. Diese Daten gibt das BKA an die Polizeipräsidien im Land zur Auswertung.

Besonders in Messenger-Gruppen  wie Whatsapp oder Telegram werden laut Polizei häufig kinder- und jugendpornographische Inhalte ausgetauscht und mit einem großen Personenkreis geteilt. Dabei machen sich auch Menschen strafbar, die in solchen Gruppen in den Besitz verbotener Dateien kommen, selbst wenn sie selbst nicht aktiv an der Verbreitung beteiligt sind. "Allein schon der Besitz auf dem Handy ist strafbar", sagt Gerald Olma, Sprecher des Heilbronner Präsidiums. Das sei vielen nicht bewusst.

 

Das Heilbronner Polizeipräsidium verweist auf Stimme-Nachfrage auf eine Pressemitteilung des Bundeskriminalamts vom Herbst 2019. Demnach werden in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und Snapchat Videos, Bilder oder Links vervielfacht weitergeleitet. Dabei sei immer häufiger zu beobachten, dass Dateien vermutlich nicht aus pädosexuellen Motiven weitergeleitet werden, sondern dass vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in einer Vielzahl von Fällen Videos an ihre Kontakte und Kontaktgruppen weiterleiten, ohne sich offenbar ausreichende Gedanken über den kinderpornografischen Charakter der geteilten Dateien zu machen.

Häufig seien in diesen Videos Handlungen von Kindern zu sehen, die objektiv dem Bereich der Kinderpornografie zuzurechnen seien. Diese erweckten jedoch den Eindruck, als seien die Kinder in ihrer sexuellen Experimentier- und Entdeckungsphase gefilmt worden. Hierunter befänden sich auch Videodateien, in denen sich Kinder augenscheinlich selbst bei gegenseitigen Sexualpraktiken filmten. Die gezeigten Personen werden laut BKA durch die Verbreitung immer wieder Opfer von Verbreitung von Kinderpornografie. Aus welchen Motiven sie erfolgten, sei dabei unerheblich. "Im schlimmsten Fall handelt es sich um Missbrauchsopfer, die durch die Weiterleitung wieder und wieder viktimisiert werden."


Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.