Sportheim in Gundelsheim-Tiefenbach brennt komplett aus

Gundelsheim  Ein verheerendes Feuer hat in der Nacht zum Samstag das Vereinsheim der Sportfreunde Tiefenbach zerstört. Die Löscharbeiten dauerten bis zum frühen Morgen. Vereinsmitglieder zeigten sich fassungslos. Wie geht es jetzt weiter?

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Gegen 22.28 Uhr ging der Alarm los. Gemeldet wurde der Feuerwehr eine starke Rauchentwicklung, sagte Tobias Gärtner, Kommandant der Gundelsheimer Feuerwehr. Auf der Anfahrt sahen die Einsatzkräfte den hellen Feuerschein über dem Sportheim. „Wir haben sofort nachalarmiert“, so Gärtner weiter. Am Ende waren 92 Einsatzkräfte der Wehren Gundelsheim, Bad Friedrichshall, Neckarsulm und Heilbronn an den Löscharbeiten beteiligt. Das Deutsche Rote Kreuz war mit zwölf Helfern vor Ort. 

Bereits bei der Ankunft der ersten Einsatzkräfte brannte der Dachstuhl des Sportheims und dessen Anbaus lichterloh. Laut Tobias Gärtner verhinderten die Feuerwehrleute ein Übergreifen der Flammen auf den benachbarten Wald. Erste Bäume waren bereits in Brand geraten. „Das konnten wir rasch eindämmen“, sagte Gärtner. Der Kampf gegen die Flammen, die im Sportheim wüteten, gestaltete sich langwieriger.

Als problematisch erwies sich die Wasserversorgung. Das Sportheim liegt etwas außerhalb des Ortes auf einer Anhöhe. Schläuche wurden vom Ort bis hoch zum Sportplatz gelegt. Löschwasser bezogen die Einsatzkräfte außerdem von einem Fischteich in der Nähe. Zudem waren die Feuerwehren aus Neckarsulm und Heilbronn mit Wassertanks angerückt. Ein kleiner Hochbehälter direkt beim Sportheim nützte angesichts des Großbrands nichts, sagte Gärtner.

Weil eine Stromleitung direkt über dem Sportheim verläuft, wurde der Strom in Teilen von Tiefenbach für etwa eine Stunde abgestellt. Auch Fachberater des Technischen Hilfswerks kamen laut Gärtner zum Brandort. „Das Gebäude ist einsturzgefährdet.“ Verletzt wurde nach Angaben der Polizei niemand. Die Brandursache ist ungeklärt. Der Kriminaldauerdienst der Polizei nahm die Ermittlungen auf.

Bürger sind entsetzt

Fassungslosigkeit herrschte bei Mitgliedern der Tiefenbacher Sportfreunde, die das Niederbrennen ihres Sportheims in der Nacht mit ansahen. „Ich muss das erst einmal verkraften“, sagte Ortsvorsteher Eberhard Ziegler, er ist Schriftführer des Vereins. Sein Vater Alfons Ziegler war von 1961 an fast 30 Jahre lang Vorsitzender der Sportfreunde. „Ich war schon als Kind hier“, sagte Eberhard Ziegler. Was die Zerstörung für den Gundelsheimer Stadtteil Tiefenbach bedeutet, lasse sich noch gar nicht einschätzen.

Gewiss ist, dass das Sportheim für das Miteinander im Ort eine wesentliche Rolle spielte. Etwa 450 Mitglieder zählt der Verein. Es gibt Kinderturnen, Gymnastik, Fußball, Tennis, Wandern und Theaterspiel. Am heutigen Samstagabend sollte sich ein letztes Mal der Vorhang heben für die Komödie „Neurosen und Narzissen“. Daraus wird nun nichts. In einer Woche sollte die Kinder- und Jugendweihnachtsfeier vonstattengehen. Ob und wo diese nun stattfinden kann, ist völlig unklar. Die Sportfreunde haben kein Zuhause mehr. Jetzt kommt es auf die Unterstützung von außen an.

Im abgebrannten Sportheim stecken Erinnerungen. Familienfeste und Polterabende wurden dort gefeiert. Viele haben ihre Jugend dort verbracht und engagieren sich heute als Erwachsene für den Verein. Pokale, alte Fotos – alles ging in Flammen auf. Ganz zu schweigen von den vielen Stunden Arbeit, die die Tiefenbacher Sportfreunde in ihr Vereinsheim gesteckt haben. Den Umbau Anfang der 90er-Jahre vollzogen sie in Eigenleistung. „Da steckt viel Herzblut drin“, meinte ein Ausschussmitglied. Die Sportfreunde feiern dieses Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Ihr Sportheim, das fast genauso alt ist, wurde in wenigen Stunden zunichtegemacht.

Fragen am Morgen danach

Am Samstagvormittag zeigte sich das ganze Ausmaß der Zerstörung. Das Gebälk ist schwarz, verkohlt; die Dachziegel kaputt. Die Außenwände stehen noch. Absperrgitter sollen verhindern, dass sich Menschen dem maroden Sportheim nähern. Vor der Brandruine sammelten sich Vereinsmitglieder und betroffene Tiefenbacher. Sie rätselten, wie das Feuer entstanden sein könnte. Es steht die Frage im Raum, wie es nun weitergehen soll. Wird es einen Neubau geben? Und wenn ja, ist der bisherige Standort dann noch der richtige? Wer schlecht zu Fuß ist, ältere Bürger beispielsweise, scheuten mitunter den Gang auf die Anhöhe außerhalb des Orts, sagten einige der umstehenden Menschen.

"Wir haben bis 9 Uhr mit den Glutnestern gekämpft", sagte Erhard Gurt, Abteilungskommandant der Tiefenbacher Wehr. Er kündigte an, dass die Feuerwehr bis Sonntagmittag stündlich vorbeischauen werde, um den Brandort zu kontrollieren. Viele Feuerwehrleute waren seit mehr als 24 Stunden auf den Beinen. Nach 11 Uhr rückten die letzten Einsatzkräfte ab.


Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.