Seniorin überreicht falschen Polizisten Gold im Wert von 140.000 Euro

Heilbronn  Falsche Polizisten haben in Heilbronn Goldbarren im Wert von 140.000 Euro von einer älteren Dame ergaunert. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen und sucht Zeugen. Unterdessen warnt die Polizei vor diversen Betrugsmaschen.

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Goldpreis
Unsichere Zeiten: Weiterhin hoch ist die Nachfrage nach Gold.

Bereits am 9. Januar wurde eine 83-jährige Heilbronnerin zum ersten Mal von einem angeblichen Polizeibeamten angerufen, weil ein Raub stattgefunden habe. Bei einem der festgenommenen Täter habe man einen Zettel mit den Personalien der Seniorin gefunden. Dann fragte der Anrufer sein Opfer über deren Vermögen und ihre Bankdaten aus und warnte sie, weil die Polizei wisse, dass ein osteuropäischer Mitarbeiter ihrer Bank Geld von Kunden ins Ausland verschieben würde. Deshalb soll die 83-Jährige dringend Geld abheben und dafür Goldbarren kaufen.

Daraufhin bestellte die gutgläubige Frau drei Goldbarren in einem Wert von über 140.000 Euro, die sie eine Woche später abholen konnte. "Freundlicherweise" hatten der Anrufer und seine Helfer ihrem Opfer ein Taxi zur Verfügung gestellt. Die Goldbarren wurden dann in der Ringstraße in Heilbronn-Biberach einem etwa 30 Jahre alten Mann übergeben, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.

Die Betrogene sah am vergangenen Montag im Fernsehen eine Sendung, in der über Betrugsfälle mit falschen Polizeibeamten berichtet wurde und verständigte dann die "richtige" Polizei.

 

Wer kann Hinweise geben?

Der Geldabholer hat dunkles, volles, kurzes Haar und ist etwa 1,85 Meter groß. Er hat eine kräftige Figur mit einem Bauchansatz. Bei der Goldübergabe war er bekleidet mit einer dunkelgrauen Jacke und einer grauen Stoffhose. Insgesamt wirkte er gepflegt. Bei der Übergabe sagte er nichts. Der Anrufer sprach Hochdeutsch.

Für die Kriminalpolizei ist wichtig, ob jemand die Goldbarrenübergabe am späten Nachmittag des vergangenen Donnerstags in der Ringstraße in Heilbronn-Biberach beobachtet hat und nähere Angaben über ihn und ein eventuell benutztes Fahrzeug machen kann.

Hinweise nimmt die Kripo Heilbronn, Telefon 07131 104-4444, entgegen.

 

In diesem Zusammenhang warnt das Polizeipräsidium erneut vor Betrügern, die es insbesondere auf ältere Menschen abgesehen haben und immer wieder neue Versuche starten. Im Stadt- und Landkreis wurden in diesem Jahr bereits wieder über 40 Versuche angezeigt.

Ein Fall, bei dem zunächst Unbekannte am 6. Januar 24.000 Euro ergaunern konnten, ist inzwischen teilweise aufgeklärt. Tatverdächtig ist eine 30-Jährige, gegen die die Ermittlungen noch andauern.

Betrüger arbeiten mit unterschiedlichen Tricks

Unter Vorwänden, wie beispielsweise die Polizei habe Hinweise auf einen geplanten Einbruch, gelingt es den Betrügern immer wieder, ihren Opfern mittels geschickter Gesprächsführung glaubwürdig zu vermitteln, dass ihr Geld und ihre Wertsachen zuhause nicht sicher seien. Ein Polizist in Zivil werde vorbeikommen, um das gesamte Geld und sämtliche Wertsachen "in Sicherheit" zu bringen.

Ein anderer Vorwand ist, dass die Ersparnisse auf untergeschobenes Falschgeld überprüft bzw. Spuren gesichert werden müssten, ein Polizist komme vorbei und werde Geld beziehungsweise Wertsachen abholen.

Auch auf die Konten und Bankdepots ihrer Opfer haben es die Betrüger abgesehen. Unter dem Hinweis, die Bankmitarbeiter seien korrupt, sollen die Angerufenen ihre Konten und Bankdepots leeren und einem Unbekannten, der sich als Polizist ausgibt, übergeben.

Angerufene werden unter Druck gesetzt

Andere Betrugsopfer werden von der falschen Polizei dazu aufgefordert, per Western Union Geld ins Ausland zu überweisen, damit eine angebliche Betrügerbande festgenommen werden könne. Reagiert ein Opfer misstrauisch, wird es mit dem Hinweis, es behindere eine polizeiliche "Aktion", wenn es nicht mitmache, unter Druck gesetzt und eingeschüchtert. 

Besonders dreiste Täter gaben sich auch schon als Mitarbeiter des Bundeskriminalamts in "hochgeheimer Mission" aus. Hatten sich ihre Opfer bereits bei der richtigen Polizei gemeldet, weil sie misstrauisch geworden waren, kontaktierten die Täter ihr Opfer erneut, um es mit dem Hinweis, diese echte Polizei sei korrupt und würde die hochgeheime Operation des Bundeskriminalamts stören, zu verwirren. Dabei scheuten sich die Betrüger nicht, gefälschte Verpflichtungserklärungen zum Beispiel eines "informellen Mitarbeiters des Bundeskriminalamts" oder ähnliche Anschein-Dokumente zu verwenden, um ihr Opfer zu täuschen.

Neben den Anrufen wurden in jüngster Zeit sogar Haftbefehle verschickt mit der Aufforderung, die im Schreiben genannte Geldstrafe zu bezahlen, ansonsten drohe die Inhaftierung. 


Tipps der Polizei

  • Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge bitten.

  • Die Polizei ruft Sie niemals unter der Polizeinotruf-Nummer 110 an. Das tun nur Betrüger. Sind Sie sich unsicher, wählen Sie die Nummer 110. Benutzen Sie dabei aber nicht die Rückruftaste, da Sie sonst wieder bei den Betrügern landen. Sie können sich aber auch an das örtliche Polizeirevier wenden. Erzählen Sie den Beamten von den Anrufen. Am besten ist, wenn Sie die Nummer Ihrer örtlichen Polizeibehörde sowie die Notrufnummer 110 griffbereit am Telefon haben, damit Sie sie im Zweifelsfall selber wählen können.

  • Sprechen Sie am Telefon nie über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.

  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Geben Sie Betrügern keine Chance, legen Sie einfach den Hörer auf. Nur so werden Sie Betrüger los. Das ist keinesfalls unhöflich!

Auflegen sollten Sie, wenn:

  • Sie nicht sicher sind, wer anruft.

  • Sie der Anrufer nach persönlichen Daten und Ihren finanziellen Verhältnissen fragt, z.B. ob Sie Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände im Haus haben, das würde die richtige Polizei niemals tun.

  • Sie der Anrufer auffordert, Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände herauszugeben, bzw. Geld zu überweisen, insbesondere ins Ausland. - Sie der Anrufer unter Druck setzt.

  • Der Anrufer Sie dazu auffordert, zu Fremden Kontakt aufzunehmen, z.B. zu einem Boten, der Ihr Geld und Ihre Wertsachen mitnehmen soll.

Wer glaubt, Opfer eines Betrugs geworden zu sein, sollte sich sofort an die örtliche Polizeidienststelle wenden und Anzeige erstatten. Weitere Informationen und Präventionstipps gibt's unter www.polizei-beratung.de