Salzsäure-Unfall: Kein menschliches Versagen festgestellt

Bad Friedrichshall  Etwa 400 Liter Salzsäure waren am Donnerstagabend im Kochendorfer Salzbergwerk ausgetreten. Der schnellen Reaktion der Mitarbeiter ist es zu verdanken, dass nichts Schlimmeres passierte.

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Etwa 20 Mitarbeiter der Salzwerke AG und Feuerwehrleute wurden laut Rüther aber vorsorglich ärztlich untersucht. Foto: Ralf Seidel

„Der Mitarbeiter wusste sofort, was er zu tun hat, er hat super reagiert“, sagt Daniela Pflug, Pressesprecherin der Südwestdeutschen Salzwerke AG. Dies sei Glück im Unglück gewesen. Es habe sich gezeigt, dass der Notfallplan in der Praxis funktioniere. Der Plan schreibt genau vor, was bei speziellen Vorkommnissen zu tun ist.

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Der Mitarbeiter habe sofort den Schieber geschlossen, der die werkseigene Kanalisation von der öffentlichen abkoppelt. So verblieb die ausgetretene Säure im werkseigenen Kanalnetz. Nichts gelangte in Kocher oder Neckar. Die Feuerwehren aus Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Bad Rappenau und Lauffen waren zeitweise mit mehr als 100 Einsatzkräften vor Ort.

Bevölkerung wurde gewarnt

Die ätzende Flüssigkeit trat am Donnerstag gegen 21 Uhr in der Saline in Bad Friedrichshall-Kochendorf aus. Nach Angaben von Wolfgang Rüther, Vorstand der Salzwerke AG, war eine Leitung eines Salzsäurebehälters gerissen. „Die Ermittlungen vor Ort führten zum Ergebnis, dass keine strafbare Handlung vorlag“, teilt Rainer Köller, Sprecher des Heilbronner Polizeipräsidiums mit. Es habe weder Fahrlässigkeit noch Vorsatz vorgelegen. 

Eine Gefährdung der Bevölkerung bestand nach Angaben von Rüther und Polizei nicht. Vorsorglich hatte die Rettungsleitstelle die Bevölkerung informiert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Messungen der Feuerwehr ergaben, dass keine gefährlichen Gase in die Luft entwichen waren. Die Menschen im angrenzende Wohngebiet bei der Bergrat-Bilfinger-Straße seien nicht gefährdet gewesen. Noch in der Nacht wurde die Warnung wieder aufgehoben. Etwa 20 Bergwerksmitarbeiter und Feuerwehrleute seien vorsorglich ärztlich untersucht worden, sagt Rüther.

Zurück in den Produktionskreislauf

Die Salzsäure wird nach Angaben von Pressesprecherin Pflug im Produktionsprozess benötigt. Zur Salzgewinnung wird die Sole erhitzt. Das erforderliche Wasser müsse hohe Anforderungen erfüllen und gereinigt werden. Die Salzsäure werde zur Entsalzung des Wassers eingesetzt. Dies sei in etwa vergleichbar mit dem Enthärten von Wasser.

Die ausgetretene Salzsäure wurde in der eigenen Kanalisation aufgefangen und verdünnt. „Sie ist schon abgepumpt worden und geht jetzt wieder in unseren Produktionskreislauf.


Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.