Polizei stellt Drogen im Wert von mehr als 500.000 Euro sicher

Von unserer Redaktion

Heilbronn/Weinheim 

Rauschgiftermittler haben Drogen im Wert von einer halben Million Euro sichergestellt. Der Hauptverdächtige ist ein Mann aus dem Odenwald, der sich überwiegend in Heilbronn aufhielt. Sechs Verdächtige sitzen nun in Untersuchungshaft.

Heilbronner Rauschgiftermittler stellten Betäubungsmittel im Wert von einer halben Million Euro sicher. Foto: Polizei

Bereits Anfang des Jahres 2019 bekamen die Ermittler Hinweise, wonach mehrere Personen in großem Umfang überwiegend mit synthetischen Drogen im Stadt- und Landkreis Heilbronn Handel treiben sollen. Als Hauptverdächtiger konnte ein im hessischen Odenwaldgebiet lebender 44-Jähriger ermittelt werden. Wie sich herausstellte, hielt dieser sich überwiegend im Stadtgebiet Heilbronn auf.

Durch umfangreiche verdeckte Polizeimaßnahmen gelang es den Ermittlern, dessen Lieferanten, einen im Rhein-Neckar-Kreis wohnhaften 29-Jährigen zu identifizieren. Die Beschaffungswege der vorwiegend synthetischen Drogen konnten unter anderem durch den Einsatz eines verdeckten Ermittlers des Landeskriminalamts verifiziert werden. Sowohl der Lieferant, als auch der 44-Jährige konnten bei der Abwicklung eines größeren Rauschgiftgeschäfts in Weinheim, welches am 23. Mai im Umfeld eines dortigen Lebensmittelmarkts stattfand, beobachtet werden. Während dieser Übergabe nahm eine Spezialeinheit der Polizei die beiden Männer vorläufig fest.

Kiloweise Rauschgift und ein Drogenlabor

Im Rucksack des 44-Jährigen fanden die Beamten etwa ein Kilogramm Amphetamingemisch, 100 Gramm Haschisch, rund 100 Ecstasy-Tabletten und 10 Gramm Kokaingemisch. In einer Sporttasche befanden sich weitere 10 Kilogramm Amphetamingemisch.

Da durch die Observationsmaßnahmen bekannt war, wo der Lieferant das Rauschgift im Vorfeld der Übergabe geholt hatte, ordnete die zuständige Staatsanwaltschaft Mannheim die Durchsuchung dieses Gebäudes an. Im Hinterhof des Gebäudes befand sich ein von dem 29-Jährigen angemieteter Lagerraum. In diesem Raum wurden 23 Kilogramm Marihuana, rund 6 Kilogramm Haschisch, 500 Gramm Kokaingemisch, etwa 850 Gramm MDMA, 7300 Ecstasy-Tabletten, mehrere Liter Amphetaminöl sowie mehrere Liter einer Säure und sonstige Gegenstände aufgefunden, die zur Herstellung von Amphetamingemisch benötigt werden. Offenbar handelte es sich bei dem Lagerraum nicht nur um einen Rauschgiftbunker, sondern auch um ein Drogenlabor.

Bei weiteren Durchsuchungsmaßnahmen in einer Garage in Bensheim, Kreis Bergstraße, die ebenfalls dem 29-Jährigen gehörte, wurden weitere 1750 Gramm MDMA, etwa 3000 Ecstasy Tabletten, 700 Gramm Marihuana und 600 Gramm Haschisch aufgefunden.

Drogenversteck in Renault Twingo

Drogenversteck unter dem Sitz: Bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag zeigte die Polizei das Fahrzeug, in dem die Drogen entdeckt wurden. Foto: Heike Kinkopf

In Heppenheim fanden die Beamten auf einem öffentlichen Parkplatz einen Renault Twingo, den der 29-Jährige im Vorfeld mehrfach in Gebrauch hatte. Zudem gab es Hinweise, dass die Täter über ein professionelles Schmuggler- oder Bunkerfahrzeug verfügten. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei dem Renault um dieses Bunkerfahrzeug.

Das Versteck unter dem Beifahrersitz war mit einer elektronischen Verriegelung versehen. Diese Sicherung konnte nur durch eine ganz spezielle Vorgehensweise im Fahrzeug überwunden werden. Es beinhaltete weitere 620 Gramm Marihuana, 800 Gramm Amphetamingemisch und 20 Gramm Haschisch. 

Beide Männer seit Mai in Untersuchungshaft

Der Straßenverkaufswert der sichergestellten Betäubungsmittel liegt bei rund einer halben Million Euro. Beide Personen, sowohl der 44-Jährige als auch der 29-Jährige, wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaften Heilbronn und Mannheim am 24. Mai den zuständigen Haftrichtern bei den Amtsgerichten Heilbronn und Mannheim vorgeführt. Die Haftbefehle wurden erlassen. Beide befinden sich seither in Untersuchungshaft.

Weitere Verdächtige aus Bad Rappenau, Neckarsulm und Kreis Heilbronn

Im Stadt- und Landkreis Heilbronn verfügte das Duo über einen großen Abnehmerkreis. In Bad Rappenau wurde am 18. Juni im Zuge der Folgeermittlungen ein 31-Jähriger festgenommen. Dieser steht im Verdacht, seit Oktober 2018 in mehreren Einzelfällen insgesamt mehrere Kilogramm Amphetamin und Marihuana über einen Mittelsmann von dem 44-jährigen Hauptverdächtigen erworben zu haben, um es selbst weiterzuverkaufen. In dessen Wohnung fanden die Ermittler Kleinmengen Amphetamine und Methamphetamine, 25 Gramm psilocybinhaltige Pilze, eine kleine Menge Haschisch, 140 Gramm Marihuana und circa 85 Ecstasy-Pillen. Der 31-Jährige wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn am 19. Juni einem Haftrichter vorgeführt und sitzt ebenfalls in Untersuchungshaft.

Ein 31-Jähriger aus dem westlichen Landkreis Heilbronn sitzt nun, genau wie eine 22-Jährige aus Neckarsulm, ebenfalls in Untersuchungshaft. Beide wurden am 24. Juni in Neckarsulm festgenommen, nachdem sie gemeinsam die Wohnung der 22-Jährigen verlassen hatten. Beiden wird ebenfalls der schwunghafte Handel mit Marihuana und Amphetamin im Kilogrammbereich vorgeworfen. Ihre Betäubungsmittel bezogen sie ebenfalls von dem 44-jährigen Hauptverdächtigen.

Der Lebensgefährte der 22-Jährigen, ein 27-Jähriger, belieferte in vielen Einzelfällen den oben genannten 31-Jährigen aus Bad Rappenau mit Betäubungsmitteln, die er zuvor von dem 44-Jährigen erhalten hatte. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl erwirkt.

Bisher 30 Ermittlungsverfahren

Insgesamt wurden im Verfahrenskomplex mittlerweile sechs Haftbefehle beantragt. Der Arbeitsbereich Rauschgift bearbeitet bis dato über 30 Ermittlungsverfahren. Es ist damit zu rechnen, dass aufgrund der umfangreichen Auswerte- und Ermittlungsarbeit eine Vielzahl an weiteren Verfahren hinzukommen wird. Insbesondere im Stadt- und Landkreis Heilbronn verfügten die Festgenommenen über einen großen Kundenstamm.


Amphetamine gelten als synthetische Drogen und werden als aufputschendes Mittel verwendet. Insbesondere wegen des geringen Straßenverkaufspreises werden die Drogen, ähnlich wie die ebenfalls synthetisch hergestellten MDMA-haltigen Ecstasy-Tabletten, oftmals von jungen Menschen konsumiert. Der Konsum gilt als sehr gefährlich, da der Endkonsument regelmäßig nicht weiß, welche chemischen Substanzen er letztendlich konsumiert und wer diese auf welche Weise hergestellt hat. Die Kombination mit dem Konsum von Marihuana ist in diesen Kreisen keine Seltenheit, um der aufputschenden Wirkung des Amphetamins dämpfend entgegenzuwirken.