Neudenau: Polizei findet dritte Leiche in abgebranntem Haus

Neudenau  In einem Fachwerkhaus in der Neudenauer Hauptstraße ist am frühen Dienstagmorgen ein Brand ausgebrochen. Nach Informationen von Stimme.de haben Ermittler inzwischen - wie befürchtet - eine dritte Leiche gefunden.

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Zu einem Großbrand in der Ortsmitte Neudenaus ist es am Dienstag um kurz vor 6 Uhr gekommen. Wie die Polizei gegen 11.30 Uhr mitteilte, sind zwei Tote im Haus aufgefunden worden. Eine dritte Person wurde zu diesem Zeitpunkt vermisst. Am Abend fanden Ermittler nach Informationen unserer Redaktion eine dritte Leiche. Alle drei Leichname konnten inzwischen geborgen werden. Sie sollen in den nächsten Tagen obduziert werden - um die Identität und die Todesursache zu klären.

Über 120 Einsatzkräfte involviert

Um am Dienstag den Ermittlern und Einsatzkräften überhaupt Zutritt zu der Brandruine zu ermöglichen, rückte das Technische Hilfswerk mit schwerem Gerät an. Mittels einer Zwischendecke soll das Gebäude gestützt werden, erklärt Polizeisprecher Köller weiter.

Die Feuerwehr war mit einem großen Aufgebot aus Neudenau und seinen Teilorten, Bad Friedrichshall, Heilbronn und Möckmühl im Einsatz. Darüber hinaus rückten der medizinische Notdienst sowie die Polizei aus. Die Feuerwehr hat den Brand bereits seit 8 Uhr unter Kontrolle. Insgesamt waren rund 100 Feuerwehrleute, zwölf Polizeistreifen sowie sechs Rettungswagen mit 20 Einsatzkräften vor Ort. Bei dem historischen Gebäude handelt es sich um das Weinhaus "Zum Engel".

Aus den Nachbarhäusern wurden von den Einsatzkräften 13 Personen evakuiert und werden nun in einer Sammelstelle betreut.

Nach Angaben der Polizei hatte das Feuer bereits auf eines der Nachbarhäuser übergegriffen, konnte dort aber schnell gelöscht werden. Die Wohnräume der Nachbarhäuser seien bereits durchsucht worden - dort befinde sich niemand mehr.

Neudenau trauert um "Urgesteine"

In dem abgebrannten Fachwerkhaus wohnten ein 71-jähriger Schwerbehinderter, seine 69 Jahre alte Frau und ein 62-jähriger Freund des Paares. Das Ehepaar lebte im ersten Obergeschoss des Gebäudes, wo der Brand nach erster Einschätzung der Ermittler auch ausbrach. Ihr Freund hatte seinen Wohnbereich im Dachgeschoss. Die gefunden sterblichen Überreste befanden sich in separaten Räumen.

Das Weinhaus "Zum Engel" und seine Betreiber sind im Ort bekannt. Es war zuletzt kein richtiger Restaurantbetrieb mehr dort, sondern ein Getränkehandel und eine Art Stammtisch für Neudenauer. "Die Opfer sind Neudenauer Urgesteine", sagt Neudenaus Bürgermeister Manfred Hebeiß, der sich tief betroffen zeigte. Er sei bereits um 6 Uhr von der Polizei über das Geschehen informiert worden. Er sei froh über das kompetente Eingreifen der Feuerwehr, die ein Übergreifen des Brandes auf die weitere Altstadt verhindern konnte.

Wie eine Anwohnerin in der Hauptstraße berichtet, hatte die Tochter des Ehepaars, die ebenfalls nur wenige Meter vom Weinhaus entfernt wohnt, den Brand am frühen Morgen bemerkt und gemeldet.

Die Ermittlungen vor Ort und die Arbeiten von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk dauerten den ganzen Tag über an. Im zerstörten Gebäude sind Decken heruntergebrochen, so Polizeisprecher Köller. Über die Brandursache sei noch nichts bekannt. "Hinweise auf Brandstiftung gibt es keine", sagt Köller. Ein Sachverständiger des Landeskriminalamts werde nun den Brandort untersuchen, teilte die Heilbronner Staatsanwaltschaft am Dienstagnachmittag mit.

 

 

Landrat Detlef Piepenburg vor Ort

Am frühen Morgen war auch Landrat Detlef Piepenburg nach Neudenau gekommen. Er wollte sich einen ersten Eindruck über die laufenden Rettungsarbeiten verschaffen. Er sagte: "Bei aller Tragik, die sich abzeichnet, die Feuerwehr hat hier großartige Arbeit geleistet." Die Häuser stünden sehr dicht aufeinander und er sei froh, dass die Altstadt gesichert sei.

Auch die Bedeutung von Drehleitern für die Arbeit der Feuerwehr wird hier deutlich - ohne diese würden die Einsatzkräfte gar nicht richtig an den Brandort gelangen, sagt Polizeisprecher Rainer Köller.

Fachwerkhaus war denkmalgeschützt

Wie Gerd Schäfer, Sanierungsbeauftragter der Stadt Neudenau schildert, handelt es sich bei dem zerstörten Fachwerkgebäude um "ein sehr wertvolles Haus im Ensemble der Altstadt" aus dem Jahr 1701. Es sei denkmalgeschützt und wurde in zwei Phasen gebaut.

Außerdem sei bereits jetzt klar, dass trotz des enormen Schadens versucht werde, Teile des Hauses zu erhalten bei einem möglichen Wiederaufbau.

Nachdem der Brand gelöscht war, wurden ein Statiker und ein Baufachberater des THW herangeszogen. Mittlerweile sichern unterstützende Maßnahmen das marode Gebäude. Aktuell sei die Einsturzgefahr laut Polizeiangaben allerdings noch so hoch, dass auch die zwei gegenüberliegenden Gebäude vorsichtshalber evakuiert worden.

 


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.