Frau übergibt Silberbarren, Münzen und Bargeld an falsche Polizisten

Heilbronn  Falsche Polizisten haben erneut in Heilbronn zugeschlagen. Über mehrere Stunden wurde eine 84-jährige Frau derart massiv telefonisch unter Druck gesetzt, bis sie schließlich zur Bank ging, Geld und Silber im Wert von über 60.000 Euro abholte und an die Betrüger übergab.

Von unserer Redaktion
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Ein vermeintlicher Verwandter bat die Frau telefonisch um finanzielle Unterstützung für einen Wohnungskauf. Unmittelbar nach diesem Anruf meldete sich ein angeblicher Mitarbeiter vom Landeskriminalamt. Die Anrufer stellten den "Verwandten" als Betrüger dar und forderten die Dame auf, sich als Lockvogel einzusetzen. Der telefonische Druck auf die Frau wurde sowohl am Festnetz- als auch am Mobiltelefon aufrecht gehalten.

Die Frau ging dann zu einer Heilbronner Bank und hob dort eine Hohe Bargeldsumme ab. Da es zur verzögerten Auszahlung kam, ging sie zunächst zu einer anderen Bank und holte aus ihrem Schließfach mehrere Silberbarren und -münzen. Anschließend wurde ihr das Bargeld in der Bank ausgehändigt. 

Unter dem Vorwand, dass die Täter ihr folgen würden, lockten die Betrüger die Frau zunächst zu einem Heilbronner Hotel und anschließend zur Adolf-Cluss-Brücke. Auf der kleinen Insel zwischen Untere Neckarstraße und Experimenta-Platz musste die Frau ihre mitgeführte rote Einkaufstasche neben einem Mülleimer abstellen. Sie wurde auf dem Weg dorthin weiter massiv telefonisch unter Druck gesetzt. Nachdem die Frau dies getan hatte wurde sie aufgefordert zu ihrem Sohn zu fahren, was sie auch tat. Dort flog der Schwindel schließlich auf und wurde zur Anzeige gebracht, wie die Polizei Heilbronn am Freitag mitteilte. Die Polizei hatte erst am Donnerstag vor dieser neuen Betrugsmasche gewarnt.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei bittet Zeugen, die am belebten Inselbereich zwischen Unterer Neckarstraße und Experimenta-Platz am Donnerstagnachmittag eine ältere Frau beobachten konnten, die eine rote Tasche an einem Mülleimer deponierte und möglicherweise in der Folge Personen sahen, die die Tasche wieder dort wegnahmen, sich bei der Kriminalpolizei in Heilbronn, Telefon 07131 104 4444, zu melden.

„Banken können grundlegend die Auszahlung von Bargeld an Berechtigte nicht verwehren, aber durch Rückfragen und Plausibilitätsprüfungen der Umsätze die Kunden präventiv bedienen“, teilt Volksbank-Sprecher Sascha Straub auf Stimme-Anfrage mit. Mitarbeiter würden in Schulungen für diese Themen sensibilisiert. Die Frage, warum es trotzdem nicht gelingt, derartige Taten zu verhindern, bleibt unbeantwortet. „In vielen Fällen fruchtet es ja“, sagt Frank Belz, Sprecher des Heilbronner Polizeipräsidiums. Die Polizei leiste viel Präventionsarbeit, auch in Altenheimen und für Taxi-Fahrer. Es handele sich um Einzelfälle, in denen die Täter mit ihrer Masche erfolgreich seien.   

Erst vor wenigen Wochen wurde eine 83-jährige Heilbronnerin Opfer von falschen Polizisten. Die gutgläubige Frau übergab den Tätern drei Goldbarren im Wert von über 140.000 Euro.