Flüchtiger Patient war möglicherweise auf anderer Station

Von Adrian Hoffmann

Weinsberg  Der am Donnerstag aus einer Klinik geflohene Gewalttäter ist wieder auf der Station, aus der er entflohen war. Nach Informationen der Heilbronner Stimme gab er an, sich den Tag über in einer anderen Station auf dem Gelände des Klinikums aufgehalten zu haben.

Der Maßregelvollzug in Weinsberg.Foto: Berger

Ob die Angaben des Mannes der Wahrheit entsprechen, ist allerdings laut Einschätzung von Polizeisprecher Carsten Diemer noch unklar. Im Moment sei die treffendste Aussage dazu, „dass wir es schlicht und ergreifend noch nicht wissen, wo er war“.

Die Polizei hatte den ganzen Tag über mit einem größeren Aufgebot nach dem Mann gesucht.Wie die Polizei in der Nacht auf Freitag mitteilte, wurde der 52-Jährige am Abend von einem Mitarbeiter auf dem Gelände der Klinik erkannt und ohne Widerstand auf seine Station gebracht.

Wie Diemer mitteilte, hatten den Tag über auch Kräfte der Feuerwehr im Klinikum nach dem wegen Gewaltdelikten verurteilten Flüchtigen gesucht. Man suche natürlich nicht nur auf dem Gelände, wenn ein Verdacht bestehe, dass der flüchtige Patient sich auch dort aufhalten könnte. Es könne trotzdem sein, dass er außerhalb unterwegs sei. Es habe ja auch eindeutige Hinweise auf Flucht gegeben, so Diemer weiter. „Der Mann wurde gesehen, wie er über einen hüfthohen Zaun kletterte.“ Übrigens in Socken.

Dieser Maschendrahtzaun grenzt die Station ab, in der sich der Mann befand. Sie wird als geschlossen bezeichnet, bietet aber die Möglichkeit eines Aufenthalts im angrenzenden Garten. Dort befindet sich der Zaun.
Der Geflohene leistete nach Angaben der Polizei keinen Widerstand und wurde im Beisein von Polizisten wieder auf seiner Station untergebracht. Zweifel an der Version des Flüchtigen, er sei bloß auf einer anderen Station gewesen, sind laut Diemer grundsätzlich auch deshalb angebracht, weil das Motiv des Mannes mit einer solchen Aussage eine Strafmilderung für eine Flucht sein könnte.

Minister fordert sichere Unterbringung

Nach dem Vorfall in Weinsberg sieht Landessozialminister Manne Lucha (Grüne), dessen Ministerium auch für die Zentren für Psychiatrie zuständig ist, Reformbedarf. Denn laut Strafgesetzbuch kann ein Gericht neben der Strafe die Unterbringung eines Täters in einer Entziehungsanstalt anordnen, wenn er eine Tat aufgrund eines Hanges zu Alkohol, Betäubungsmitteln oder Arzneimitteln begangen hat. In dem aktuell Fall handele es sich um einen Therapieabbrecher.
„Solche Delinquenten sind im Maßregelvollzug schwer zu handhaben. Neben dem erhöhten Ausbruchsrisiko wirken sie oft nachteilig auf die Motivation der übrigen Patienten, was das therapeutische Klima extrem belastet“, teilt der Minister mit. Er fordert, dass diese Personen in den forensischen Kliniken in der Regel auf den Sicherungsstationen untergebracht werden. „Aus meiner Sicht gehören sie nicht mehr in den Maßregelvollzug, sondern in den Strafvollzug.“

 

Maßregelvollzug

Seit 2006 gibt es im Weinsberger Klinikum am Weissenhof einen Maßregelvollzug. In den Maßregelvollzug kommen Menschen, die eine Straftat begangen haben, dabei jedoch unter einer psychischen Krankheit litten. Davon unterscheiden sich Menschen, die aufgrund einer Alkohol- oder Drogensucht nicht für ihre Straftaten verantwortlich gemacht werden können. Diese kommen ebenfalls in den Maßregelvollzug, jedoch unter anderen Bedingungen. 

Im Maßregelvollzug werden die Patienten schrittweise in die Freiheit entlassen. Sie durchschreiten mehrere Stationen vom geschlossenen zum offenen Bereich und leben später meist in Wohngruppen, in denen sie intensiv betreut werden.

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