Autodiebe setzen ihre Serie in der Region munter fort

Region 

Die Polizei bittet darum, wachsam zu sein: Unbekannte Autodiebe agieren offensichtlich unbeeindruckt von Ermittlungen. Jetzt haben sie erneut zugeschlagen – in Leingarten-Schluchtern. Auf Facebook wurde ein Video verbreitet, das einen Täter zeigt.

Die Serie von Diebstählen hochwertiger Autos in der Region nimmt Dimensionen an, die auch die Heilbronner Polizei mehr als beunruhigen dürfte. In einer Pressemitteilung bittet sie ausdrücklich um Wachsamkeit. Denn in der Nacht auf Mittwoch wurde erneut ein Audi A6 gestohlen – diesmal aus dem Platanenweg in Leingarten-Schluchtern.

Tatort von Autodieben in Leingarten-Schluchtern
In der Nacht zum Mittwoch wurde im Platanenweg in Leingarten-Schluchtern ein Audi A6 gestohlen. Foto: Adrian Hoffmann

Die Besitzerin des Autos, die namentlich ungenannt bleiben möchte, ist fassungslos. Ihr Mann hatte den erst drei Jahre alten A6 Avant – Vollausstattung – in der Farbe Mondscheinblau am Dienstagabend in die Einfahrt gestellt. Gegen 22 Uhr sei er noch zum Auto gegangen, um etwas herauszuholen, schildert der Ehemann der A6-Besitzerin. In der Garage zwischengeparkt ist derzeit der Audi ihres Sohnes, deshalb blieb der A6 Avant draußen.

Die Kriminalpolizei Heilbronn geht davon aus, dass es sich bei dem Vorfall um einen weiteren Keyless-Go-Diebstahl handelt. Inzwischen sind im Unterland mehr als 30 Autos auf diese Art und Weise verschwunden. Meistens betrifft es Autos der Reihe Audi A6, gelegentlich sind es auch BMW, ein Land Rover war bislang dabei.

Was die Polizei über das Vorgehen der Täter weiß

Nach Erkenntnissen der Polizei scannen die Täter das Schlüsselsignal des Fahrzeugs an der Haustür  – mit einem Gerät, das wie ein Tablet aussieht oder wie ein Laptop –, während ein anderer mit dem abgefangenen Signal die Autotür öffnet. Die Technik des Autos geht davon aus, dass der Fahrzeugbesitzer in das Auto steigt. In diesem Moment nützt auch eine Alarmanlage nichts mehr.

„Wir waren da auch ein bisschen unbedarft“, sagt die betroffene Frau aus Schluchtern. „Man denkt ja immer, einem selbst passiert das nicht.“ Doch am Mittwochmorgen gegen 10 Uhr realisierte der Ehemann, was geschehen war. Er hatte den Wagen noch am Dienstag vollgetankt, frisch gewaschen war er auch. „Es ärgert uns sehr, das Auto hat uns gut gefallen. Aber klar: Es ist nur ein Auto und es gibt Schlimmeres“, sagt er.

Der Tatort lässt auf die hohe Risikobereitschaft der Täter schließen

Tatort Autodiebe in Leingarten-Schluchtern
In dieser Sackgasse mit dem Wendekreisel wurde das Auto gestohlen. Foto: Adrian Hoffmann

Erstaunlich ist die Risikobereitschaft der Täter oder auch deren gefühlte Sicherheit, nicht erwischt zu werden. Der Tatort liegt in einem Bereich des Platanenwegs, der wie eine kleine Sackgasse ist. Ein Kreisel dient als Wendeplatz. Das betroffen Ehepaar ging davon aus, dass Autodiebe so etwas abschreckt, weil nachbarschaftliche Kontrolle gegeben ist. Doch es wurde eines Besseren belehrt. Mitten in der Nacht, wenn die Diebe kommen, schlafen alle tief und fest.

Allerdings ist es nicht so, dass das Paar ahnungslos gewesen wäre. Die Schlüssel seien unten im Sekretär gelegen und auch in einer Schublade im Schlafzimmer, und eben nicht im Flur. Das hätten sie ganz bewusst so gemacht. Sie gingen davon aus, dass das Schlüsselsignal in diesem Fall nicht oder nur sehr schwer gescannt werden könne. Möglicherweise scannten die Täter vom Garten aus.

Diese Woche gab es in Eppingen-Rohrbach einen ähnlichen Fall

Erst in der Nacht auf Dienstag hatten unbekannte Täter einen BMW X5 in Eppingen-Rohrbach gestohlen.Und wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, wurde zudem vermutlich in der Nacht von Montag auf Dienstag in der Mauternstraße im Sinsheimer Stadtteil Dühren ein neuer 7er BMW gestohlen. Der BMW ist nach Angaben der Polizei 12 Monate alt, dunkel lackiert und hatte einen Neupreis von weit mehr als 100.000 Euro. Das amtliche Kennzeichen lautet: HN-DB 1899. Hier ermittelt die Kripo Heidelberg (Telefon 0621 174 4444).

Die Diebstahlserie beschäftigt immer mehr Menschen in der Region, auch nicht direkt Betroffene. Vor wenigen Tagen hatte ein Facebook-Nutzer aus dem Raum Heilbronn ein Video veröffentlicht, das seine Überwachungskamera gefilmt hatte. Darauf zu sehen ist ein Mann, wie er in der Nacht mit einem Gerät in der Hand und einem Scanner, der mit dem Gerät verkabelt ist, auf die Haustür zugeht. Die Polizei hat Kenntnis von dem Video, das im Internet zahlreich verbreitet wurde. Der Facebook-Nutzer schrieb: Er habe „dubiosen Besuch“ im Vorgarten gehabt. „Bitte teilt das mal im Raum Heilbronn und seid mit euren Schlüsseln in der Nähe der Haustür vorsichtig!“

 

 


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.