Bei den Krankenhäusern ist alles in Bewegung
Stadt und Landkreis Heilbronn verhandeln mit Hohenlohe über eine Klinik-Holding - Auch Löwenstein ist interessiert

Der Heilbronner Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach ist zuversichtlich. Bis Sommer 2006 will der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadt-Landkreis-Kliniken (SLK) zwei Dinge hinbekommen: Die medizinische Struktur innerhalb der SLK-GmbH und die Holding aus den SLK-Kliniken und den Krankenhäusern des Hohenlohekreises.
Seitdem das Hohenloher Land sich vom Traum einer neuen gemeinsamen Großklinik verabschiedet hat, laufen die Drähte zwischen Künzelsau und Heilbronn heiß. Grenzüberschreitend strebt man ein Dach über den bestehenden Häusern an - eine Holding als strategisches Haupt selbstständiger Tochtergesellschaften.
„Es wäre fatal, wenn es uns nicht gelingen würde, das Krankenhauswesen zukunftsgerichtet zu ordnen“, ist der Heilbronner OB fest entschlossen, die Wirtschaftlichkeit der kommunalen Häuser so zu festigen, dass sie nicht an einen privaten Konzern verkauft werden.
Das Holdingdach mag tatsächlich schnell skizziert sein, die tatsächliche Ausgestaltung könnte sich hinziehen. Das jedenfalls ist die Erfahrung der SLK-GmbH: Die gemeinsame Träger-Gesellschaft der Stadt und des Landkreises Heilbronn für die vier Spitäler am Gesundbrunnen Heilbronn, am Plattenwald Bad Friedrichshall, in Brackenheim und Möckmühl verschob erst dieser Tage den Zeitpunkt der ersten gemeinsamen Bilanz um ein Jahr auf Ende 2006. Ein seit Dezember 2004 vorliegendes Gutachten über die künftige medizinische Ausrichtung der zwei größten SLK-Kliniken sollte längst umgesetzt sein. Noch diskutiert der Aufsichtsrat kontrovers.
Bisher verlautbart wurde: Die SLK-GmbH hält an allen vier Standorten fest. In der Zwischenzeit weiß man, dass das Sozialministerium landesweit die Betten pauschal um 20 Prozent reduzieren will. SLK-Geschäftsführerin Susanne Schlichtner rechnet vor, dass die Bettenzahl je tausend Einwohner in Stadt und Kreis mit 52,5 schon heute unter dem Landesdurchschnitt von 59,4 liegt. Manch einer, wie der AOK-Geschäftsführer Thomas Weber, erwartet aber, dass das Ministerium weitergehende Fragen stellt: Was wird wo gemacht, wie grenzen sich die Häuser untereinander ab, sind alle vier Häuser überlebensfähig?
Die SLK-interne Debatte über die Frage, welche Klinik, welcher Chefarzt welches Angebot macht, ist in vollem Gange. Es geht um Schlaganfallbehandlung, Gefäßchirurgie, Urologie und ein ambulantes OP-Zentrum. Bis in zwei Monaten erwartet Himmelsbach eine schriftliche Äußerung des Ministeriums.
Selbst wenn sich die SLK-Gesellschafter Stadt und Landkreis im ersten Halbjahr einigen: Die neue SLK-Struktur wäre nur ein Anfang - und nicht von Dauer. Arbeitet die größere Holding an ihrer Wirtschaftlichkeit, wird auch sie ihre Angebote bereinigen müssen, bevor sie Geld in Sanierungen und strukturbedingte Bauten steckt sowie Betten abbaut.
Nicht zuletzt geht es in der Region um die Frage: Wer wird Träger der Klinik Löwenstein, bisher in Trägerschaft des aufgelösten Landeswohlfahrtsverbandes? Die Fachklinik für Pneumologie, Thorax- und Gefäßchirurgie ist nach Experten-Meinung bestens aufgestellt. Geschäftsführer Dieter Bopp hat um sein Haus Kooperationen, Vernetzungen und eine Service-GmbH geschart. Ab 2006 nennt man sich „Gesundheitszentrum“. Auf dem Markt sind Löwenstein und ihre Schwesterklinik Markgröningen (Orthopädie) einiges wert. Löwenstein könnte zur Regionsholding kommen, um Markgröningen buhlt der Kreis Ludwigsburg.
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