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Zu viel Personal im Landratsamt? Nein, zu wenig!

Der Hohenloher Kreistag hat fünf neue Stellen für die Ingegrationsarbeit beschlossen. Mancher Kreisrat fragt sich, ob dies zum jetzigen Zeitpunkt nötig ist. Die Antwort kann nur heißen: Ja. Im Hinblick auf die Flüchtlingsfrage genauso wie auf den allgemeinen Personalmangel, meint unser Autor.

Ralf Reichert
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Lesezeit 3 Min
Im Landratsamt des Hohenlohekreis wäre man froh, mehr Stellen besetzen zu können.  Foto: Ralf Reichert

Der Hohenlohekreis ist ein Vorreiter, wenn es um die Integration geflüchteter Menschen geht. Dies hat auch das Sozialministerium längst erkannt. Sehr früh und sehr intensiv wurde hier im Zuge der Flüchtlingskrise seit Herbst 2015 gehandelt. Die Brandanschläge auf die Unterkünfte in Pfedelbach und Neuenstein taten ihr übriges, um die politische und gesellschaftliche Geschlossenheit zu stärken.

Zu unsicher erscheint manchem die Gemengelage

Nun drückt das Landratsamt erneut aufs Tempo. Fünf neue Stellen hat der Kreistag bewilligt, obwohl noch gar nicht klar ist, ob das Land die Kosten ausgleichen wird. Diesmal steht das Gremium nicht geschlossen dahinter. Zu unsicher erscheint manchem die Gemengelage, zumal nach Corona mit dem Ukraine-Krieg gleich die nächste große Krise Einzug gehalten hat, deren monetäre Auswirkungen nicht nur in steigenden Flüchtlingszahlen zu bemessen sind.

Vorleistung ist gut zu stemmen

Die Mehrheit des Kreistags hat trotzdem richtig entschieden. Erstens kann es sich das Land kaum leisten, die zusätzlichen Lasten voll auf die kommunale Ebene abzuwälzen. Die Vorleistung ist deshalb zu stemmen, und sie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie pragmatisch und schnell Kreise wie dieser in der Lage sind zu handeln - ganz im Gegensatz zu der äußerst trägen Bürokratie in Bund und Land.

Flüchtlingsfrage wird zu dauerhaftem Top-Thema

Zweitens wird die Flüchtlingsfrage künftig ein dauerhaftes Top-Thema der Kreispolitik, ebenso wie der Bevölkerungsschutz. Krisen und Kriege werden dieses Jahrzehnt weiter in Atem halten. Immer mehr Geflüchtete müssen aufgenommen, versorgt und integriert werden. Mit hohem Personalaufwand.

Die Schaffung neuer Stellen ist nicht das Problem...

Drittens hat der Hohenlohekreis derzeit kein Problem, zu viele neue Stellen zu schaffen, sondern bestehende Stellen überhaupt nachbesetzen zu können. Fünf neue Stellen - zumal auf zwei Jahre befristet - fallen da nicht sonderlich ins Gewicht. Könnten sie tatsächlich besetzt werden, würde das den Hohenlohekreis nicht belasten, sondern entlasten: nicht nur in der Integrationsarbeit, sondern auch in anderen Ämtern, die seit geraumer Zeit unter Personalmangel leiden und in denen diese Integrationskräfte phasenweise aushelfen könnten, wenn bei der Betreuung von Flüchtlingen mal nicht so viel Arbeit anfallen sollte.

Flexibler Einsatz von Personal ist das Gebot der Stunde

Das immer schwerer zu findene Personal so flexibel wie möglich einzusetzen: Dies muss ohnehin viel stärker kultiviert werden. Sonst läuft das Landratsamt Gefahr, in immer mehr Bereichen und insgesamt viel zu wenig Mitarbeiter zu haben - und dies bei steigendem Arbeitsaufwand aufgrund ständig zunehmender Pflichtaufgaben, auch und vor allem im Sozialbereich. Der Gesetzgeber bestellt fleißig immer weiter, und die Kommunen müssen es ausbaden. Schon jetzt können Dienstleistungen nicht wie gewohnt erbracht werden. Was aber, wenn manche Dinge gar nicht mehr oder unzureichend laufen? Das Landratsamt wirkt unnahbar und bürokratisch, doch es reich tief hinein in die Lebenswirklichkeit eines jeden: bei der Müllentsorgung, beim Nahverkehr, beim Straßenbau - bei den Sozialleistungen, bei der Gesundheitsvorsorge, bei den Berufsschulen.

Ausbau der B19-Kreuzung bei Belzhag: ein Trauerspiel

Einen bitteren Vorgeschmack auf das, was noch alles folgen könnte, bietet das Trauerspiel um die Planung des vierspurigen Ausbaus einer einzigen Kreuzung an der B19: der bei Belzhag. Das Team ist nur zur Hälfte besetzt und muss sich neben der Bundesstraße noch um weitere Projekte kümmern. Und eigentlich ist es gar nicht Aufgabe des Kreises, diese Strecke zu planen. Doch das Land hat noch weniger Personal und die Aufgabe sanft delegiert. Trotzdem stockt das Vorhaben, weil immer neue Vorschriften erlassen werden und der Grunderwerb so schwer ist. 2022 sollte die Kreuzung ausgebaut sein. Nun wird nicht mal mehr der Baustart genannt.

Der A6-Ausbau durch Hohenlohe ist ein schlechtes Omen.

Genauso ist es beim sechsspurigen Ausbau der A 6 durch Hohenlohe, der zweiten never ending Story. Übrigens plant der Kreis zu allem Überfluss schon mal den kompletten vierspurigen Ausbau zwischen Gaisbach und der A 6 vor, der wohl erst nach 2030 ansteht. Das kann ja heiter werden, bei all den anderen Kreuzungen, deren Planung ebenso zeitraubend sein dürfte. Der A6-Ausbau durch Hohenlohe ist ein schlechtes Omen. Einst übernahm die Region die Vorplanung, um später schneller zu sein. Es ist deprimierend, was daraus geworden ist: Statt 2023 geht es jetzt nicht vor 2029 oder 2030 los.

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