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Kolumne: Kommunikationsprobleme in Wüstenrot und eine Geduldsprobe in Neckarsulm

Die Flüchtlingsunterkunft im Wüstenroter Greuthof ist erstmal abgelehnt, doch das ist vermutlich noch nicht das Ende der Diskussion. In Neckarsulm hingegen geht die Debatte um den B 27-Ausbau erst richtig los, wenn endlich das Geheimnis um die Pläne gelüftet wird.

Tanja Ochs
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Lesezeit 2 Min
Meinung: Kommunikationsprobleme in Wüstenrot und eine Geduldsprobe in Neckarsulm

Es ist nicht überraschend, dass die 114 Einwohner im Wüstenroter Greuthof nicht begeistert sind, wenn 70 Flüchtlinge in ihrem Weiler untergebracht werden sollen. Wenn noch dazu die Kommunikation so schlecht ist, dass die Anlieger sich vor vollendeten Tatsachen wähnen, muss man sich über Widerstand nicht wundern. Gelungene Integration geht anders; die braucht Akzeptanz.

Plätze werden dringend benötigt

Ohne Zweifel benötigt das Landratsamt dringend Plätze - im Schnitt liegt die monatliche Zuweisung bei 280 Flüchtlingen. Bei aktuell 90 freien Plätzen muss man kein Rechengenie sein, um zu erkennen, dass es knapp wird. Dennoch müssen Angebote von Eigentümern geprüft werden, bevor Bauanträge auf den Weg gebracht werden. Und dabei hätte im Fall des ehemaligen Pflegeheims im Greuthof auffallen müssen, dass die Infrastruktur alles andere als geeignet ist. Der Aufschrei war absehbar, so viel Realismus muss sein. Auch die Ablehnung der Gemeinderäte war zu erwarten.

 

Hätte man früher offen miteinander gesprochen, hätte man sich Arbeit, Streit und eine Anzeige gespart. Auch wenn deren Absender sich nicht aus der Deckung traut, wird damit klar, wie verhärtet die Fronten sind. Aber noch hat die Behörde gar keine Kenntnis von einer Anzeige - die Kommunikationsprobleme gehen also weiter.

Einschnitte vorsorglich abgelehnt

Schweigen auch in Neckarsulm, wo man geduldig auf die Machbarkeitsstudie des Bundes zum B27-Ausbau wartet. Zwischen A6 und der Abzweigung nach Neuenstadt soll die Bundesstraße vierspurig werden. Dafür könnten 45 Gebäude weichen, hieß es vor einem dreiviertel Jahr vage aus dem Verkehrsministerium. Seitdem warten Einwohner auf konkrete Pläne und lehnen vorsorglich Einschnitte in die städtische Struktur ab.

Fakt ist, bei Ausbauplänen muss man gewöhnlich eine Kröte schlucken. Umso wichtiger ist ein transparenter Planungsprozess. Doch der ist seit Monaten in Berlin unter Verschluss, spätestens im März will das Regierungspräsidium in Neckarsulm nun das Geheimnis für alle lüften. Vorher nützt Diskussion wenig. Aber wenn es im selben Tempo weitergeht, ist mit der vierten Spur ohnehin nicht so schnell zu rechnen.

 

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Werbung schafft Aufmerksamkeit

Seit rund einem Jahr wirbt das Land mit einer neuen Kampagne für sich selbst: 21 Millionen Euro wurden für "The Länd" investiert, um Fachkräfte anzuziehen. Ob das gelungen ist, bleibt umstritten, und seit Trittbrettfahrer wie "The Bänk" auf den Zug aufgesprungen sind, ist der Grat zwischen hip und peinlich immer schmaler geworden. Die Aufregung um den Slogan hatte sich allerdings längst gelegt - bis vergangene Woche auf der Reisemesse CMT für "The Näcker" geworben wurde. Der ehemalige Innenminister des Landes Reinhold Gall fand dafür das einzig richtige Wort: "Sprachunsinn". Auch wenn sich der werbende Neckar-Käpt'n auf den Schlips getreten fühlte, das grundsätzliche Ziel von Werbung hat er immerhin erreicht: Aufmerksamkeit. Zumindest bei Facebook.

 

 

 
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