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Kolumne: Viel Porzellan zerschlagen

Auf direktem Weg wechseln Aquatoll-Mitarbeiter am Sonntag ins Freibad, unter der Kuppel ist dann Schluss, während in Obereisesheim die Saison beginnt. Anderswo geht es um falsche Bilder und nächtliche Ruhestörung.

Tanja Ochs
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Lesezeit 2 Min
Kolumne: Viel Porzellan zerschlagen
 Foto: Seidel, Ralf

Die letzte Klappe fällt am Sonntag, das Aquatoll schließt endgültig. Es kam wie erwartet: Der Gemeinderat stimmte nach Ostern gegen eine Sanierung. Die wäre dringend notwendig gewesen und wenn die Verantwortlichen ehrlich sind, wussten sie seit Jahren, dass es mit ein bisschen Kosmetik nicht mehr getan sein würde. Geschehen ist wenig, doch weder Schuldzuweisungen noch Lamentieren helfen jetzt weiter. Der Badespaß unter der Kuppel ist nach 31 Jahren vorbei.

Schnelle Entscheidung

Jetzt muss schnell entschieden werden, wie es mit dem Gebäude weitergeht. Am besten transparent und im Gespräch mit den Bürgern, denn da wurde in den vergangenen Wochen viel Porzellan zerschlagen. Trotz sommerlicher Temperaturen und zum Ärger vieler Bürger hat die Verwaltung beispielsweise das Obereisesheimer Freibad in dieser Woche nicht geöffnet. Während anderswo in der Region längst Gäste ihre Bahnen ziehen, geht es in Obereisesheim erst am Sonntag los.

Der Grund ist aber keine Schikane zugunsten des Aquatolls, sondern schlicht fehlendes Personal, betont die Verwaltung. Zwei Bäder parallel zu betreiben, das übersteigt die Kapazität der Stadt. Nun erfolgt also die Staffelstab-Übergabe im Team direkt von In- zu Outdoor.

Keine nackten Frauen

Nach dem Vorwurf des Sexismus haben Stuttgarter Schausteller einigen ihrer Figuren zusätzliche Kleider angemalt, damit es keine nackten Frauen beim Frühlingsfest auf dem Wasen gibt. Mindestens anstößige Darstellungen hat ein Experte der Universität Bielefeld jetzt auch in Tripsdrill ausgemacht. Der Mann auf der Toilette oder das Fensterln gehören im Erlebnispark seit jeher zu den Attraktionen, über die Besucher in der Regel lachen können. Ob sich jemand davon belästigt fühlt, ist nicht überliefert.

Manches sollte man vielleicht einfach so nehmen, wie es gemeint ist: mit Humor, auch wenn dieser in Tripsdrill gelegentlich etwas derb ist. Es gibt - nicht nur in Sachen Sexismus - durchaus schwerwiegendere Problem als der angedeutete Hintern eines alten Mannes.

Partymeile am Ratgeb-Platz

Probleme gibt es beispielsweise am Jörg-Ratgeb-Platz in Heilbronn. Die Anwohner leben quasi auf einer Partymeile mit Bierausschank, der Lärm am Wochenende ist ihren Schilderungen zufolge unerträglich, der Müll danach auch. Dass das unzumutbar ist, ist nachvollziehbar. Aber der erste Schritt zu einer Problemlösung ist die Anerkennung desselben. Davon ist man im Rathaus offenbar weit entfernt. Er wolle seine Stadt nicht schlechtreden, hatte OB Harry Mergel nach seiner Wiederwahl gesagt. Das soll er auch nicht. Aber beschönigen ist auch keine Lösung.

Ob Brennpunkt oder nicht - dauerhafte nächtliche Ruhestörung ist nicht hinnehmbar, mehr Polizeikontrolle wäre ein Anfang. Genauso wie in der Innenstadt, wo der neue Polizeiposten laut Verwaltung noch im Frühsommer an den Start gehen soll.

 
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