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Kolumne: Das Wollhaus bleibt eine teure Altlast

Auch mit einer neuen Versteigerung gibt es noch keine Lösung für das Wollhaus. Ein Abriss des Betonklotz steht schon lange nicht mehr zur Debatte, aber für andere Ideen fehlen Investoren.

Tanja Ochs
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Lesezeit 2 Min

2016 hatte Architektin Anette Busse prophezeit: "Wenn das Wollhaus die nächsten fünf Jahre überlebt, wird sich der Blick darauf geändert haben." Nun ist der Koloss immer noch genauso hässlich anzuschauen wie vor sieben Jahren, Recht hatte die Expertin trotzdem: 2018 platzten die Pläne für ein neues Shoppingcenter.

Abriss und Neubau werden inzwischen schon aus energetischen Gründen nicht mehr in Betracht gezogen, weil Ressourcen- und Energieverbrauch sehr viel höher wären als bei einem Umbau. Von den Kosten ganz zu schweigen, Investoren winken seit Jahren ab. Andererseits wird das Potenzial nicht größer, je länger man wartet. Eine Zwickmühle, die eine schnelle Veränderung nicht gerade begünstigt, auch wenn jetzt erneut eine Versteigerung der Kaufhof-Fläche ansteht. Denn auch wenn die Gläubigerbank der bisherigen Eigentümer ihr Geld bekommt, gibt es noch keine Lösung für das Areal. Es bleibt eine teure Altlast mit schwer durchschaubaren Eigentümerverhältnissen.

In fünf Jahren kann sich viel ändern

Verständlich, dass die Stadt nicht selbst aktiv in den Ring steigen will, es könnte sie Millionen kosten. Nur das heißt eben auch, dass die Verwaltung selbst nichts an der Situation ändern kann. Aber wer weiß, vielleicht gibt es in fünf Jahren ganz andere Vorstellungen für den Betonklotz. Zumindest da war die Architektur-Expertin schon 2016 sicher: "Irgendwann hat man eine Lösung, die passt", erklärte sie im Interview. Man könnte aber auch sagen: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Sommerzeit ist Baustellenzeit

Die Lösung für den täglichen Stau heißt ÖPNV. Sommerferienzeit ist Baustellenzeit. In Heilbronn sind nervtötende Autokolonnen auf Süd- und Oststraße die Folge. Die Karl-Wüst-Straße ist gesperrt, in den Stadtteilen wird am Asphalt gearbeitet. Kirchheim ist ein Nadelöhr und die angekündigte Sperrung der B293 bei Leingarten wird von den Anwohnern bereits mit Sorge erwartet. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Wer bei einer Straßensperrung keine Zeit verlieren will, kann auf die Öffentlichen umsteigen. Das heißt zwar auch manchmal warten - zum Beispiel wenn der Zug mal wieder Verspätung hat - und es könnte momentan etwas eng werden. Aber irgendwas ist ja immer.

Die Trockenheit ist existenzbedrohend

Im Moment ist es vor allem trocken. Aus Seen, Bächen und Flüssen darf bis mindestens 30. September kein Wasser zur Bewässerung entnommen werden - es sei denn, man macht es mit der Gießkanne. Schöpfen bleibt nämlich erlaubt. Das reicht fürs heimische Gemüsebeet, nicht für Landwirte. Für sie ist die Trockenheit existenzbedrohend. Dagegen ist doch ein brauner Vorgarten wirklich lachhaft.

 
 
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