Meinung
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Der Blick auf die Pandemie ist eine Frage der Perspektive

Omikron mag mild sein, aber das ist nicht das einzige Kriterium bei der Beurteilung der Lage, argumentiert unsere Autorin.

Valerie Blass
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Lesezeit 1 Min
Corona-Impfung
Erste an die Omikron-Variante angepasste Vakzine könnten im Herbst verfügbar sein. Doch es besteht die Gefahr, dass sie dann schon überholt sein könnten.  Foto: Daniel Karmann/dpa

Der Blick auf Corona hängt auch im Jahr drei der Pandemie maßgeblich von der eigenen Perspektive ab. Für die einen ist die Lage mit Omikron "nur noch eine Unannehmlichkeit, aber keine Pandemie", wie FDP-Politiker Hans-Ulrich Rülke im Redaktionsgespräch sagte. Für die anderen, nämlich Mitarbeiter im Gesundheitswesen, hat das Virus dagegen eine Arbeitsbelastung zur Folge "wie wir sie noch nie erlebt haben, wir schaffen das nicht mehr", so ein SLK-Mitarbeiter.

Das Problem sind nicht zu viele Patienten, es sind die Mitarbeiter. Sie fallen reihenweise aus, weil sie nach monatelangem Schuften über der Belastungsgrenze erschöpft oder eben selbst infiziert sind. 400 SLK-Angestellte sind aktuell erkrankt − und es ist Sommer. Das kann in der Konsequenz für uns alle bedeuten: Die medizinische Versorgung, wie wir sie kennen, kann nicht aufrechterhalten werden, völlig unabhängig davon, ob die Verläufe bei Omikron meist mild sind. Das ist das eigentliche Problem, über das viel zu wenig gesprochen wird.

Wenn die Wiedereinführung der Maskenpflicht geeignet ist, diese Krise abzumildern, weil es damit im Herbst weniger Infektionsketten gibt, so sollte man diese vergleichsweise milde Maßnahme hinnehmen und sich klar machen: Der eigene Blick auf die Pandemie könnte sich sehr schnell ändern − dann nämlich, wenn man selbst als Patient professionelle Hilfe in einer Praxis oder im Krankenhaus benötigt.

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