Heilbronn
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Armin Laschet sieht Wahl als Richtungsentscheidung

Beim Stimme-Wahlcheck warnt der Unions-Kandidat Armin Laschet vor einer Regierungsbeteiligung der Linken. Scholz kritisiert er für seine unklare Haltung in dieser Koalitionsfrage. Zudem spricht sich der Aachener für eine Auskunftspflicht über den Impfstatus der Beschäftigten für alle Unternehmen in Deutschland aus.

Jürgen Paul
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Laschet sieht Wahl als Richtungsentscheidung
Im Gespräch mit Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer präsentierte sich Armin Laschet (CDU) kämpferisch. Foto: Andreas Veigel

Kämpferisch präsentiert sich Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet am Montagvormittag beim Wahlcheck der Heilbronner Stimme. 200 Besucher lauschen dem Aachener zu früher Stunde in der ausgebuchten Pyramide der Kreissparkasse Heilbronn. Gelassen reagiert er auf Wahlkampfpannen und die schlechten Umfragewerte, angriffslustig wird Laschet, wenn es um die politischen Gegner geht.

Das Bild mit dem Lacher war "dämlich"

"Wirklich dämlich" sei das Bild, das ihn bei einer Rede von Bundespräsident Steinmeier im Flutgebiet lachend im Hintergrund zeigt, räumt Laschet ein. Jemand habe eine blöde Bemerkung gemacht und er habe gelacht. "War blöd", gibt der CDU-Chef zu. Dennoch nimmt er für sich in Anspruch, im Wahlkampf auch mal spontan zu reagieren. "Man muss auch noch menschlich bleiben", findet Laschet. Einen schärferen Wahlkampf mit persönlichen Angriffen unter der Gürtellinie werde es mit ihm nicht geben, versichert er.

Kampf ums Kanzleramt ist offen

Laschet sieht Wahl als Richtungsentscheidung
Die Bundestagswahl bezeichnete Laschet als Richtungsentscheidung zwischen einer bürgerlichen und einer linken Regierung. Foto: Andreas Veigel

Das Rennen um das Kanzleramt ist für den 60-Jährigen trotz des Vorsprungs der SPD in den Umfragen offen. "Dieses Amt muss man sich erkämpfen", sagt Laschet und spricht immer wieder von einer Richtungsentscheidung zwischen einer bürgerlichen und einer linken Regierung. "Wenn Olaf Scholz jetzt Raute spielt und so tut, als wäre er Angela Merkel, redet aber wie Saskia Esken, dann passt das einfach nicht zusammen", sagt er. Mit Blick auf eine mögliche rot-grün-rote Koalition steht für Laschet fest: "Scholz wird es machen, wenn es die einzige Möglichkeit ist, dass er Kanzler wird." Erneut fordert der Unionskandidat eine klare Absage von Scholz an ein Bündnis mit den Linken. Diese seien ein "außenpolitisches Sicherheitsrisiko" und gehörten nicht in eine Bundesregierung.

Keine Steuererhöhungen

Inhaltlich bekräftigt Laschet bekannte Positionen. Steuererhöhungen schließt er aus, allerdings sei jetzt "nicht die Zeit für große Steuersenkungen". Er möchte die Wirtschaft entfesseln, etwa durch Bürokratieabbau. "Unsere Planungsverfahren dauern zu lange." Warum die CDU als Regierungspartei in den letzten 16 Jahren nicht für schnellere Verfahren gesorgt habe", will Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer wissen. Die SPD habe bei allen Beschleunigungsvorschlägen gebremst, schiebt Laschet den Schwarzen Peter an den Partner weiter.

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Autoindustrie muss in Deutschland bleiben

Als Kanzler wolle er die Industriegesellschaft zukunftsfähig umgestalten und die Arbeitsplätze in Deutschland halten, sagt Laschet. So müsse die Stahlindustrie bei der Umstellung auf grüne Stahlproduktion unterstützt werden, damit die Arbeitsplätze nicht nach Indien und China wandern. "Damit ist dem Weltklima nicht gedient." Eine Lanze bricht der Aachener für die deutsche Automobilbranche, gegen die viel Stimmung gemacht werde. "Wir wollen Autoland bleiben", betont Laschet und wirbt für Technologieoffenheit. Um die Digitalisierung voranzubringen, will er Kompetenzen in einem Digitalisierungsministerium bündeln. "Das ist eine Querschnittsaufgabe". Beim Klimaschutz wehrt sich Laschet gegen sein Image als Bremser und verteidigt den Kohleausstieg 2038, den die Kohlekommission erarbeitet hat.

Laschet sieht Wahl als Richtungsentscheidung
200 Besucher erlebten in der Kreissparkasse Heilbronn den Auftritt von Unions-Kandidat Armin Laschet beim Stimme-Wahlcheck. Foto: Andreas Veigel

Kritik an Scholz' Spruch von den "Versuchskaninchen"

Der Unions-Kanzlerkandidat spricht sich klar für eine Auskunftspflicht über den Impfstatus in allen deutschen Unternehmen aus. "Der Arbeitgeber muss wissen, wer im Betrieb geimpft ist, um Schutzmaßnahmen ergreifen zu können", findet er. Einen weiteren Lockdown schließt er aus. "Insbesondere Geimpfte sollten keine Nachteile mehr erleiden". Allerdings sollten Ungeimpfte nicht diskriminiert werden. Laschet spricht sich hier für die 3G-Regel aus, die derzeit ausreiche. Seinen SPD-Kontrahenten Olaf Scholz kritisiert er für dessen Aussage, die Deutschen seien beim Impfen "Versuchskaninchen" gewesen. Scholz solle dieses "ganz schlimme Wort" zurücknehmen, so Laschet.

Gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik angestrebt

Beim Stimme-Wahlcheck wirbt er vor dem Hintergrund des Afghanistan-Desasters für seine Idee, einen nationalen Sicherheitsrat einzurichten, um solche Einsätze besser zu koordinieren. Für die Migrations- und Flüchtlingspolitik wünscht sich Laschet eine gemeinsame europäische Lösung, auch wenn dies mühsam sei. Alle 27 EU-Mitgliedsstaaten müssten ihren Beitrag leisten, um die Außengrenzen besser zu schützen und Flüchtlinge fair zu verteilen. "Wir brauchen eine gerechte Lastenverteilung." Laschet spricht sich zudem dafür aus, die Bedingungen vor Ort so zu verbessern, dass die Menschen nicht flüchten müssen.

Nächster Wahlcheck mit Cem Özdemir

Der letzte Wahlcheck mit dem Spitzenkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen in Baden-Württemberg, Cem Özdemir, folgt am Dienstag, 7. September, um 12.30 Uhr in der Kreissparkasse (wenige Tickets sind noch verfügbar). Die Veranstaltung wird live auf Stimme-TV übertragen und ist danach unter www.stimme.de abrufbar. 

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