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Serap Güler strebt das Amt der CDU-Generalsekretärin an

Die 41-Jährige CDU-Politikerin soll unter einem Parteichef Helge Braun eine wichtige Rolle spielen. Serap Güler versteht es, zu integrieren, aber auch zu polarisieren. Künftig solle die CDU eine Partei sein, „die für Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und auch Herzlichkeit steht”, sagt sie. 

Hans-Jürgen Deglow
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Serap Güler möchte gerne CDU-Generalsekretärin werden. Foto: dpa

Serap Güler gilt vielen in der CDU als Hoffnungsträgerin, auch weil sie in ihrem bisherigen Leben verstanden hat, Hürden zu meistern. Güler ist jung, Muslimin, sie ist als Kind einer türkischen „Gastarbeiter”-Familie in Marl im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen. Die 41-jährige Politikerin tritt in Debatten meinungsfreudig auf, sie spricht Klartext, sie kann integrieren ebenso wie polarisieren. Und sie gilt als zielstrebig. Sicher gute Voraussetzungen für eine Generalsekretärin, aber erst einmal müssen die CDU-Mitglieder entscheiden, wen sie denn als Parteichef haben möchten. 

Im Sturm den Kurs halten

Zuletzt stand sich die CDU meist selbst im Weg auf der Suche nach Profil. Da macht es Sinn, nach Personen in den eigenen Reihen Ausschau halten, die - auch im Sturm - Kurs halten können. Die langjährige NRW-Staatssekretärin für Integration ist seit September Mitglied des Bundestages, nun soll sie schon Verantwortung für die Gesamtpartei übernehmen. Das wünscht sich jedenfalls Noch-Kanzleramtsminister Helge Braun, der für den Parteivorsitz kandidiert.  So manche in der Partei, die Brauns Kandidatur anfangs noch überrascht und sogar belächelt hatten, dürften nachdenklich werden. Denn neben Güler konnte Braun auch noch die Fraktionsvize Nadine Schön (38) aus dem Saarland für sein Dreierteam gewinnen - sie soll die Programmarbeit voranbringen. Beide Personalien sind zumindest ein Versprechen auf eine CDU-Zukunft, die jünger, weiblicher, moderner ist. 

Integrationsstaatssekretärin in NRW

Güler hat von 2007 bis 2010 als Referentin an Armin Laschets Seite gearbeitet, als dieser noch Integrationsminister in NRW war. Sie wurde Referentin im NRW-Gesundheitsministerium, anschließend Landtagsabgeordnete (bis 2017). Dem CDU-Bundesvorstand gehört Güler, die mit ihrem Mann in Köln lebt, seit 2012 an. Von 2017 bis 2021 war sie Integrationsstaatssekretärin in der Regierung Laschets, der im Oktober das Amt des NRW-Ministerpräsidenten niedergelegt hatte und jetzt Noch-Parteichef und Bundestagsabgeordneter ist. Güler folgte ihrem Mentor, schaffte es über die Landesliste in den Bundestag, nach einem intensiven Wahlkampf in ihrem heimischen Wahlkreis Köln-Leverkusen, den schließlich zum fünften Mal in Folge Karl Lauterbach (SPD) holte.

Erst Hotelfachausbildung, dann das Studium

1963 kam Gülers Vater über das Anwerbeabkommen mit der Türkei als Bergmann nach Deutschland. Ihre Mutter lernte er später kennen, sie kam 1978 nach Deutschland. Der Vater schuftete jahrzehntelang unter Tage, litt unter einer Staublunge, die Mutter arbeitete als Reinigungskraft. In diesem Jahr starb der Vater. Ihre Eltern haben darauf geachtet, dass ihre Tochter Chancen nutzen kann. Serap Güler machte Abitur, absolvierte eine Hotelfachausbildung, studierte Germanistik und Kommunikationswissenschaften. Heute engagiert sie sich u.a. im Kolpingwerk, einem internationalen katholischen Sozialverband mit Sitz in Köln. Als christdemokratisch versteht sie die Öffnung der CDU für Menschen mit Migrationshintergrund. So sagte sie einmal: „Eine Partei, die das C im Namen trägt und die Einstellung hat, nur Christen zu fördern, würde sich - ohne als Muslimin jetzt anmaßend klingen zu wollen - sehr unchristlich verhalten.”

Die Erfolg der Integration „nicht kleinreden lassen”

Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte Güler im Frühjahr, ihr Vater habe die deutsche Sprache im Beruf gelernt, als Bergmann, „bruchstückweise, eben das, was man unter Tage braucht. Mutter - sie hat damals als Reinigungshilfe gearbeitet – hatte das große Glück, das sich eine deutsche Nachbarin im selben Haus enorm viel Zeit genommen hat, um uns bei der Integration und dem Erlernen der deutschen Sprache zu helfen. Davon habe ich sehr profitiert”. Für ein solches ehrenamtliches Engagement müsse man sehr dankbar sein, auch heute.  Mit Unterstützung der vielen ehrenamtlichen Helfer habe Deutschland die Aufgaben der vergangenen Jahre sehr gut meistern können. Die Erfolge der Integration „dürfen wir uns nicht kleinreden lassen”, betonte sie. Dass sie im Sturm Kurs hält, hat sie oft bewiesen. In NRW hat sie vehement Stellung bezogen gegen ein Kopftuch für Mädchen. Sie tritt ein für Chancengleichheit unabhängig von Herkunft, Religion, Alter und sozialem Status. 

„Klare rechtsstaatliche Antworten liefern”

Güler ist engagiert im Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus, Extremismus.  Sie bezieht Position: Als muslimische Demonstranten im Mai vor der Synagoge in Gelsenkirchen antisemitische Parolen rufen, mahnte sie alle in Deutschland lebende Muslime, das Existenzrecht Israels als Teil der deutschen Staatsräson zu akzeptieren: „Wir müssen gegen diesen Hass, gegen diese abscheulich hässliche Fratze des Antisemitismus klare rechtsstaatliche Antworten liefern.”

Als ihre Parteifreunde in Thüringen den ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen zum Kandidaten für die Bundestagswahl machen, der war zuvor mit verschwörungstheoretischen und rechtslastigen Einlassungen aufgefallen war, erklärte Güler: „Ihr habt echt den Knall nicht gehört! Wie kann man so irre sein und die christdemokratischen Werte mal eben über Bord schmeißen? Ein bitterer Tag“, twittert sie. Sie erntet Zustimmung, aber auch Kritik, einigen wie Friedrich Merz ging diese Einlassung deutlich zu weit. 

Güler: Bei der CDU zu sein, soll sich gut anfühlen

Besonders spannend wird sein, wie sich die Mitglieder in NRW entscheiden werden, und ob Braun an Rhein und Ruhr auch mit Hilfe der Kölnerin Güler punkten kann - neben Braun bewerben sich für den CDU-Parteivorsitz noch Norbert Röttgen (der im Rhein-Sieg-Kreis lebt) und der Sauerländer Friedrich Merz.  Und wohin soll die Reise für die CDU gehen? Künftig solle die CDU eine Partei sein, „die für Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und auch Herzlichkeit steht”, sagte Güler jetzt in Berlin. Es müsse darum gehen, nicht nur den Kopf der Menschen, sondern auch die Herzen anzusprechen: „Es soll in Zukunft nicht nur klug sein, sich für die CDU zu entscheiden, es soll sich insgesamt gut anfühlen, bei der CDU zu sein.”

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