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Christina Stumpp: CDU muss jünger, weiblicher und moderner werden

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Christina Stumpp aus Waiblingen soll stellvertretende Generalsekretärin werden, wenn Friedrich Merz neuer Parteichef wird. Sie will sich für eine Erneuerung der Partei einsetzen, die alle mitnimmt. 

Hans-Jürgen Deglow
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Lesezeit 3 Min
Christina Stumpp vertritt den Wahlkreis Waiblingen im Bundestag - und soll Vize-Generalsekretärin der CDU werden. Foto: CDU Baden-Württemberg/dpa

Frau Stumpp, was bedeutet Ihnen die Nominierung durch Friedrich Merz für das Amt einer Vize-Generalsekretärin? 

Stumpp: Ich freue mich wirklich sehr, dass Friedrich Merz mich ausgewählt hat, um an der Neuaufstellung der CDU mitzuwirken und meine Ideen für die Zukunft unserer Partei einzubringen. Wir brauchen Erneuerung in der Partei, denn wir haben viele junge Wähler verloren. Wir müssen jünger, weiblicher und moderner werden in der CDU. Jugendliche und junge Familien haben wir einfach nicht mehr in ausreichendem Maße ansprechen können. Ich möchte mich für eine Erneuerung der Partei einsetzen, die alle mitnimmt. 

 

Sie sind erstmals in den Bundestag eingezogen, haben Ihr Wahlkreismandat direkt geholt. Welche Erfahrungen bringen Sie aus Waiblingen mit nach Berlin, die Ihnen auch bei dem angestrebten Amt und bei der Erneuerung helfen würden? 

Stumpp: Bereits mit 14 Jahren bin ich in die Junge Union eingetreten und von Jugend an kommunalpolitisch verwurzelt. Mein Vater war schon Gemeinderat, das prägt. Ich selber bin Regionalrätin. Insbesondere ist mir ein großes Anliegen, die kommunalpolitische Familie stark zu vertreten. Ich möchte ein offenes Ohr für die Bürgerinnen und Bürger haben und als direkt gewählte Volksvertreterin ihre Themen nach Berlin mitnehmen. Beispielsweise ist das Thema Pflege aufgrund des demographischen Wandels allgegenwärtig. Jeder kennt jemanden, der Pflege braucht, oder der selber andere pflegt. Für die CDU bedeutet das: Wir müssen schauen, dass wir insgesamt wieder näher bei den Themen der Menschen sind und sie in ihrer Lebenswelt abholen.

 

Welche Lebenswelt-Themen muss eine Union, die sich moderner aufstellen will, denn darüber hinaus in den Blick nehmen? 

Stumpp: Gerade aus jungen Familien werden wir völlig zurecht gefragt, wie wir uns einen stärkeren Klimaschutz vorstellen. Auch ich selbst möchte einmal meinem Sohn eine intakte Erde hinterlassen. Klimapolitik ist ein ureigenes Thema der CDU: Sie war es, die 1987 im Bund das erste Umweltministerium eingesetzt hat. Wir sollten in der Opposition eine verlässliche Linie in der Klimapolitik einfordern. Es wäre falsch, Klimaneutralität nur über immer höhere Preise und im Hauruck-Verfahren steuern zu wollen. Deutschland muss eine Industrienation bleiben. Eine Politik von oben herab zu machen, ist nicht mein Ansatz. Ich komme aus der Kommunalpolitik, und da geht es von unten nach oben. 

 

Daneben gibt es die große Herausforderung der Familienpolitik. . . 

Stumpp: Richtig, Kinderbetreuung ist hier eines der wichtigen Themen. Die Politik muss flexible Angebote machen, damit jede Familie für sich den richtigen Weg findet. Zudem sollten die steuerlichen Rahmenbedingungen die Gründung einer Familie möglichst erleichtern. Entlasten können wir Eltern aber auch dadurch, indem wir in Schulen sehr gute Lernmittel bereitstellen und die Digitalisierung vorantreiben. 

 

Sie haben bei Ihrer Vorstellung gesagt, mit einer Frauenquote für Parteiämter könnten Sie sich eher nicht anfreunden. Wie bekommt man denn mehr Frauen in die Politik?

Stumpp: Als Friedrich Merz mich fragte, ob ich mir eine solche Aufgabe vorstellen könne, hatte ich mir erst einmal etwas Bedenkzeit erbeten. Mein Kind ist gerade erst ein Jahr alt, wir sind eine junge Familie und da muss man schon gemeinsam überlegen, was leistbar ist. Wie viel Verantwortung kann und will man tragen? Welche über das Bundestagsmandat hinausgehenden Aufgaben sind zeitlich machbar - zumal, wenn beide Elternteile berufstätig sind? Diese Fragen stellen sich immer mehr junge Familien und vor allem junge Frauen, und wir in der CDU täten gut daran, uns noch stärker mit ihren Wünschen und Sorgen auseinanderzusetzen. als Als stellvertretende Generalsekretärin werde ich mich für familienfreundlichere Rahmenbedingungen in der Politik einsetzen. 

 

Betrachten Sie Ihre Nominierung auch als Signal an den Landesverband Südwest? 

Stumpp: Das ist tatsächlich ein starkes Signal für meine Südwest-CDU. Wir haben leider bei der letzten Bundestagswahl fünf Direktmandate verloren. Das schmerzt. Trotz allem haben wir aber auch 33 Direktmandate geholt, was mich sehr freut. Die CDU-Landesgruppe Baden-Württemberg ist mit einem starken Team im Bundestag vertreten, und ich bin zuversichtlich, dass wir bei der nächsten Bundestagswahl wieder kräftig zulegen werden. 

 

Was schätzen Sie besonders an Friedrich Merz?

Stumpp: Seine große Fachkompetenz. Ich bin selbst Steuerrechtlerin und fand seine plakative Idee von einer Steuererklärung, die auf einen Bierdeckel passt, immer sehr charmant. Auch wenn sich das in der Praxis dann nicht umsetzen lässt, so zeugt der Gedanke doch von einem besonderen Anspruch an die Politik: Wir müssen die Entbürokratisierung vorantreiben, Prozesse entschlacken, vom Steuer- bis zum Baurecht. Wer Menschen entlasten möchte, muss die Verwaltung modernisieren. Friedrich Merz ist genau der richtige Mann für diese großen Aufgaben und wird die CDU und unser Land wieder auf Kurs bringen.

 

Zur Person 

Den Wahlkreis Waiblingen hat Christina Stumpp bei der Bundestagswahl im September mit fast 29 Prozent gewonnen, obwohl sie erst kurzfristig für den Langzeitkandidaten Joachim Pfeiffer eingesprungen war. Für Stumpp war die Nominierung von Merz als Vize-Generalsekretärin ein „Geburtstagsgeschenk”: Sie wurde am Dienstag 34 Jahre alt. Generalsekretär soll der Berliner Mario Czaja werden. Stumpp wuchs auf dem Bauernhof der Eltern auf, absolvierte eine Ausbildung als Verwaltungswirtin. Nach Stationen in der Stadtverwaltung Waiblingen sowie Landesministerien war sie bis zu ihrem Einzug in den Bundestag persönliche Referentin von Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU). Sie ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn.

 

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