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Meinung zu Cannabis-Plänen der Ampel-Parteien: Jugendschutz muss Priorität haben

Nach jahrzehntelangem Verbot will die künftige Bundesregierung beim Thema Cannabis einen neuen Weg einschlagen. Bei allen Überlegungen sollte vor allem der Jugendschutz im Mittelpunkt stehen.

Valerie Blass
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Cannabis
Bereits seit einigen Jahren wird Cannabis für medizinische Zwecke wie Schmerzlinderung bei Schwerkranken erlaubt.

Nach jahrzehntelangem Verbot will die künftige Bundesregierung den Verkauf von Cannabis an Erwachsene erlauben - streng kontrolliert und in lizensierten Geschäften. Dadurch soll die Qualität überwacht, die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet werden, heißt es im Koalitionsvertrag der Ampel.

Konservative fürchten den Einstieg in den Drogensumpf

Konservativen Politikern erscheinen die Pläne wie der Einstieg in den Drogensumpf. So warnte CSU-Generalsekretär Markus Blume: "Cannabis ist und bleibt eine Einstiegsdroge." Er verlieh sogar seiner Furcht Ausdruck, dass Deutschland damit zum "Tummelplatz für die Organisierte Kriminalität" werden könnte und führte als Negativ-Beispiel die Niederlande an, wo die Drogenkriminalität in den vergangenen Jahren eskaliert ist.

Man kann davon ausgehen, dass es zu harten Auseinandersetzungen gekommen wäre, wenn nicht die Pandemie das Thema schnell an den Rand gedrängt hätte.

Der Blick nach Kanada entkräftet die schlimmsten Sorgen

Dabei reicht der Blick nach Kanada, um die größten Sorgen schnell zu entkräften. Was war das für eine Goldgräberstimmung, als mit Kanada das erste westliche Industrieland 2018 Cannabis für den Freizeitgebrauch legalisierte. Produzenten witterten das große Geld. Genauso die Lebensmittelindustrie, die außerordentliche Kreativität dabei entwickelte, Cannabis in so ziemlich alles zu mischen, was dafür geeignet schien, sobald auch das erlaubt war - von Kaffee über Süßigkeiten bis hin zum Fleischbällchen.

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Die anfängliche Euphorie war überzogen

Doch die Euphorie war überzogen, wie sich inzwischen gezeigt hat - genauso wie die schlimmsten Befürchtungen der Kritiker. Statt das große Geschäft zu machen, müssen viele Händler kämpfen. Mehrere Hundert Firmen konkurrieren in Kanada um einen Markt, der nicht so groß ist, wie viele erwartet hatten. Kanada war zwar schon immer ein Land, in dem viel gekifft wurde - so konsumiert ein Viertel der Bevölkerung Haschisch, Marihuana oder mit Cannabis versetzte Lebensmittel regelmäßig in der Freizeit oder aus medizinischen Gründen, und 60 Prozent hatten schon einmal Kontakt damit. Das hat auch historische Gründe: First-Nations-Stämme in einigen Bundesstaaten hatten auf ihren Territorien lange vor der allgemeinen Legalisierung das Recht, mit Cannabis-Produkten zu handeln.

Der Schwarzmarkt existiert weiter

Nach der Legalisierung hat sich die Zahl der Konsumenten in Kanada jedenfalls nicht drastisch erhöht, wie viele befürchtet hatten, auch nicht unter Jugendlichen. Studien haben dafür gezeigt, dass weniger junge Menschen wegen Cannabis-Vergehen straffällig werden. Der Schwarzmarkt existiert trotzdem parallel zum staatlich kontrollierten Markt weiter - denn beim Dealer um die Ecke ist häufig eine breitere Auswahl erhältlich.

Der Staat hat durch mehr Steuereinnahmen profitiert

Wer eindeutig profitiert hat, ist der Staat, denn der nimmt seit der Freigabe deutlich mehr Steuern ein. In Deutschland könnte der Effekt nach Berechnungen der Uni Düsseldorf ebenfalls gewaltig sein: Die Forscher haben Mehreinnahmen von 4,7 Milliarden Euro kalkuliert - nicht nur durch die Cannabissteuer, auch durch andere Steuern und Sozialbeiträge, neue Jobs sowie Einsparungen bei der Strafverfolgung.

Bei allem Für und Wider steht fest: Aufzuhalten ist Cannabis als Genussmittel nicht. Besonders unter Jugendlichen hat der Freizeitkonsum deutlich zugenommen. Gerade sie gilt es jedoch zu schützen, denn in dieser Altersgruppe kann Kiffen die Gehirnleistung dauerhaft beeinträchtigen und schwere Psychosen auslösen. Dem Jugendschutz muss höchste Priorität eingeräumt werden, das ist die eigentliche Herausforderung. Wie die Ampel das angehen möchte, ist jedoch noch nicht zu erkennen.

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