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Josip Juratovic, SPD, Wahlkreis Heilbronn

Der SPD-Kandidat im Bundestagswahlkreis Heilbronn, Josip Juratovic, schaffte einst vom Audi-Fließband den Sprung nach Berlin. Diesmal kämpft er ums Direktmandat, wegen seines schlechten Listenplatzes.

Kilian Krauth
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Josip Juratovic (SPD): Zäher Arbeiter auf den Plätzen der Demokratie
Er kennt große und kleine, politische und alltägliche Baustellen: Josip Juratovic am Wohnhaus seines Sohnes in Böttingen, das die beiden derzeit sanieren. Foto: Ralf Seidel

"Platz der Demokratie" steht da in griechischen Lettern mit deutschem Untertitel. Das blaue Straßenschild hängt prominent über Josip Juratovics Gartenterrasse. Es ist in vielerlei Hinsicht programmatisch. Zunächst verweist es auf das Credo des katholischen SPD-Bundestagsabgeordneten, nämlich darauf, dass die Demokratie, ihre Werte, ihre Institutionen, Mechanismen, die gewählten Volksvertreter, aber auch eine damit verbundene Streitkultur für ihn über allem stehen. "Wo der offene Austausch der Interessen zwischen den Parteien nicht mehr gepflegt wird, bekommen Demagogen von der Straße die Oberhand, Querdenker, AfD-ler, Feinde der Demokratie." Im Stile eines Polit-Philosophen zieht der 62-Jährige Parallelen zur Weimarer Republik und zum Zerfall Jugoslawiens, wo er Teil der Friedensbewegung war und zum Brückenbauer avancierte, der er bis heute ist.

Mit 15 Jahren aus Kroatien ausgewandert

Das blaue Schild weist mitten im Ortskern von Gundelsheim-Böttingen aber auch darauf hin, wo der verheiratete Vater dreier Kinder, der 1974 als 15-Jähriger aus Kroatien ins Unterland auswanderte, Politik gelernt hat. Genau hier: in Gundelsheimer Vereinen, in der Kirchengemeinde, in der Jugendarbeit, was für ihn konsequenterweise in die Gründung des Juso-Ortsverbandes mündete und in den Gemeinderat.

2005 als Bandarbeiter in den Bundestag gewählt

Auf einem wichtigen "Platz der Demokratie" hat der gelernte Kfz-Mechaniker, der später bei Audi am Band stand, 2005 seinen bis dahin größten Erfolg errungen. Die Unterländer Genossen schickten ihn nach einer Kampfabstimmung gegen den Polit-Promi, den damaligen Landeschef der Gewerkschaft Bildung-Erziehung-Wissenschaft, Rainer Dahlem, ins Rennen ums Bundestagsmandant, das der Nobody gegen alle Unkenrufe prompt errang. Wie hart es auf dem Platz der Demokratie zugehen kann, bekam er oft zu spüren, etwa 2017 als ihn die Partei, um Nils Schmid abzusichern, von Listenplatz 11 auf 16 abschob. Wobei er trotzdem die meisten Erststimmen aller SPD-Kandidaten in Württemberg errang, 42 454, also 23 Prozent gegenüber 16 der Gesamtpartei.

Wegen Listenplatz 18 kämpft er fürs Direktmandat

Diesmal wird es für ihn noch schwerer. Platz 18 dürfte für den erneuten Einzug in den Bundestag nur reichen, wenn die SPD - deren Prognosen Mitte August tatsächlich weit über 20 Prozent kletterten - auf 20 Prozent kommen würde. Oder wenn Juratovic dem "guten Kollegen" Alexander Throm (CDU) das Direktmandat abjagen würde - auch wenn er sich gerne weiter mit ihm und Michael Link (FDP) in Berlin für die Region stark machen würde: so wie fürs Heilbronner Containerterminal oder für den Ausbau der Neckarschleusen und der A6.

Wobei seine Themenschwerpunkte klassisch sozialdemokratisch sind: gerechtere Arbeitswelt, Pflege und Gesundheit, soziale Sicherheit, Europa und "wegen der neuen Gefahr von rechts die Bewahrung unserer Demokratie".

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