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Stefan Thien: Weltenbummler will Volksentscheide

Stefan Thien steht für die AfD zur Wahl, für ihn ist die Wohnungsnot das wichtigste Thema im Kreis.

Von Ranjo Doering
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Weltenbummler will Volksentscheide
Stefan Thien hat die Eisdiele Brenta in Schwäbisch Hall zu seinem Lieblingsort im Wahlkreis erklärt. Der AfD-Politiker liebt Eis, Schokolade und die Lage des Cafés in Kochernähe.Fotos: Ranjo Doering, privat

Politische Diskussionen in der Familie? Stefan Thien muss schmunzeln. "Mein Bruder ist politisch in einer ganz anderen Richtung unterwegs", sagt der 54-Jährige. "Er ist grün und in vielen Punkten sind wir gegensätzlicher Meinung. Da gibt es dann auch manchmal politische Debatten. Dadurch lernt man aber auch die andere Seite kennen." Stefan Thien tritt bei der Bundestagswahl am 24. September für die Alternative für Deutschland (AfD) im Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe an. Auf der Landesliste steht der Böblinger nicht, er benötigt ein Direktmandat.

Politik habe ihn schon immer interessiert. Früh ist sie auch in der Familie ein Gesprächsthema. "Wir wohnten in Stuttgart damals direkt neben den Eltern von Siegfried Hausner, einem Terrorist der Roten Armee Fraktion." Das Attentat auf die Botschaft in Schweden 1975 habe er trotz jungen Alters "sehr intensiv erlebt".

Volksentscheide nach Schweizer Vorbild

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Junge Jahre: Am ersten Schultag in Nellingen auf den Fildern.

Parteipolitisch aktiv ist der Vermögensmanager, der in Herrenberg arbeitet, zunächst bei der FDP. 2011 verlässt er sie enttäuscht. "Da war absolut nichts los. Alles, was die Partei angefangen hat, ist schief gegangen." Anschließend will er mit Politik eigentlich nichts mehr zu tun haben − bis zur Gründung der AfD. Thien ist seit den Anfängen mit dabei, hat die Mitgliedsnummer 2852. "Die Partei hat von Beginn an die richtigen Punkte, hinter die ich mich vollends stellen kann." Sein wichtigstes Ziel ist die Einführung des Volksentscheids − ganz nach Schweizer Vorbild. Ihm gehe es darum, die Menschen mitentscheiden zu lassen. "Als Übergang könnte man mit Volksbefragungen arbeiten. Dann würde vor der Wahl nicht mehr so gelogen."

Im Wahlkreis gehe es vor allem um die akute Wohnungsnot. Für den 54-Jährigen ist sie hauptsächlich durch die Zuwanderung zustande gekommen. "Unabhängig woher und warum die Leute kamen − eine Million Menschen von jetzt auf nachher, das kann man nirgendwo einplanen."

Bei der Bundestagswahl rechnet Thien seiner Partei gute Chancen aus: "Ich gehe davon aus, dass wir die Nummer Drei im Land werden. Das Ergebnis wird auf jeden Fall zweistellig." Sich selbst ordnet er innerhalb der AfD in der "konservativen Mitte" ein. "Ich vereine die Adern Wirtschaftsliberalität und Patriotismus, jedoch nicht im nationalistischen Sinne." Das Denken in einem Rechts-Links-Schema ist für Thien veraltet. "Man muss das Spektrum eher als Kreis sehen − ganz links und ganz rechts treffen sich die Extreme." Vorwürfe, die AfD instrumentalisiere die Ängste der Bevölkerung, kann der gebürtige Stuttgarter nicht nachvollziehen: "Diese Ängste sind ja nicht aus dem Nichts geholt, sie sind in der Regel real begründbar." Umstrittene, in den Medien und sozialen Netzwerken oft als fremdenfeindlich betitelte Aussagen seines Thüringer AfD-Kollegen Björn Höcke steht Thien jedoch kritisch gegenüber. "Da sind Dinge dabei, bei denen er mit dem Feuer spielt. Für mich ist er in manchen Punkten zu hart."

Entspannung auf Autofahrten

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Stefan Thien wohnt in Böblingen. Zu seinen Wahlkampfveranstaltungen muss er lange Wege mit dem Auto zurücklegen. Klar, das bedeutet Zeitverlust. "Für mich sind die Autofahrten aber auch Entspannung. Im Beruf ist man eingespannt, daheim bereitet man Dinge für den Wahlkampf vor − die Fahrten sind deshalb Ruhephasen."

Wenn er gewählt wird, würde er sich im Landkreis einen Zweitwohnsitz nehmen. An seinem Wahlkreis schätzt er vor allem die Grundeinstellung der Bevölkerung. Nach seinem Empfinden sei diese im Kern konservativ − unabhängig davon, welche Partei jemand wähle.

Als Kind hat Stefan Thien einen besonderen Wunsch: Er will Handwerker werden. "Ich hatte sogar eine Stelle als Maler. Doch dann kam raus, dass ich Farben gravierend falsch sehe. Bei bestimmten Farbkombinationen kann ich keine Unterschiede sehen." Stattdessen beginnt er eine Ausbildung zum Bankkaufmann.

Der 54-Jährige beschreibt sich selbst als Weltenbummler − bislang hat er mehr als 35 Länder besucht, darunter Finnland, die USA und Südafrika. "Australien und Südamerika fehlen mir noch." Und wo war es auf seinen Reisen bisher am Schönsten? "Japan hat mir besonders gut gefallen."

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